Ungewöhnliches Rundschreiben an Ärzteschaft mit Kritik an Dialyse-Praxis am Stauferklinikum
Etwa 650 Briefe an die gesamte Ärzteschaft im Kreis schlagen enorme Wellen. Patienten und Mediziner sind verwundert über diese Vorgehensweise einer Distanzierung des Dialyse-Zentrums Wetzgau gegenüber der Stauferklinik, wo Patienten angeblich in „Baubaracken“ versorgt werden. Die Klinik weist die Kritik zurück.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Abgeschickt und unterzeichnet ist das Rundschreiben von
Dr. med. Alfred Renger,
Dr. med. Hans-Joachim Becker,
Prof. Dr. Rita Kielstein und
Prof. Dr. R.-Matthias Goerig von der Nephrologischen Praxis und Dialyse-Praxis Wetzgau. Dieses Facharzt– und Versorgungszentrum für Nierenkranke befindet sich nur einen Steinwurf vom Stauferklinikum entfernt.
Prof. Goerig beschreibt auch den Umstand, dass bis vor einigen Jahren sein Dialyse-Zentrum der Klinik angegliedert gewesen sei. Diese zeitliche und räumliche Nähe habe immer noch die Auswirkung, dass bei den Patienten und in der Ärzteschaft das Fachspezifische, was im Stauferklinikum passiere, mit dem Wetzgauer Dialysezentrum in einen Topf geworfen werde. Deshalb hätten er und seine Kollegen sich dazu gezwungen gefühlt, diesen ungewöhnlichen Schritt mit etwa
650 Briefen an alle Ärzte im Ostalbkreis zu gehen. Es handle sich um eine „Richtigstellung“ wegen „offenbar vorliegender Missverständnisse“ beim Erbringen von Dialyseleistungen. Der Hintergrund: Nach wie vor gibt es auch direkt an der Klinik eine Dialyse-Station. Im Brief an die Kreisärzteschaft beschreiben nun
Prof. Goerig und seine Kollegen folgende Zustände: Die Dialyse-Patienten der Klinik seien in „Baubaracken“ untergebracht, müssten besonders jetzt im Winter Transporte im Freien ertragen. Nach Aussage eines Patienten gebe es sogar „Betriebsstörungen durch eingefrorene Wasserleitungen“. Zudem, so ein weiterer Vorwurf, finde dort der Dialyse-Betrieb „ohne Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung oder des Sozialministeriums“ statt.
Prof. Goerig und das Wetzgauer Team „legen Wert auf die Feststellung, dass wir keinerlei Verantwortung haben“ und sie distanzieren sich klar von dieser Klinik-Dialysestation. Und
Prof. Goerig fragt im Gespräch mit unserer Zeitung kritisch: Warum ein solches Provisorium an der Klinik, „obwohl’s uns gleich in der Nähe gibt, wo die Patienten in festen Mauern besser versorgt werden könnten?“
Walter Hees, Verwaltungsdirektor des Stauferklinikum, stellte gestern auf Anfrage klar: Bei der nun kritisierten Dialyse-Praxis handle es sich nicht um eine Einrichtung des Klinikums selbst, sondern es seien im Rahmen einer Kooperation Räume an eine Aalener Ärztegemeinschaft vermietet. Aufgrund der noch nicht ganz abgeschlossenen Umbau– und Modernisierungsmaßnahmen befinde sich diese Dialyse-Station seit Oktober vorübergehend in einem Containergebäude, wo zuvor der betriebsärztliche Dienst untergebracht war. Dieses voll funktionstüchtige Ausweichquartier als „Baubaracken“ zu titulieren, sei ziemlich unverschämt. In etwa sechs Wochen könnten eh wieder die neuen Räume innerhalb der Klinik bezogen werden. Selbstverständlich gebe es derweil auch Zimmer im Hauptgebäude, die für Dialyse-Patienten hergerichtet seien, so dass da keine Betten durch Wind und Wetter geschoben werden müssten.
Verärgerter Klinik-Chef reagiert gleichfalls mit Rundschreiben
Der Klinik-Chef kündigte gestern an, dass nun auch er mit einem Rundschreiben an Ärzte in der Region reagieren werde, um die so genannte „Richtigstellung“ von seiner Seite aus klarzustellen. In seinem Brief werde, so Hees, auch der Hinweis enthalten sein, dass die Zusammenarbeit mit der Wetzgauer Praxis seinerzeit „wegen Qualitätsmängel“ für beendet erklärt worden sei. Aktuell seien auch die Sozialgerichte bemüht, in Sachen des Versorgungsauftrags Klarheit zu schaffen. In den ersten beiden Instanzen habe die Wetzgauer Praxis bereits verloren.
Die Ärztegemeinschaft aus Aalen wollte sich gestern öffentlich noch nicht zu dem schwebenden Verfahren äußern.
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