Die Gmünder Arbeitsgemeinschaft will die Geschichte der Heimatvertriebenen aufarbeiten
Die AG Osten – Arbeitsgemeinschaft Heimat und Kultur der Vertriebenen aus dem Osten – leistet Beachtliches. In ihrem Archiv werden mehr als Dokumente und Bilder und Erinnerungsstücke zusammengetragen: Zunehmend gelingt es, Lebensbilder für die Nachwelt zu erhalten. Heute ab 17 Uhr darf dieses Archiv besichtigt werden.
SCHWÄBISCH GMÜND (bt/pm). Stadtarchivar
Dr. Klaus-Jürgen Herrmann sagte unlängst in einem Zeitungsinterview unter anderem: „Ein weiteres epochales Ereignis, das in seinen Auswirkungen bis heute eher unterschätzt werde, ist die Aufnahme und Integration der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. Da muss man noch einiges aufarbeiten.“
Fast jeder Dritte in Gmünd hat Wurzeln im Osten. Allein im Jahr
1946 kamen am Güterbahnhof in Gmünd laut Statistik
16446 Vertriebene und Flüchtlinge an. Über
60 Jahre sind seitdem vergangen. Die Zeitzeugen werden in absehbarer Zeit diese Welt verlassen müssen.
Bei der Aufarbeitung müssen sich die Zeitzeugen also beeilen. Klaus Rollny hat in den letzten Monaten Großes geleistet:
1800 Einzelteile wurden sortiert, katalogisiert und mit Hilfe des PCs registriert. Hier wurde gesät, was spätere Generationen einmal ernten werden. Diese Arbeit ist ein Teil der Erinnerungskultur, die die AG Osten — Arbeitsgemeinschaft Heimat und Kultur der Vertriebenen aus dem Osten — aufzubauen im Begriff ist.
Eine solche Leistung ist nur möglich, weil die Gmünder Bürgerinnen und Bürger bereit sind, die Arbeit zu unterstützen. Immer wieder wird angefragt, ob dieses oder jenes Schriftstück für das Archiv interessant ist. Meistens handelt es sich um unwiederbringliche Zeitdokumente.
Das Archiv Osten lädt alle Interessierten für den heutigen Mittwoch,
24. Februar, um
17 Uhr ein, sich über die Sammlung ein Bild zu machen, oder noch besser, und Archivalien gleich mitzubringen. Treffpunkt ist die Kapelle im Canisiushaus. Die Arbeitsgemeinschaft sammelt Erinnerungsstücke aus einer schwierige Zeit. Sie sucht Nachlässe, Ausweisungsbefehle, Aufforderungen zu Zwangsarbeit, Zeitschriften, Zeitungen oder Zeitungsabschnitte, Bücher, Landkarten, Fotos, Zeugnisse, Ehrenurkunden, Unterlagen von Betrieben, Akten, Briefe, Schriftstücke, die an die Vertreibung und die Integration und die Wiedergewinnung der verlorenen Existenz erinnern. Wichtig sind auch Archivalien der selbst in Not geratenen ansässigen Bevölkerung. Sehr selten sind Fotos aus jener Zeit. Die Sammlung wird später vom Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd weitergeführt, so jüngst eine Aussage von Bürgermeister
Dr. Joachim Bläse. Auch er erinnert an die Bedeutung der Nachkriegsjahre für Gmünd. Dass die Stadt so groß geworden sei, dass sie sich so positiv entwickelt habe, sei nicht zuletzt den Vertriebenen zu verdanken. Diese vernachlässigte Vergangenheit aufzuarbeiten, ließe sich ohne den ehrenamtlichen Aufbau eines Archivs nicht bewältigen, so Bläse, der die Mitstreitern des Archiv Ostens seit Jahren nach Kräften unterstützt. Er sicherte nicht nur zu, dass die Ergebnisse dieser Arbeit Teil des Stadtarchivs werden, sondern stellte auch in Aussicht, dass ein lang gehegter Wunsch der Vertriebenen erfüllt wird — eine große Landkarte, etwa im Prediger, mit jenen Orten, in denen Menschen, die später in Gmünd heimisch werden mussten, alles verloren haben.
Auch das Stadtarchiv Schwäbisch Gmünd, Augustinerstr.
3, oder die Geschäftsstelle des
BdV, Klarenbergstraße
2, nehmen Beiträge gern entgegen. Die Öffnungszeiten des Stadtarchivs: Montag bis Freitag
9 bis
12 Uhr; Dienstag und Mittwoch
14 bis
16.
30 Uhr; Donnerstag
14 bis
17.
45 Uhr. Bund der Vertriebenen (
BdV): Dienstag und Freitag
10 bis
12 Uhr. Nähere Auskunft gibt es auch bei Klaus Rollny, Tel. (
07171)
84849, und
Dr. Kurt Scholze, Tel. (
07171)
66233.
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