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» Ostalbkreis | Freitag, 12. Februar 2010

Waldstetten: Oberwäschweib Susanne zum ersten Mal Herrin unterm Stuifen

Back to the roots – zurück zu den Wurzeln! So lautete das überraschende Motto der Wäschweiber am „schmotzga Donnstig“. Womit niemand rechnete: Ganz konventionell wie früher – „Marsch durch die Mitte“ – wurde das Rathaus gestürmt. Die Macht der Wäschweiber reichte aus, und ein paar Leitern taten ihr Übriges zum Erfolg. Von Karl Schleicher

WALDSTETTEN /​WÄSCHGÖLTHAUSEN. Auch die störrischen Rathäusler mit Michael dem Zärtlichen benutzten die alte Tarnung, die eigentlich keine ist, Gewänder in den Gemeindefarben. Der Schultes meinte es sich sogar leisten zu können, vor dem Sturm mit einer Narrenkapelle durchs Dorf zu ziehen. Wie überheblich! So hatten Wäschweiber, Garden und Lachabatscher, zusammen mit Remsgöckeln, Stuifehexa, Wißlenger Prinzenpaar und Hofkapelle, relativ leichtes Spiel. Einige Mutige stiegen so flugs mit Leitern in die verstaubten Amtsstuben, dass den Rathäuslern am Boden Mund und Augen offen standen. Sie nahmen’s sportlich und fügten sich in ihr Schicksal. Nach dem mit Wäschgölt ahoi umjubelten Sieg gab es ein buntes Programm mit Schunkeln, Lachabatscher-​Guggamusigg, Hopfdohla, Teenies und Jungwäschweibern sowie eine Gratulationscour für den Rathaussturm-​Organisator Harald Ziller, der gestern „g’scheit“ wurde.
Biddl Ingo Nuding verdonnerte augenzwinkernd den Schultes, der deutlich ein kleines Bäuchle angesetzt habe, zum Nordic Walking. Da aber „onser Michael en Haufa Fotografa braucht, damit er sich bewegt, wird an jedem Kilometer ein Blitzer installiert, der allerdings erst ab 10 km/​h auslöst“. Der Büttel zum „Blumenkrieg“: „Weil dr Maxa-​Beck Bluama verkauft, nemmt dr Gärtner Käs ond Wurscht en sei Angebot!“ Schultes Michael gestand seine Niederlage mit einem lachenden und weinenden Auge ein: “Mei Respekt, liebe Susanne, du hasch wirklich was auf dr Pfanne!“ Seine einstimmig beschlossenen Sparvorschläge: Schweinegrippe– Impfstoff als Salzersatz, Zuwanderungsabgabe für Gmünder, Abbau aller Verkehrsschilder, „weil sich sowieso koiner dra helt“, oder „a Sparkässle fürs neue Rothaus, en des jeder ebbes neischmeißa sott!“ Zum Narrenbaum der Wäschgölten meinte er spöttisch:“ Helenga aufgstellt, damit en koiner sieht!“ Mit Spannung erwartet wurde die 11-​Punke-​Proklamation von Oberwäschweib Susanne. Den Schultes, dessen Fluchtstollen Susanne längst zumauern ließ, machte sie zum „Oberkendermädle von alle Kloikendgruppa, der die verschissene Wendla wäscha muss“. Damit er sein neues Rathaus selber bauen kann, wurde er zu einer Lehre beim Schwartamaga verdonnert. Unter anderem verfügte das Oberwäschweib aufgrund des teuren Wassers gemeinsames Nacktbaden jeden Samstag, wobei man vom Pfarrer, Seiler, Kopper und Ilg eingeseift wird. Beerdigt wird nur noch jedes Vierteljahr, dann gibt’s Mengenrabatt. Pfarrer Geil wurde zum Stempelheiligen und Irene Eisenmann zur Wellness-​Beauftragten ernannt. Fonse Krieger, „der da ganza Tag bloß em Dorf romfehrt“, wurde Wäschweiberchauffeur, und Ehrenpräsident Karl Schleicher schließlich avancierte zum Englischnachhilfelehrer, der Günther Oettinger endlich das richtige „ti-​eitsch“ beibringt. Schaute das Standpersonal um halb elf, wenn der Rathausplatz gewöhnlich schon voll ist, zunächst noch ein bisschen mürrisch drein, hellten sich die Mienen bald auf, als die Narren etwas später – wohl wegen der Kälte — herbeiströmten. Nach dem Programm war noch lange nicht Schluss. Der Rathaussturm ging nahtlos in die Weiberfasnacht im beheizten Zelt und auf der Straße über. In vielen Geschäften trieben die Wäschweiber ihr (Un)wesen.
Wäschgölt ahoi!
 

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