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» Ostalbkreis | Freitag, 12. Februar 2010

IHK-​Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2010: Erholung ja, aber es ist noch kein Aufschwung festzustellen

Nach dem konjunkturellen Tiefpunkt im Frühsommer 2009 hat sich der Aufwärtstrend in der regionalen Wirtschaft weiter verstetigt. Mit leicht verbesserter Geschäftslage dürfte damit für die Wirtschaft die Talsohle vollends durchschritten sein.

OSTWÜRTTEMBERG (pm). Ein Wachstumsschub ist zwar nicht zu erwarten, die Unternehmen gehen jedoch davon aus, dass es 2010 weiter aufwärts gehen wird. Erholung ja, aber noch kein Aufschwung, so das Fazit der aktuellen IHK–Konjunkturumfrage unter 460 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen.
Vorsichtig optimistisch: Die IHK lässt hoffen
Die regionale Wirtschaft hat die Talsohle der historischen Krise durchschritten und befindet sich auf dem Weg der Erholung. Vor allem die konjunkturbestimmende Industrie; hier kommen Belebungstendenzen aus dem In– und Ausland gleichermaßen. Über alle Branchen hinweg ist der Anteil der Unternehmen mit schlecht laufenden Geschäften von 37 Prozent im Herbst 2009 auf aktuell 31 Prozent zurückgegangen. Im Gegenzug ist die Zahl der Betriebe mit guter Geschäftslage von 15 auf 23 Prozent angestiegen. Stabil entwickelte sich mit rund 47 Prozent der Anteil mit befriedigender Geschäftslage. IHK–Konjunkturexperte Peter Gring: „Bei aller Besserung darf aber nicht verkannt werden, dass sich immer noch mehr Unternehmen in einer schlechten als in einer guten Geschäftslage befinden. Die wirtschaftliche Erholung setzt sich zwar insgesamt fort, aber mit zögerlichem Wachstum.“
Die jetzt verbesserte Geschäftslage geht auf weiter anziehende Auftragseingänge zurück, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend. Meldeten im Herbst 2009 nur 17 Prozent der Betriebe ein Auftragsplus, so ist dies zum Jahresbeginn bei 36 Prozent der Fall. Aktuell beklagen 32 Prozent der Betriebe Auftragsrückgänge ( 2009: 34 Prozent).
Die verbesserte Auftragslage einerseits und intensive Einsparanstrengungen der Unternehmen andererseits hatten zu einer leichten Verbesserung auf der Ertragsseite geführt. Während im Herbst knapp 11 Prozent der Betriebe eine gute Ertragslage meldeten, ist dies zum Jahreswechsel bei knapp 18 Prozent der Fall. Leicht zurück ging der Anteil der Unternehmen mit schlechten Erträgen von 46 auf derzeit 39 Prozent. Gring: „Damit bewerten die Unternehmen ihre aktuelle Ertragssituation weiterhin ungünstiger als die allgemeine Wirtschaftslage.“
Über alle Branchen hinweg hat sich die Stimmung im Vergleich zum Herbst 2009 nochmals leicht verbessert. 32 Prozent der Unternehmen erwarten, dass ihre Geschäfte im Jahr 2010 besser laufen werden als 2009. Damit ist die Zahl der zuversichtlichen Betriebe im Vergleich zum Herbst letzten Jahres um zwei Prozent angestiegen. Fast jedes zweite Unternehmen geht von einem gleichbleibenden Geschäftsverlauf aus (Herbst 2009: 45 Prozent). Eine weitere Verschlechterung ihrer Situation befürchten dagegen knapp 20 Prozent der Betriebe. Im Herbst war dies noch bei 25 Prozent der Fall, und vor Jahresfrist befürchteten gar 54 Prozent weitere Verschlechterungen.
Diese Erholungstendenzen schlagen sich, wenn auch nur leicht, bei den Investitions– und Beschäftigungsplänen der Betriebe nieder. Gring: „Der Aufwärtstrend muss sich erst weiter festigen, um in diesen Bereichen spürbare Erleichterungen feststellen zu können.“
Auch wenn der Druck auf die Beschäftigung leicht nachgelassen hat,so ist diesem in diesen Tagen veröffentlichten Bericht ebenfalls zu entnehmen, erwarten deutlich mehr Unternehmen (28 Prozent) die Zahl ihrer Mitarbeiter reduzieren zu müssen, als Betriebe, die zusätzliches Personal einstellen wollen (9 Prozent).
Die Investitionspläne haben sich gegenüber Herbst 2009 nur leicht verbessert. So wuchs der Anteil der Betriebe mit steigenden Inlandsinvestitionen in den nächsten zwölf Monaten von 17 Prozent im Herbst auf 22 Prozent zum Jahresbeginn. Ihr bisheriges Investitionsniveau wollen 42 Prozent der Betriebe aufrecht erhalten (Herbst: 32 Prozent). Zurück ging der Anteil der Unternehmen mit fallenden Inlandsinvestitionen von 37 auf knapp 29 Prozent. Auslandsinvestitionen spielen eine sehr untergeordnete Rolle.
Wichtig ist es jetzt, Wachstumsfinanzierungen sicher zu stellen, denn vor dem Hintergrund massiver Auftragseinbrüche verfügen viele Unternehmen nicht über ausreichende Eigenmittel. Ziehen die Aufträge an, bedarf es der Vorfinanzierung im Materialeinkauf, Vorleistungen im Entwicklungsbereich oder der Anschaffung notwendiger Maschinen, um Aufträge abwickeln zu können. Gring: „Es muss daher sichergestellt werden, dass die Unternehmensfinanzierung nicht zu einem Engpass für die wirtschaftliche Erholung führt.“
Mit steigenden Auftragseingängen stabilisiert sich die Lage in der regionalen Industrie weiter. Allerdings befinden sich immer noch mehr Betriebe in einer schlechten als in einer guten Geschäftslage. Die Branche setzt große Hoffnungen auf den Export. Investitions– und Beschäftigungspläne tendieren auf niedrigem Niveau freundlicher.
Rückläufige Auftragseingänge aus allen Baubereichen lassen das Baugewerbe skeptischer in die Zukunft blicken. Im Handel hat sich dagegen über alle Teilbereiche die Geschäftslage leicht verbessert. Angesichts negativer Prognosen in der Konsumneigung bleiben die Einzelhändler skeptisch. Parallel zu den vorwiegend industriellen Auftraggebern hat sich im produktionsverbindenden Großhandel die Geschäftslage leicht verbessert.
Für die kommenden zwölf Monate fällt der Blick weiterhin nur verhalten zuversichtlich aus. Die Investitions– und Beschäftigungspläne bleiben von Zurückhaltung geprägt. In der heterogenen Dienstleistungsbranche fallen die Lageurteile zwar sehr unterschiedlich aus; über alle Sektoren hinweg war aber eine leichte Erholung festzustellen. Es wird damit gerechnet, dass sich die positive Entwicklung in kleinen Schritten fortsetzen wird.

Der Konjunkturbericht mit Tabellen und Grafiken steht unter www​.ost​wuert​tem​berg​.ihk​.de _​Dokument ID: p1088 und p1087 zur Verfügung oder kann bei der IHK Ostwürttemberg, Tanja Bocon, Tel. 0 73 21/​32 41 51, angefordert werden.
 

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