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» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 16. Februar 2010

Entwicklungsförderung und Lebensbewältigung durch Rollenspiele — Vortrag bei PATE

Vor einigen Tagen war bei PATE in Schwäbisch Gmünd, Uferstraße, erneut eine hervorragende Veranstaltung für Adoptiveltern mit dem Thema: Rollenspiel als Entwicklungsförderung und Lebensbewältigung.

SCHWÄBISCH GMÜND (pm). Dr. Gudrun Gauda vom Frankfurter Institut für Gestaltung und Kommunikation, 10 Jahre in der Forschung der frühen Bindung tätig, seit fast zwei Jahrzehnten in ihrer Kindertherapiepraxis mit Traumatherapie und Therapie für Adoptivkinder beschäftigt, berichtete davon, dass Erlebnisse und neue Erfahrungen, die das Kind zuerst einmal ängstigen, im Spiel so oft wiederholt werden, bis die Ängste sich verlieren. Am Beispiel der Angst erregenden Erfahrung des 810 Monate alten Kindes, das die Mutter, indem diese aus dem Zimmer geht, für immer zu verlieren fürchtet, spielt sozusagen jedes Kind das bekannte „Kuckuck-​da-​da-​Spiel“, in dem es durch immer neues Wiederholen des Sich-​Versteckens allmählich „erkennt“, dass die verschwundene Mutter wiederkommt. Warum aber spielt das Kind diese Situation, die es dermaßen ängstigt, freiwillig und lustvoll immer und immer wieder? Unter anderem, weil es durch dieses Spiel die Gesetzmäßigkeiten seiner Welt erkundet, soweit sie für seine Psyche von Bedeutung sind. Ohne das Spiel würde das Kind jedes Mal in Trostlosigkeit und Verzweiflung über den Verlust der Mutter versinken. Adoptivkinder haben oftmals große Probleme, sich in der neuen Familie wieder zu binden. Sei es, dass sie in der Ursprungsfamilie gar keine Möglichkeit fanden, Vertrauen zur Umgebung aufzubauen, sei es, dass sie nach dem Verlust der ersten Bindung Schwierigkeiten haben, erneut den Versuch zu machen, auf Verlässlichkeit zu hoffen. Hier ist der Königsweg, eine neue Bindung zu begründen, wenn Eltern ihrem Kind das Spielen nahe bringen.
Dann kann das Kind in seiner neuen Umgebung alles was Angst macht, nochmals im Spiel viele, viele Male wiederholen. Im Spiel explorieren Kinder ihre (jetzige) Welt. Im Spiel entsteht, wenn Eltern sich auf die Themen des Kindes einlassen, Vertrauen zu den neuen Eltern. Hier erfahren sie, dass sie bei Angst geschützt sind. Und last not least, sie können spielerisch auch die Rolle der Erwachsenen einnehmen und ihre Wirksamkeit erproben. Den Verlauf des Spiels bestimmt immer das Kind, damit im Spiel nicht neue Verletzungen auftreten, sondern die vorhandenen Verletzungen geheilt werden.
Auch ältere Kinder spielen — die Spielformen ändern sich, die Wirkung, sich die Welt und die Menschen in der Umgebung, auf diese Weise „anzueignen“, bleibt. „Spielen ist die Hauptaufgabe des Kindes“ und „ Spielen hält das Kind im seelischen Gleichgewicht“, zitiert Dr. Gauda verschiedene Forscher im Bereich Entwicklungspsychologie. Dr. Gauda ließ sich bei allen anstehenden Fragen gerne unterbrechen, dadurch wurde der Abend zu einem lebhaften Gespräch zwischen lauter kompetenten „Fachleuten“: den Eltern und der Spieltherapeutin. Das Thema Spiel als Erziehungsmethode wird in den nächsten Erfahrungsaustauschen der Adoptivelterngruppe fortgesetzt, damit Eltern lernen können, mit dem Spiel sicher und authentisch umzugehen.
 

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