Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 29. Januar 2010

Bronzene Replik und kunsthandwerkliche Rarität kann ab sofort beim Münsterbauverein bestellt und erworben werden

Der Aktionsausschuss des Gmünder Münsterbauvereins überrascht gleich im neuen Jahr mit einer kunsthandwerklichen Initiative zugunsten der Renovierung der Johanniskirche.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Ab sofort kann in der Geschäftsstelle des Münsterbauvereins (Franziskanergasse 3, Tel. 07171/​10469033) eine wertvolle Replik der wunderbaren Madonna aus der Johanniskirche bestellt und erworben werden. Das von Ziseleur– und Graveurmeister Rudolf Schips in Zusammenarbeit mit der Metall– und Kunstgießerei Gebr. Schneider geschaffene Werk ist aus Bronze gefertigt. Daher resultiert auch der Preis in Höhe von 275 Euro, wobei 75 Euro pro verkauftes Exemplar auf das Spendenkonto zugunsten der Renovierung der Johanniskirche gehen.
Münsterpfarrer Robert Kloker und Prof. Dr. Hubert Herkommer, Vorsitzender des Aktionsausschusses des Münsterbauvereins, stellten gestern das Kunsthandwerk-​Projekt in der Johanniskirche vor. Ganz bewusst und symbolisch, so Herkommer, habe man die Präsentation nahe an Mariä Lichtmess gelegt, um den Gmündern zusätzlich Anreiz zu schaffen, den Blick auf diese ganz besondere und wertvolle Mariendarstellung zu richten. Die staufische Madonna der Johanniskirche, die aus dem 12. Jahrhundert und aus der romanischen Vorgängerkirche stammt, ist „die wertvollste romanische Plastik der Stadt Schwäbisch Gmünd“, zitiert Herkommer den Historiker und Kunstkenner Peter Spranger. Professor Herkommer kommt ins Schwärmen, wenn er Einzelheiten und Symbolkraft dieses uralten Gmünder Sakralkunstwerkes beschreibt. Eine wahrhaft königliche Erscheinung habe der unbekannte Bildhauer vor mehr als 800 Jahren geschaffen.
Prof. Dr. Hubert Herkommer schlägt den Bogen zur großartigen Historie des Herrschergeschlechts der Staufer. Und ehrfürchtig blickt er hinauf zum Balkon, der majestätisch in den Chorraum der Johanniskirche ragt, und erinnert an den letzten großen Stauferherrscher: Konradin, Herzog von Schwaben und König von Sizilien und Jerusalem. Konradin habe in der Johanniskirche im Jahre 1266 sein letztes Weihnachtsfest auf deutschem Boden gefeiert. Sicher sei er dort oben auf diesem Balkon gläubig und nachdenklich gesessen. Zwei Jahre später starb Konradin im Alter von nur 16 Jahren auf Befehl König Karls von Anjou in Neapel auf dem Schafott, wurde Opfer von Intrigen und Machtinteressen. Herkommer erklärt: „Mit Konradin erlischt im Mannesstamm das Staufergeschlecht, das während 120 Jahren die römischen Könige und Kaiser gestellt hat.“
Die Staufer prägten Politik und Kultur in halb Europa und rund ums Mittelmeer. Dieses Herrschergeschlecht des frühen Mittelalters stammt aus unserer Heimat. Die Stammburg stand auf dem Hohenstaufen, die Grablege ist im Kloster Lorch zu finden, die Johanniskirche gilt als Taufort und Gmünd als die älteste Stauferstadt überhaupt.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen