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» Ostalbkreis | Montag, 22. Februar 2010

58. Kreisschützentag in Lindach: Der Schießsport zwischen Tradition und Moderne, zwischen Negativpresse und Liebe zum Sport

Für die Schützen war das Jahr 2009 kein einfaches. Dementsprechend brisant waren die Themen des Schützentages, dementsprechend prominent waren wahrscheinlich auch die Gäste. Denn der Amoklauf in Winnenden hatte ein politisches Echo, welches im Schießsport umstritten ist. Von einem „ruhigen Jahr“ konnte nicht die Rede sein. Von Matthias Bolsinger

„Den 58. Kreisschützentag in der Eichenrainhalle in Lindach am 20. Februar nicht vergessen!“, hieß es am 28. Januar 2010 um 19:52 Uhr auf dem hauseigenen Twitter-​Profil des Schützenkreises Schwäbisch Gmünd (www​.twit​ter​.com/​SK_GD). Twitter, ein soziales Netzwerk im Internet, in dem sich die Benutzer über kurze Nachrichten informieren lassen, ist ein neuer Weg der Schützen, nicht nur Informationen modern und schnell zu verbreiten, sondern auch die nachwachsende Generation anzusprechen. Denn eines ist Fakt: Die Mitglieder werden weniger — und älter. Der Abwärtstrend der Mitgliederzahlen macht auch bei den hiesigen Vereinen nicht halt. Zählte man im Jahr 2008 noch 3441 Mitglieder, sank die Zahl im Jahr 2009 weiter auf 3391. Der Spagat zwischen Tradition und Moderne ist heuer eine der großen Herausforderungen, vor denen der Schießsport im Gesamten steht. Einen neuen Anstrich soll der Sport erhalten, ohne aber im Kern seine Tradition zu verleugnen. „Tradition heißt nicht, Asche aufzuhäufen, sondern Feuer zu entfachen“, beschrieb Kreisoberschützen Meister Heinz Streit, der mittlerweile schon 17 Jahre sein Amt bekleidet, das neue Leitmotiv der Schützen. Aufhalten könne man die Entwicklung nicht — nur verschlafen
Finanziell steht der Schützenkreis Schwäbisch Gmünd auf solidem Unterbau, sportlich kann er sich ebenfalls sehen lassen, ist er doch in den höchsten Ligen des Württembergischen Schützenverbandes mehrfach vertreten. Doch bemängeln die Schützen, dass solche Tatsachen in der Öffentlichkeit gar nicht mehr wahrgenommen werden. Im Gegenteil: Die Schützen kämpfen nicht erst, aber besonders seit dem Amoklauf in Winnenden — deren Opfer beim Schützentag gedacht wurde — gegen Negativpresse und Vorurteile. Dabei ist den Schützen wichtig, eben nicht als „Waffennarren“ in die Ecke gestellt zu werden. Doch gerade die Medien feuerten schnell mit allzu scharfer Munition und sorgten für ein gereiztes Klima gegen den Schießsport.
Schnell ging auch die Politik dem Aufschrei der Bevölkerung nach und sorgte für eine Verschärfung des Waffenrechts. Während MdB Norbert Barthle (CDU) in seinem Grußwort die verschärften Kontrollen als „zumutbar“ bezeichnete und Christian Lange (SPD) befand, Waffen gehörten nicht in den Haushalt, meldete Heinz Streit Zweifel an: „Ob die Verschärfung des Waffenrechts aus wahltaktischen Gründen die richtige Antwort auf Winnenden war, muss mehr als bezweifelt werden.“ Bedingt durch den Amoklauf und die dadurch resultierenden restriktiven Kontrollen, so sagt es der Bericht des Kreisoberschützenmeisters, habe der Schützenkreis Schwäbisch Gmünd 50 Mitglieder verloren.
Dr. Joachim Bläse, Erster Bürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd und bekennender Schütze — Bläse ist Mitglied im Schützenverein Lindach -, stellte sich auf die Seite der Schützenfreunde, rief aber dazu auf, „sorgfältig mit dem Hobby umzugehen“. Insgesamt stellte Bläse aber dem Schießsport ein „gutes Zeugnis“ aus.
Kreisoberschützenmeister Streit verkündete außerdem einige Wünsche an das neue Jahr. Zum einen solle die Zusammenarbeit der vier Kreise mit dem Bezirk Mittelschwaben weiterhin so reibungslos funktionieren, zum anderen soll die Presse ihre negative Berichterstattung korrigieren. Fernerhin appellierte Streit an die Politik für mehr Unterstützung, zudem sollten die Ordnungsämter sorgfältiger mit Veröffentlichungen umgehen, und die Schützen mögen wieder kameradschaftlicher miteinander umgehen: „Es gab Ausreißer, die der Schützensache bestimmt nicht dienlich waren.“
Den wohl sehnlichsten Wunsch Streits können alle teilen: „Nach dem nicht einfachen Jahr 2009 wünsche ich mir, dass 2010 für uns wieder in vernünftigen Bahnen verläuft.“
 

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