Künstler Klaus Simon und Münsterpfarrer Robert Kloker über den neuen Altar im Münster
Zur ersten Veranstaltung im Rahmen des neuen Programms der „Glaubenswege“ trafen sich am Sonntag-Nachmittag Hingucker und Zuhörer im HeiligKreuz-Münster vor dem neuen Altar, der schon im Vorjahr von Bischof Gebhard Fürst geweiht worden war, nachdem es im Vorfeld um den neuen Altar lange Diskussionen gegeben hatte.
SCHWÄBISCH GMÜND (kos). Damals hatte man sich für den Entwurf des Holzkünstlers Klaus Simon aus Krefeld in Nordrhein-Westfalen entschieden. Am gestrigen Sonntag nun wurde die Altarraumgestaltung durch den Künstler und von Münsterpfarrer Robert Kloker von verschiedenen Seiten aus den Besuchern im Münster nahegebracht. Der Künstler ging dabei auf das Material und die Gestaltung des Altars ein.
Münsterpfarrer Kloker stellte die Bedeutung des Altars in der Liturgie heraus und ging auf die im Altar zu findende Kreuzsymbolik ein. Dabei ging der Münsterpfarrer auch darauf ein, dass die Thematik „Seht das Holz (an dem der Herr gehangen)“ gut zum Beginn der österlichen Bußzeit passe. Stephan Beck als Münsterorganist und Stefan Wieland als Saxofonist erfreuten die Besucher durch die stimmige musikalische Umrahmung, in die sie sich passend mit einem Heiligkreuzlied einfügten. Münsterpfarrer Robert Kloker begrüßte die vielen Besucher und den Künstler Klaus Simon sowie den Ersten Bürgermeister der Stadt,
Dr. Joachim Bläse, als Protektor der „Glaubenswege“. Er freute sich über das große Interesse am neuen Altarraum, der als ein Blickfang dem gotischen Münster gerecht werde. Man habe sich für das Material Holz entschieden und einen Künstler gefunden, der mit diesem Material arbeite.
Der Künstler Klaus Simon gab dann nach einer musikalischen Überleitung Überlegungen zur Schaffung des Altars Ausdruck. Dabei ging er vom Holz als dem Material, aus dem der Altar geschaffen wurde, aus. Es würde Bäume geben, die wohl älter als die Pyramiden seien, und schon in der Bibel würden Bäume als Sinnbilder eingesetzt, so wie beim „Baum des Lebens“. Im Heilig-Kreuz-Münster sei aus einer rund
200 Jahre alten Eiche Altar und Ambo entstanden und darin die Baumpersönlichkeit eingeflossen. Es sei ein Altar, der Luft hole und der auf das dahinterliegende Zentrum des Hochaltars reagiere. Das Kreuz in der Mitte führe in die Tiefe des Altars, in dessen Grund die Reliquie eingelassen sei. Altar, Ambo und Sedilien würden einen Raum bilden, in dem Zeiten aufeinander treffen und sich mit der Sinnsuche des Menschen vereinen. In der darauf folgenden Lesung aus einem Brief des Apostel Paulus an die Korinther hörte man die Botschaft vom Kreuz, die dem einen Torheit, dem anderen aber Kraft sei, weil in ihm Christus verehrt werde. Münsterpfarrer Kloker zitierte dann in seiner Betrachtung des neuen Münsteraltars den bekannten Benediktinerpater und Autor viel gelesener spiritueller Bücher, Anselm Grün. Demnach geht es darum, dass es Aufgabe eines jeden Christen sei, das Kreuz immer wieder neu zu bedenken, denn Symbole könnten leer werden, wenn sie nicht immer wieder neu bedacht würden. Sie bräuchten immer wieder die Auseinandersetzung mit ihnen, wenn sie ihre Wirkung entfalten sollen. Jeder werde, so Anselm Grün, mit dem Kreuz etwas anderes verbinden und Schwerpunkte setzen. So dass die ganze Welt von Gott berührt und durchkreuzt ist oder dass Gott sich in alles hineinmischt. Ein anderer sehe im Kreuz Christus, der für ihn gestorben sei, und wieder ein anderer finde darin Trost für sein Leben und spüre, dass er nicht alleine sei und einer mit ihm gehe bis in die äußerste Dunkelheit und Ohnmacht des Todes. Der Blick auf das Kreuz mahne aber auch, behutsam mit den Menschen umzugehen und dass es nicht darum gehe, Spannungen und Gegensätze aufzulösen, sondern sie fruchtbar werden zu lassen. Denn unser Leben werde nur gelingen und für Gott offen sein, wenn wir uns mit den Gegensätzen in uns aussöhnen. Das könne Energie erzeugen, die lebendig macht und uns hält. Mit einem von allen gesungenen Heiligkreuzlied endete die besinnliche Veranstaltung im Münster.
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