Finanzämter dürfen keine konkreten Zahlen über ihren eigenen Bereich rausrücken
566 Steuersünder haben bislang in Baden-Württemberg Selbstanzeige erstattet. Damit liegt das Land bundesweit an der Spitze. Auch in Schwäbisch Gmünd sind solche Anzeigen eingegangen. Von Manfred Laduch
SCHWÄBISCH GMÜND. „Ich kann mir denken, warum Sie anrufen, aber ich kann Ihnen nicht weiterhelfen“, erklärte der Chef des Finanzamts Schwäbisch Gmünd, Rupprecht Holz, gestern gegenüber der Rems-Zeitung. Auch er kenne natürlich die Pressemitteilung des Ministeriums über die in den vergangenen zwei Wochen eingegangenen
566 Selbstanzeigen von Steuersündern. Das Ministerium habe sie seinen Amtsleitern zur Kenntnis übermittelt.
Allerdings mit der strengen Anweisung, keine konkreten Zahlen zu nennen, wie viele solcher Anzeigen im eigenen Hause vorliegen. „Das würde gegen das Steuergeheimnis verstoßen, erklärt Melanie Zachmann von der Pressestelle des Stuttgarter Finanzministeriums. Als zu groß erachtet das Ministerium die Gefahr, dass solche Angaben besonders in kleinen Finanzamtsbezirken – zu denen Gmünd freilich nicht gehört – konkrete Anhaltspunkte auf Betroffene liefern könnten.
Rupprecht Holz denkt an einen vergleichbaren Fall vor wenigen Jahren, als den Behörden eine CD mit Steuerflüchtlingen aus Liechtenstein angeboten worden war. Auch damals habe dies zu vielen Selbstanzeigen geführt. In Schwäbisch Gmünd war die Zahl jedoch nur einstellig. „Wenn dann plötzlich irgendwo mehrere Autos mit Kennzeichen aus der Stadt des bei den Ermittlungen federführenden Amtes auftauchen, sind die Zusammenhänge leicht herzuleiten“, erinnert sich der Gmünder Finanzamtschef.
Wenn man allerdings sieht, dass in Baden-Württemberg
566 Selbstanzeigen nur
65 Finanzämtern gegenüberstehen, dann ist mit gesundem Menschenverstand nachzuvollziehen, dass sich auch in Schwäbisch Gmünd der eine oder andere reuige Steuersünder gemeldet hat. Dieser Schlussfolgerung widerspricht auch Rupprecht Holz nicht.
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