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» Ostalbkreis | Samstag, 20. Februar 2010

Alpini, ZFler und einer, der sich kümmert — Integration: Giovanni Sambucco zeigt nun im 50. Jahr, wie es geht

In loser Folge spürt die Rems-​Zeitung dem Thema Integration nach. Vorbild, in mehr als einer Beziehung, ist der Heubacher Giovanni Sambucco. Er gehört längst hierher, nach Deutschland, aber er ist auch ein Herzblut-​Alpini, und das passt ausgezeichnet zusammen

HEUBACH (bt). Der Mann ist ein leidenschaftlicher Skatspieler, wie seine Mitstreiter im Skatclub Herz As Mögglingen bestätigen können. Seit 47 Jahren ist er in Heubach Sportschütze. Und dass er 20 Jahre lang als ehrenamtlicher Hilfspolizist die Polizei im Gmünder Raum entlastet und unterstützt hat, wurde und wird ihm hoch angerechnet. Giovanni Sambucco ist so sehr Teil dieser Gesellschaft, wie es nur geht für einen, dem das Leben in Deutschland nicht in die Wiege gelegt wurde. Wer gesund ist, so hat er sich stets gesagt, kann etwas tun für die anderen. Er gibt gerne, und auch wenn er seine geliebte Frau viel zu früh verloren hat, hatte er immer das Gefühl, dass das Leben gut war zu ihm. Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass dieses Leben ihn die eine oder andere dicke Kröte hat schlucken lassen; von einem Zuckerschlecken kann gar nicht die Rede sein. Aber einer wie er ist mit der Gabe gesegnet, wenn’s irgend geht, die helle, die fröhliche Seite zu sehen.
72 Jahre alt ist er heute, doch seine Jungmännerjahre hat er vor Augen, als sei’s gestern gewesen. In Rom wurde er 1960 zum Unteroffizier ausgebildet. Alpini wollte er sein, der ältesten Gebirgsjägertruppe der Welt angehören. Und Alpini war er; eingesetzt wurde er vom norditalienischen Belluno aus. Nicht sehr lange, etwas über ein Jahr, aber einmal ein Alpini, immer ein Mitglied dieser traditionsreichsten aller italienischen Einheiten. 360 000 Alpinis werden in Italien gezählt, noch einmal einige tausend im Rest der Welt. Die meisten haben ihre Heimat verlassen wie Giovanni Sambucco, weil sie in den 50er und 60er Jahren keine Möglichkeit sahen, dort ihres Glückes Schmied zu sein: „Ich hätte es mir nie leisten können, zu heiraten, hätte mit dem, was ich dort verdienen konnte, niemals eine Familie gründen können“, nennt er den Hauptgrund für den Entschluss, seinen damals bereits als „Gastarbeiter“ in Schwäbisch Gmünd lebenden Bruder Mario zu bitten, auch ihm bei der Arbeitssuche zu helfen: Er war nämlich verlobt. Als seine Giovanna schwor, auf ihn zu warten, zog er über die Alpen. Und er holte die Liebste nach, so schnell es ging. Am 5. August 1961 wurde geheiratet, nach achtjähriger Verlobungszeit. Als die geliebte Frau im Mai 2008 dem Krebs erlag, hatte sie ihm auch noch 47 Ehejahre geschenkt: „Sie wäre die beste Finanzministerin der Welt gewesen“, statt dessen, so macht er deutlich, wie sehr er sie vermisst, habe sie ihn „sehr, sehr glücklich“ gemacht.
Fünf Jahre lang war Giovanni Sambucco in der Produktion der ZF tätig, dann 31 Jahre als kaufmännischer Angestellter im Büro. Auf diesen Betrieb lässt er aber auch gar nichts kommen: „Die waren immer da für ihre Mitarbeiter.“ Leicht war es nicht, als Erwachener eine neue Sprache zu lernen, sich in einer anderen Kultur zurechtzufinden. Bei ihm hört es sich freilich wie ein Kinderspiel an. Und er hat ja auch fast von Anfang an andere Aufgaben übernommen. Wurde hingebungsvoller Familienvater, der immer da war für seine Tochter und die beiden mittlerweile erwachsenen Enkel. Er ist einer, wie gesagt, der sich um andere kümmert. 1972 gründete er die Alpini-​Gruppe Aalen – Schwäbisch Gmünd – Schorndorf, eine von zwölf in ganz Deutschland, die er bis heute leitet und die immer noch rund 78 Mitglieder zählt; seit fünf Jahren ist er zudem Vorsitzender der gesamten Sektion Deutschland.
Urlaub direkt am Adriastrand für behinderte Kinder
Die ehemaligen Gebirgsjäger rund um Gmünd haben sich immer engagiert und unter anderem 1982 die Patenschaft für zwei Gruppen behinderter Kinder der Stiftung Haus Lindenhof übernommen; seither gibt’s gemeinsame Weihnachtsfeiern, Osterfeste und Grillpartys. Mehr noch, Dank der Unterstützung des italienischen Hilfsvereins in Verona – dessen Vorsitzender auch der Alpini-​Seilschaft angehört – schenken die Ostalb-​Alpinis unter Sambuccos Leitung jedes Jahr sieben behinderten Kindern und fünf Begleitpersonen zehn Tage am Strand von Lido Adriano bei Ravenna. Wenn eines der Kinder überglücklich ausruft, das sei ja wohl der größte Sandkasten der Welt, ist auch Giovanni Sambucco zufrieden – er selbst ist übrigens als Dolmetscher und Helfer dabei, zuletzt im Mai 2009; dieses „ihr und wir zusammen“ macht ihm viel Freude. Dank will er keinen.
Auch auf seine zwei Jahrzehnte als Hilfspolizist angesprochen, winkt er ab. Nebenbei, so ist zu erfahren, ist der Wahl-​Heubacher auch noch ehrenamtlicher Konsulatsvertreter für den Ostalbkreis des Generalkonsulats in Stuttgart, der sich in dieser Eigenschaft jede Menge Papierkram aufhalst. Und wenn ein beeidigter Dolmetscher oder Übersetzer verlangt wird, ist es nicht selten Giovanni Sambucco, der alles stehen und liegen lässt. Was soll’s. Er macht das alles gerne, und es war und ist ein gutes Leben. Auch wenn ihm seine Frau so sehr fehlt.
 

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