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» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 18. Februar 2010

Im Rahmen des traditionellen Heringsessens gab Sabine die Pfiffige den Rathausschlüssel an den Ersten Bürgermeister zurück

„Jetz bisch OB und hosch koin Schlissel zom Rothaus“, nahm Oberbürgermeister Richard Arnold seinen Stellvertreter auf den Arm, als er sich nach dem Rathaussturm in den Urlaub verabschiedete. Gestern wurde dieser Zustand feierlich aufgehoben. Von Manfred Laduch

SCHWÄBISCH GMÜND. Als Zeremonienmeister begrüßte „Daniel der Absolute“ zum traditionellen Heringsessen der AG Fasnet die rund drei Dutzend Gäste im Gasthaus „Schwanen“, ehe er das Wort an die „Närrische Schultes Sabine die Pfiffige“ weitergab.
Mit fasnetsbedingt geschädigter Stimme lobte sie die abgelaufene Saison. Alle Veranstaltungen hätten riesigen Spaß gemacht und seien von der Bevölkerung toll angenommen worden: Von der Prunksitzung über die Guggenmusik und den Rathaussturm bis hin zum Umzug bei Kaiserwetter. So sei die Fasnet über die Landesgrenzen hinaus eine gute Werbung für Schwäbisch Gmünd.
Alle Akteure seien bis an die Grenzen ihrer geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit gegangen – und manchmal auch darüber hinaus. Sie sei zwar etwas traurig, aber andererseits auch froh, dass sie Schlüssel und Verantwortung fürs Rathaus nun wieder zurückgeben könne.
„Wir haben alles gegeben und Ruhe verdient“, betonte die Narrenbürgermeisterin. Außerdem seien nun alle Ersparnisse im Wortsinn in die marode Wirtschaft geflossen. Abschließend bedankte sie sich bei allen Beteiligten und wünschte dem Ersten Bürgermeister ein glückliches Händchen und viel Erfolg, wenn er nun wieder das Regiment über die Stadt übernehme.
„Ich bin wirklich ein Stück weit traurig, denn das war eine ganz besondere Kampagne“, erklärte Joachim Bläse. Er habe dem OB während des Umzugs eine SMS geschickt, dass die 35 Grad an dessen Urlaubsort nichts seien gegen die gefühlten 50 in Schwäbisch Gmünd. Für ihn sei es besonders schön gewesen, zu sehen, mit welcher Freude gerade die Jüngsten an der Fasnet teilgenommen hätten.
Bläse ging auf einige Veranstaltungen besonders ein. Seiner Meinung nach sei der Empfang für die Guggenmusiker vor dem Prediger besser, als drinnen, weil damit mehr Menschen direkt beteiligt sein könnten. Außerdem sei diese Version besser für ein funktionierendes Gehör.
An die Prunksitzung erinnere er sich mit viel Vergnügen – auch wenn sein angeklebter Musketier-​Bart „ohne Ende gejuckt“ habe. Beim Rathaussturm sei man trotz hervorragender Vorbereitung sehr schnell der Schweinegrippe erlegen. Bläse führte dies allerdings auch auf die Hinterlist der Narren zurück, die einfach fünf Minuten zu früh gekommen und die Verwaltungszentrale schon um 11.06 Uhr eingenommen hätten.
Der Umzug, so Bläse zum Abschluss, sei einer der schönsten gewesen, die er je erlebt habe. Sein Dank ging – auch seines ebenfalls anwesenden Bürgermeisterkollegen Julius Mihm – an alle Verantwortlichen der AG Fasnet. Namentlich erwähnte er natürlich deren Präsident Albert Scherrenbacher mit der Feststellung: „Der spielt das nicht, der lebt das.“ In seinen Dank bezog der Erste Bürgermeister auch alle Spender und Sponsoren sowie die Angehörigen der Polizei und der Rettungsdienste mit ein.
„Ich kann mich nur allem anschließen“, meinte Albert Scherrenbacher. Dass bei zwei Veranstaltungen eigens das Fernsehen gekommen sei, sei toll für Gmünd. Leider seien aber wieder eine ganze Menge Abzeichen-​Häusle übriggeblieben. Er wolle ja gern diese aufwändige Tradition aufrecht erhalten, und nicht auf schnöde Buttons umsteigen. Das gehe aber nur, wenn sich die Sache finanziell trage. Häusle könnten noch beim i-​Punkt am unteren Marktplatz gekauft werden.
Sitzungspräsident Ludwig Fuchs trug seine Bilanz gereimt vor. „Ihr dürft künftig Thomas Gottschalk zu mir sagen“, meinte er angesichts der etwas zu lang geratenen Prunksitzung.
 

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