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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 17. Februar 2010

Witzige Ideen, tolle Kostüme, Prinzengarden, Hexen, Guggen und die ganz alten Masken

Bunt, lang und von der Sonne verwöhnt – so stellte sich gestern der traditionelle Gmünder Fasnetsumzug dar. Knapp 80 Zugnummern sorgten dafür, dass der Gaudiwurm fast zwei Stunden lang am Publikum vorbeirollte.

SCHWÄBISCH GMÜND (ml/​bt). Eröffnet hatten die punkigen „Stäära Gugga“ aus Donzdorf den Zug. Ob die dahinter marschierenden, weiß-​rot gelockten Silberglöckle des AGV 55 wohl auf die modernen Frisuren neidisch waren? Gewohnt dezent verhielt sich das Silbermännle auf seinem großen Wagen und grüßte huldvoll in die Menge. Das ganze wilde Gegenteil war dann die 1. Gmünder Narrenzunft „Rudo der Hölltalschütz“. Dass die Schützen gut sind, war am mitgeführten Jagderfolg zu erkennen: Einer über einen Ast gebundene Wildsau.
Die Delegation aus Bartholomä wurde von den rotflammenden Bäraberg-​Schiddlern angeführt. Bei deren Guggenmusik fühlten sich die Albuch-​Hexen dahinter sichtlich wohl. Eine große Gruppe hatten wie gewohnt die Mögglinger Remsgöckel aufgeboten. Mit ihrem Präsidenten Eberhard Bär an der Spitze kamen „Crazy Chicken“, Bracken, Einradfahrer und die sangesfreudige Besatzung eines Bier-​Schankwagens. Nicht fehlen durfte der bekannte große Festwagen mit dem kunterbunden, nickenden Gockel, auf dem Prinzenpaar und Hofstaat Platz genommen hatten, während das Zugfahrzeug mit dem Kinderprinzenpaar besetzt war.
Die Guggenmusik Gmendr Altstadtfägr präsentierte ihre neuen Kostüme, ehe die Verbandshauptschule Mutlangen dafür gelobt wurde, dass sie als einzige Schule weit und breit einen Beitrag lieferte. Die Spraitbacher Landeier wollten den Tunnel sehen, gefolgt von den Waldhäusles-​Hexa aus Sirnau. „Den Mars erobern ist nicht schwer“, stellten die Wäschgölten auf ihrem Motivwagen fest, bei dem eine riesige Astronautin einen kleinen Kollegen in die Wäschgölt steckte. Schön auch die Heubacher Schlosshexen, der sehr bunte 1. Musikverein Gmünd und die fleißigen Bienchen vom TSV Großdeinbach.
„Wo ist denn der Wassergeist?“ So ganz schlüssig ließ sich diese Frage nicht beantworten; in der Gruppe der Hölzertal-​Hexen Magstadt ließen sich nur Hexen nicht aber deren wässriger Widerpart ausmachen. Die Hexen freilich hatten’s in sich. Überhaupt folgten nun Hexen– und Maskengruppen, wie sie von der alten schwäbischen Dorffasnet bekannt sind — Butzen und Kiebele und wie sie alle heißen, erfahren eine Renaissance, und jedes Jahr werden sie mehr und wirken lebendiger. Freude machen die Ostalb-​Ruassgugga mit ihrem „Glück auf, der Steiger kommt“-Motto; ein richtig gelungenes Kostüm; Anklänge an den tiefen Stollen sind weder zufällig noch unbeabsichtigt. Mit die rührigsten Narren im Gmünder Raum sind die Untergröninger — auch wenn der scharfzüngigen Bierappel und ihrem Gefolge am Umzugstag der Dauerstress der närrischen Tage allmählich anzusehen ist. Für die Herlikofer gab’s traditionell ein herzliches Willkommen, und, mal ehrlich, ST Lombaglomb Donzdorf spielt in einer anderen Narrenliga: Heuer wurde eine riesige Wiege durch Gmünd geschaukelt, samt einem auf Wolken träumenden Sandmännchen. „Schon über 50 Jahr in Folge schwebt das Sandmännchen auf seiner Wolke. Drum liebe Narren gebt fein acht, vielleicht hat es euch etwas mitgebracht.“ Oh ja, hat es. Nicht erst seit dem Musical „Wicked“ sind die grasgrünen Wißgoldinger Stuifa-​Hexa ein Publikums-​Favorit. Die Damen platzen vor Temperament und Lebensfreude, die Leute lieben sie. Ganz neu in der Favoritenrolle waren heuer die Jungs des TV Straßdorf, die ihr rosafarbenes Geisterjägermobil ebenfalls derart ausgelassen und ansteckend gut gelaunt durch Gmünd rockten, dass ihnen die Herzen nur so zuflogen. Ihr „Wilsch a Schoglädle?“ sicherte ihnen zudem eine kleine Fangemeinde, die sie über weite Strecken begleitete. Überhaupt die Süßigkeiten: Wer seine Sammlertätigkeit ernst nimmt und sich nicht ablenken lässt schafft es, wie ein paar Steppkes am Sebaldplatz, gegen Ende des Umzugs eine prall gefüllte Tüte vorzuweisen. Hauptsache nix verkommen lassen.
 

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