Gmünder Stadtwerke tun mehr als sie müssen und bieten ihren Kunden schon jetzt die Technik von morgen kostenfrei an
Die Gmünder Stadtwerke tauschen bei ihren Kunden die klassischen schwarzen Stromzähler, die man seit Generationen kennt, nun Zug um Zug gegen hochmoderne Geräte aus. Diese können nicht nur die Strommenge erfassen, sondern ermöglichen einen umfangreichen Datenaustausch zwischen Stromversorger und Kunden. Und sie helfen, Energiekosten zu sparen. Von Gerold Bauer
SCHWÄBISCH GMÜND. „Wie viel Geld geben Sie eigentlich im Monat für Strom aus?“. Mit dieser durchaus rhetorisch gemeinten Frage eröffnete Stadtwerke-Geschäftsführer Rainer Steffens die Präsentation der neuen Zähler. Denn aus Erfahrung weiß er sehr genau, dass die meisten Stromkunden diese Frage nicht aus dem Stegreif beantworten können. Das Ablesen des Zählerstands kann natürlich jeder bewerkstelligen — und man kann anhand der Geschwindigkeit, mit der sich das Rädchen im Zähler dreht, auch Rückschlüsse ziehen, ob im eigenen Haushalt gerade viel oder wenig Strom verbraucht wird. Was den Verbrauchern indes fehlt, sind exakte Zahlen.
Diese werden sie allerdings bald bekommen, denn die Gmünder Stadtwerke haben beschlossen, weit über ihre gesetzliche Verpflichtung hinaus zu gehen und nicht nur bei Neubauten oder umfangreichen Umbauten neue Zähler einzubauen, sondern gleich bei allen ihren Kunden. Es wird zwar ein paar Jahre dauern, bis man alle Haushalte erreicht hat, aber die ersten können sich schon in wenigen Monaten an dieser innovativen Technik erfreuen. Sie sind dann sogar noch Teilnehmer an einem Pilotprojekt und haben an der Entwicklung dieser Technik Anteil. Ein erster Schritt wird die Auswahl von
30 Kunden sein, die einen möglichst repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellen sollen. Im Rahmen eines dreistündigen Workshops haben diese Bürger Gelegenheit, auch ihre Wünsche im Hinblick auf die Stromabrechnung und auf Hilfestellungen zum Thema „Stromsparen“ einzubringen.
Dreh– und Angelpunkt des Projekts ist die „Intelligenz“ der neuen Geräte. Sie sind nämlich kleine Kommunikationsgenies, die Daten nicht nur sammeln, sondern ganz automatisch auch senden und empfangen können. Ein angenehmer Nebeneffekt für Kunden und Stadtwerke: Niemand muss mehr in den Keller, um den aktuellen Zählerstand für die Berechnung der nächsten Abschlagszahlung abzulesen. Diese Daten bekommen die Stromversorger automatisch und können dann künftig exakte Rechnungen ausstellen — und zwar auch monatlich, was nicht zuletzt sowohl für Mieter als auch für Vermieter eine wesentliche genauere Abrechnung ermöglicht.
Die Geräte können aber noch mehr, denn sie haben ein Anzeigefeld, mit dem sie „ihrem“ Hausherrn wertvolle Informationen über den Verbrauch liefern. So haben kostenbewusste Stromkunden die Möglichkeit, ihr eigenes Konsumverhalten genau zu beobachten und zu analysieren. Man kann also sehr exakt ablesen, welche Vorteile es bringt, wenn man zum Beispiele den Appetit von stillen „Stromfresser“ (den Standby-Betrieb von Fernsehgeräten zum Beispiel) durch das Ziehen des Netzsteckers zügelt. Flankiert wird das ganze von neuen Angeboten für eine flexible Tarifgestaltung. Statt eines einzelnen Tarifs oder der strengen Aufteilung in Tag– und Nachtstrom kann man sich bald die Tageszeit aussuchen, zu der man gemäß der individuellen Verbrauchsgewohnheiten am liebsten verbilligten Strom hätte. Die Energieversorger haben davon den Vorteil, dass sich der Stromverbrauch etwas gleichmäßiger über den Tag verteilt und die Spitzenwerte reduziert werden. Dies ist nicht zuletzt im Hinblick auf den Einsatz regenerativer Energien von großer Bedeutung.
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