Gmünder Initiative hatte zum zweiten Montessori-Forum in die Eichenrainschule eingeladen
Was fühlt ein Leseanfänger, wenn er mit den vielen neuen Zeichen bombardiert wird? Kann die kindliche Hand auf das Schreiben vorbereitet werden? Diese und viele andere Fragen bewegten die Gäste beim zweiten Montessori-Forum, das in der vergangenen Woche in der Lindacher Eichenrainschule stattfand und viel Resonanz fand.
SCHWÄBISCH GMÜND
(pm). Veranstaltet wurde der Abend von der Schwäbisch Gmünder Montessori-Initiative und dem Team des Montessorizugs der Grundschule. Zu Beginn gab Karl Grass, der Vorsitzende der Montessori-Initiative einen kurzen Überblick über die Besonderheiten im Lese– und Schreiblernprozess nach Maria Montessori.
Danach wurden die Türen der Klassenzimmer geöffnet und vier Lehrerinnen stellten eine Vielfalt an Freiarbeitsmaterialien zum Lesen und Schreibenlernen vor. Mit den metallenen Einsatzfiguren, die als Vorübung zum Schreibenlernen dienen, machten manche Eltern die Erfahrung, dass es gar nicht so leicht ist, einen Kreis sauber und gleichmäßig zu schraffieren.
Wertvoller Einblick in die Sichtweise, in das Lernverhalten und in die Motivation der Kinder
Im Nebenraum wurde eine Anlauttabelle mit kleinen Gummitieren gemeinsam ausprobiert. Sollte nun der Collie bei C oder eher bei H, wie Hund einsortiert werden? Und wie ist es einzuschätzen, wenn ein Kind mit Hilfe dieser Tabelle nun das Wort FUGS geschrieben hat? Im dritten Klassenzimmer schlüpften die Eltern in die Kinderrolle und lautierten langsam: B – A – L – L und legten das Wortkärtchen zum entsprechenden Gegenstand. Ganz deutlich war hierbei zu spüren, wie motivierend es ist, handelnd zu lernen und viele Eltern stellten sich gerne der Herausforderung, selbst die Materialien in die Hand zu nehmen. „Jetzt kann ich mir vorstellen, wie es für mein Kind ist, so viele Buchstaben auf einmal vor sich zu sehen!“, sagte beispielsweise ein Vater, nachdem er mit der so genannten Anlauttabelle langsam das verschlüsselte: „Guten Abend“ entziffert hatte. Die Eltern bekamen einen guten Einblick in das kindliche Lernen und wurden hierbei sensibilisiert für die vielen Schritte, die ein Lese– und Schreib-Neuling vor sich hat. Sie erfuhren gleichzeitig, wie viel Freude und Stolz ein Kind empfinden kann, wenn es sich selbsttätig Schritt für Schritt die Welt der Buchstaben erschließt. Dass sich viele Türen zur Lese — Welt für ein Kind damit öffnen, wurde durch die bunten und lebendigen Angebote in den Klassenzimmern sichtbar. Überall herrschte eine geschäftige Atmosphäre. Es wurde von den teilnehmenden Eltern viel und gerne hinterfragt und nachgedacht. Immer wieder freuten sich die Eltern über diese gute Möglichkeit, in dieser freundlichen Lernumgebung erste Schul-Erfahrungen zu sammeln.
Noch keine Kommentare vorhanden.