Uralter Ort der Mystik und des christlichen Glaubens — St. Salvator
Magisch zog der St. Salvator mit seinen Felsenkapellen und Höhlen schon immer Forscher und viele Deuter an. Doch bis heute ist es nicht gelungen, die Ursprünge dieser weit und breit einmaligen christlichen Stätte genau zu datieren und zu ergründen. Doch es gibt hochinteressante Hinweise, dass es sich um eine der ältesten Christenstätten im Land handelt, vielleicht sogar hervorgegangen aus der Römerzeit
SCHWÄBISCH GMÜND. Eine der ältesten Beschreibungen des mystischen und heiligen Berges der Gmünder verdanken wir einem gewissen
Dr. Leonhard Friz: „Beiläufige Beschreibung des Eppersteins oder Salvatoris bei Schw. Gmünd, jenseits der Rems am Berg. Mit angehenkten etlichen Mirakulen, geschen von dem hochberühmten und fürnehmen Herrn Leonardo Fritzen, beider Rechten Doktore, der Röm. Kaiserl. Reichsstadt Schw. Gmünd bestellten Syndikus und Advokaten anno
1620.“ So zitiert jedenfalls Stadtpfarrer Rudolf Weser in seinem umfangreichen Buch über den St. Salvator, das vor
90 Jahren im Druck– und Verlagshaus der Rems-Zeitung erschien und schon seinerzeit die Bürger und Besucher der Stadt geradezu fesselte. Nicht anders kann man den damaligen Wissensdurst beschreiben, denn mehrere Auflagen waren notwendig, um die Nachfrage nach dem Salvator-Büchlein zu befriedigen.
Historiker Rudolf Weser berichtet von mehreren Abschriften der Betrachtungen des „hochberühmten“ Advokaten, die in den Pfarrarchiven aufbewahrt sind. Die Urhandschrift von
Dr. Friz sei aber nicht mehr vorhanden, bedauert Weser, so dass sich durchaus auch Irritationen hätten einschleichen können, wollte man Daten und Fakten des „fürnehmen Herrn Leonardo Fritzen“ tatsächlich auf die wissenschaftlich-historische Goldwaage legen. Auch der für seine Exaktheit bekannte Gmünder Historiker
Dr. Peter Spranger spricht in seinem
1999 erschienenen Salvator-Führer eine gewisse Warnung aus, indem er die Aufzeichnungen des Advokaten als „weitschweifig bemühte Untersuchungen“ erklärt.
Dennoch ist es ganz erstaunlich und unbedingt wissenswert, was damals in den Abschriften an Salvator-Beobachtungen von
Dr. Friz so alles dokumentiert wurde: „Soviel die Ältesten denken und von ihren Eltern und Voreltern gehört hätten, ist der Ort liederlich verlassen und wüst dagelegen.“ Die Höhlen dort hätten sich gar zu Verstecken für Räuber entwickelt. Dann der entscheidende Hinweis: Trotz der „Schändungen des Heiligtums“ seien Bilder erhalten geblieben, darunter in der großen unteren Höhle (heutige untere Felsenkapelle) sogar ein Altar mit Kreuz und Mariendarstellung.
Wenn man sich nun daran erinnert, dass der eigentliche Bau der Salvator-Kirche mit Kreuzweg durch den Kirchenbaumeister und Bildhauer Caspar Vogt erst ab etwa
1620 begann, so mögen die Beobachtungen des Chronisten
Dr. Friz zwar ungenau sein, so zumindest einen sicheren Hinweis geben, dass es schon lange vorher an diesem stadtnahen, sonnigen Südhang mit seinen Felsen und Höhlen eine christliche Einkehrstätte gab.
„Große gemach gehawen, darinnen zwen schönne altar uffgericht!“
Dr. Spranger lässt dazu einen weiteren Zeitzeugen sprechen: Landeschronist David Wolleber (
1585), der von „einem alten burgstal vor der statt, an einem berglin, das in ein fölßen und lauter steinwerckh, große gemach gehawen, darinnen zwen schönne altar uffgericht“. Im Klartext: Schon vor
400 Jahre fielen die künstlich geschaffenen Sandsteinstollen auf, in denen sogar zwei Altäre festgestellt wurden.
Und schon
1483 stellte ein sachkundiger und weitgereister Dominikanermönch names Felix Fabri fest, dass er sich bei einer Reise ins ferne Jerusalem und beim Anblick der dortigen Jakobshöhle von Machpela daran erinnert habe, dass er Ähnliches am „Eberstein bei Gmünd in Schwaben“ gesehen habe. Damit meinte er die Höhlen des St. Salvator.
Der Namensursprung des Nepperbergs, an dem die Wallfahrtskirche heute thront, ist abgeleitet vom alten Begriff Näber/Neber (Bohrer), also ein weiterer Hinweis, dass dort schon seit Menschengedenken an Stollen gearbeitet wurde, sei es nun für Behausungen, schützende Fluchtstätten (für die ersten Christen?) oder eben für Kultstätten.
Merkmale einer Mithras-Kultstätte fanden bislang wenig Beachtung
Archäologie-Professor und Dichter Ernst Edler v. d. Planitz hielt sich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts längere Zeit am Salvator in Schwäbisch Gmünd auf und vermutete sogar, dass an diesem Wallfahrtsort möglicherweise sogar die älteste christliche Kultstätte auf deutschem Boden zu erblicken sei. Schon er bezog sich auf eine Vermutung, die Archäologen bis heute umtreibt und im Forscherdrang anspornt: Die künstlich angelegten Höhlensysteme am Salvator erinnern an typische Kultstätten, an denen schon vor fast
2000 Jahren die römischen Soldaten und später auch viele Siedler den Sonnengott Mithras verehrt haben. Gleich in der Nähe verlief ja auch der Limes. Und nur einen Spaziergang vom vermuteten Mithras-Stollen entfernt befanden sich die drei Kastelle und zwei große Siedlungen von „Römisch Gmünd“.
Ganz gewiss kein Zufall ist die wunderbare Machart des längsten Stollens im Nepperberg, der nur einen Steinwurf von der Kirche entfernt auf dem Privatgrundstück von
Dr. Johannes Pfander gut
25 Meter in den Berg führt. Weil etwas abseits gelegen, wurde dieser mystische Ort von den Salvator-Forschern lange Zeit ignoriert. Am Ende des Stollens ist eine Bank aus dem Felsen geschlagen, die an einen Altar erinnert. Nur an einem einzigen Tag und zur Stunde des Sonnenaufgangs treffen dort die Sonnenstrahlen in das Zentrum oberhalb des Gesims, nämlich zur Wintersonnenwende. Wer diesen Augenblick erlebt, ist so begeistert, dass er Zweifel an der Vermutung, es handle sich um eine typische Mithtras-Kultstätte, verliert. Untersuchungen und Vermessungen der Archäologie bzw. anderer Fakultäten stehen freilich aus.
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