Kleine und große Karnevalisten heizten der großen Zuschauermenge so richtig ein
Es ging heiß her beim Fasnetsumzug, sodass nur wenige kalte Füße bekamen. Venezianische Gestalten machten die Innenstadt ebenso unsicher wie die Scheichs aus Weiler el Sheik und die vielen kleinen und großen Teufel.
SCHWÄBISCH GMÜND (nb/rw). Wer Italien und Fasching hört, denkt unwillkürlich an Venedig. Schließlich ist der venezianische Fasching, der sich durch die Gässchen der Hauptstadt der Region Venetien schlängelt, einer der bekanntesten auf der Welt. Carnevale di Schwäbisch Gmünd wurde gestern entlang den Straßen der Innenstadt gefeiert, als Comunita Italiana ihrem Motto „Fasching all ‘Italiana“ entsprechend farbenprächtige, venezianische Kostüme und die berühmten Masken präsentierten. Auf Venedig folgte Berlin, oder vielmehr eine Erinnerung an die Zeit, in der es in der deutschen Hauptstadt noch eine Loveparade gab. „In Berlin gibt’s koi Loveparade mehr, drom holat mir’s noch Gmend jetzt her“, dachten sich die Alda Lenda aus Donzdorf und ließen mit grellen Kostümen und lauter Musik ihren Worten Taten folgen.
Die freundlich dreinschauenden Schneemänner des Sängerkranz Zimmern passten irgendwie ins Bild, schließlich kann sich unsereins über zu wenig Schnee derzeit nicht beklagen. Eine nicht allzu lange Anreise hatten auch die Gäste aus Weiler, allen voran marschierten die Guggenmusikgruppe Omsnomgugga und die Garde des Turnvereins.
Dem Großen Bergochs folgten die auf Ölfässern schwebenden Scheichs, die ihre Ankündigung vom Weilermer Umzug bekräftigten. So hieß es auch gestern: „OB Arnold, jetzt wird’s besser, mir brenget’s Geld en de Fässer.“ Für die Zuschauer gab es frisch gedruckte Gees-Dollar von der Centralbank of Weiler el Sheik. Klar, dass gestern auch gehext wurde — zu Gast waren die NZ Kolba-Hexa Baltmannsweiler und die Burgstuhl-Hexen aus Göggingen in Begleitung der Geslach-Gugga. Für große Augen unter den kleinen Gästen sorgten die Mickey Mäuse des Ski-Club Großdeinbach, die den Birkenschnalzer Gugga aus Bartholomä hinterherwatschelten.
„Isch des schon dr lädschda gwä?“, fragte die Zuschauerin mit leisem Zweifel. I wo, es tat sich nur eine Lücke auf. Die AG Gmender Fasnet hörte man schon von weitem rhythmisch antuckern. Der Sound kam aus dem Auspuff eines Rasenmäher-Kleintraktors. Der ganze Hofstaat paradierte an, vorneweg die Stöpselgarde, die Tanzteufel und die Gmender Hüpfer. „Das ist ja fast Formel
1“, staunte einer, als der Traktor die Kurve am Zeiselberg nahm. Und Fasnet-Präsident Albert Scherrenbacher wetzte hinterher, gleichzeitig angefeuert mit „Albert, Albert“-Rufen und gebremst von Warnungen: „Langsam do!“ Denn schon kam der mit rotweißen Nelkensträußen geschmückte Prunkwagen mit dem Prinzenpaar Birgit I. und Christian I. Der Hofstaat verteilte reichlich Süßes von oben herab. „Hella hella Gamundia“, schallte es zurück.
Die Wasserschlangen vom Oberlauf der Rems zogen hinterher, die Remstalgugga Bäbenga. Die Oberburghexen aus Essingen ließen Konfetti regnen. Heiß ging es auf dem Jugendhaus-Wagen zu: „Zona caliente“ mit Kakteen. Der Sombrero war nicht überflüssig. Die Musketiere vom Schurrenhof ritten teils auf den Islandponys, teils kamen sie zu Fuß. Aber immer schmuck im bordeauxroten Wams mit der silbernen Lilie. Und ganz hinten noch ein Spanferkel aus Pappmaché auf dem Leiterwagen. Noch mehr Hexen flogen aus Ottenbach an, die markanten Kromm-Hexa. Sie ließen Schaulustige Seilhüpfen. Trompetenbetont die Überdruck-Guggen aus Wetzgau, allesamt im lila Joker-Kostüm — wo blieb Batman? „Raza ahoi“ hieß es bei den „Dolaflitzern“ vom
FC Bargau, die sich aus dem Kanal gewagt hatten. Alemannisch zog die Igginger Fasnetsgemeinschaft vorüber, brasilianisch und höchst prächtig mit üppigem Federschmuck folgte das „Schwoba-Gwiddr“ aus Oberkochen — eine phantastisch gewandete Guggenmusik. In Unterwasserwelten zog das Tauchteam mit seinen „Schießtalpiraten“, die Fußballer vom TSB traten als Torjäger an und genossen schon einmal einen WM-Vorgeschmack mit „You’ll never walk alone“. Zum Schluss wurde nochmals rhythmisch eingeheizt: Auf den Helmen des Feuerwehr-Spielmannszugs aus Aalen loderten die Flammen.
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