Geschichte und Geschichten rund um den St. Salvator (2): Ein Erbe und Sponsoren ermöglichten ab 1616 die Wallfahrtsstätte
Offiziell zur Wallfahrtsstätte St. Salvator wurde der Epperstein (Nepperberg) mit seinen geheimnisumwitterten Höhlen und Stollen erst ab dem Jahre 1616 durch eine Erbschaft. In den Jahren hernach verwandelte Kirchenbaumeister und Bildhauer Caspar Vogt den Ort in ein sakrales Kunstwerk, das seinesgleichen sucht.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Im ersten Teil unserer Serie hatten wir Hinweise auf die römische und christliche Urgeschichte dieses heiligen Bergs der Gmünder aufgelistet. Als Beweismittel für das Vorhandensein einer der ältesten Versammlungs– und Zufluchtsstätten der Christen im Land wird gerne auch eine Inschrift am ältesten Altar in der unteren Felsenkapelle herangezogen. Da steht in lateinischer Sprache: „Es schuf die Zeit dies Bild des Herrn am Kreuze da unbewehrt war Gmünd und ohne Mauern. Mathias war im sechsten Jahre Kaiser als Meisterhand das Bild erneuerte.“ Der erste Teil dieser Nachricht würde bedeuten, dass dieser Altar, der aus dem rohen Sandstein geschlagen wurde, schon rund
900 Jahre alt wäre, was natürlich einer Sensation gleichkäme.
Historiker mahnen zur Vorsicht und neigen eher zu der Annahme, dass diese Inschrift weit nach
1600 entstanden ist. Es könnte sich lediglich um eine Mahnung handeln, die in jenen kriegerischen Zeiten dazu diente, finsteren Zeitgenossen Respekt und Ehrfurcht einzuflößen, sollten sie diesen Ort betreten. Mönche, die seinerzeit den St. Salvator betreuten, versahen heilige Orte oft mit solchen schützenden Worten, auch wenn dabei geflunkert wurde. Immerhin ist die Rede von einer Erneuerung. Also könnte zuvor schon etwas dort gestanden sein, was die Felsenhöhle zu einer Gebetsstätte machte. Die offizielle Geschichte der Wallfahrtsstätte St. Salvator beginnt mit dem
12. April des Jahres
1616. Und zwar dokumentiert mit einem Testament des Priesters Heinrich Pfeningmann. Er verfügte, dass aus seinem Erbe
200 Gulden zur „Reparierung des Eppersteins“ Verwendung finden möge. Ein Geistlicher wird wohl kein Geld aufwenden für die Renovierung eines kahlen Felsens. Pfeningmann, der zwar auswärts wirkte, jedoch aus einer einflussreichen Gmünder Familie entstammte, hatte sicherlich ein Heiligtum vor Augen, das er in seiner Heimatstadt für erhaltenswert erachtete. Das in jener Epoche streng katholische Gmünd folgte dem Zeitgeist und erschuf mit dem Grundstock der frommen Stiftung eine Wallfahrtsstätte, die in der Stadt der vielen Klöster, Kirchen und Kapellen noch fehlte. Nämlich einen Pilgerort, um den Leidensweg Christi nachzuempfinden. Erstaunlich: Die Entfernung zwischen der Leonhardskirche und St. Salvator entspricht ziemlich genau der Länge des Weges zwischen der Villa des Pilatus und dem Berg Golgatha, den Jesus mit dem Kreuz zurücklegen musste. Der außergewöhnlich begabte und fleißige Gmünder Baumeister und Bildhauer Caspar Vogt (
1582 –
1646) bekam den Auftrag, die Höhlenkapelle herzurichten. Offensichtlich waren die Gmünder von der Arbeit an der Wallfahrtsstätte so angetan, dass sich immer mehr fromme Sponsoren für das Projekt fanden. Schon nach eineinhalb Jahren kam der Augsburger Weihbischof, um am
19. August
1618 die beiden Altäre in der Felsenkapelle zu Ehren des heiligen Erlösers (St. Salvator) zu weihen. Gleich danach widmete sich Meister Caspar Vogt jener Höhle, die über der Kapelle lag, bis dahin jedoch nur mit Kletterkünsten oder mit Hilfe einer Leiter zu erreichen war. Dort gestaltete Vogt nicht nur einen zweiten Kirchenraum, sondern sein schönstes Kunstwerk: Die große Ölbergszene, die wir in weiteren Fortsetzungen unserer Serie noch gesondert beschreiben, meißelte und formte der Künstler an einem Stück aus dem gewachsenen Fels.
1623 wurde die obere Felsenkapelle eingeweiht. In den folgenden Jahren wurde der St. Salvator an Bildstöcken, Tafeln und Skulpturen immer reicher und dadurch auch bekannter, so dass schließlich sogar auch königliche Gäste nach Gmünd pilgerten und angesichts der Werke von Caspar Vogt ins Schwärmen kamen.
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