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» Ostalbkreis | Sonntag, 28. Februar 2010

Lesung aus Dr. Paul Hugo Klopfers Tagebücher im Bürgerhaus /​Ausstellung vor dem Saal

Zum Thema „Das Kriegsende in Lorch“ startete die Geschichtswerkstatt der VHS Lorch unter der Leitung von Manfred Schramm ihre Vortragsreihe mit einer Lesung aus Prof. Dr. Paul Hugo Klopfers Tagebuch im Bürgerhaus.

LORCH (ur). Gudrun Haspel hatte im Nachlass Prof. Klopfers im Universitätsarchiv Stuttgart recherchiert und aus Klopfers Tagebuch, Briefwechsel, Aufzeichnungen , Fotos und Illustrationen viel Informationen über Klopfers Jahre in Lorch und das Kriegsende in Lorch gefunden, die sie den zahlreichen Zuhörern vermittelte.
Prof. Dr. Paul Hugo Klopfer wurde am 19.3.1876 in Zwickau geboren und starb am 20.2.1967 in Lauchheim. Der Architekt und Oberregierungsrat, der auch am Bauhaus tätig war und mit Walter Gropius Kontakt hatte, wurde aus dem Staatsdienst entlassen und inhaftiert. Als Pensionär kam er nach Lorch, wo er mit seiner Frau schon 1936 zur Sommerfrische war. Er wohnte in der Bäderhalde und schrieb für Zeitungen, recherchierte über die Römer und Staufer und das Kloster Lorch und verfasste Bücher. Viele Lorcher haben noch einen alten Klosterführer von Prof. Klopfer im Regal stehen. Er fing als Nachhilfelehrer an und unterrichtete dann Latein und Zeichnen.
Manfred Schramm beschrieb die politische Situation der Lorcher Bürger am Ende des 2. Weltkrieges, die letzten Kämpfe und Zerstörungen und dass der letzte Befehl zum Glück nicht mehr ausgeführt wurde.
Dann las Gudrun Haspel aus dem Lorcher Tagebuch von Prof. Dr. Klopfer, der seine Beobachtungen, Empfindungen und das eingeschränkte, gefährliche Leben der Lorcher Bürger ab 19. April bis Mai 1945 anschaulich schilderte: Das Erscheinen der amerikanischen Besatzung, deren Einquartierungen, die eigenen Umquartierungen, die Not, aber auch die gegenseitige Hilfe und Solidarität unter den Bewohnern schilderte Paul Klopfer eingehend und hinterließ so ein wichtiges Dokument für nachfolgende Generationen. Die Einfahrt amerikanischer Panzer, die Beschlagnahme der Häuser und Güter, das Fehlen von Wasser, Nahrung und Elektrizität ließ Familien und Freunde enger zusammenrücken und gegenseitig Hilfe annehmen und geben.
Um 90 Gramm Brot pro
Woche und Person musste
man lange Schlange stehen
Obwohl die amerikanischen Offiziere die Lorcher höflich behandelten, fiel es doch sehr schwer, die Wohnungen zu verlassen und in Gartenhäuser und Hütten zu ziehen oder bei Freunden in wenigen Räumen eng zusammenzurücken. Schießereien, Brände und nationalsozialistisches Gebaren brachten Angst und Not ins Leben der Bürger. Um 90 Gramm Brot pro Woche und Person musste man lange Schlange stehen, um dann zu erfahren, dass es erst am nächsten Tag wieder Brot geben wird. Trotz des Nicht-​Verbrüderungsgesetzes kam es zu positiven Kontakten und Gesprächen mit den Amerikanern, deren Zeitungen die einzige Informationsquelle waren. Aber der Ausblick auf ein Leben ohne Lügen und Heuchelei spornte an. Verhaltensinfos konnte man an den täglichen Aushängen am Rathaus lesen. Gegen Lorchs Nazibonzen wurde Hausarrest veranschlagt, bald darauf begann langsam die Normalisierung, man konnte wieder reden, wie einem der Schnabel gewachsen war und ein neuer Gemeinderat wurde gebildet.
Mit Bildern und Zeichnungen bereicherte Gudrun Haspel ihre interessante Lesung und weckte das Geschichtsbewusstsein der Zuhörer. Begleitet wird die Vortragsreihe von ausgestellten Büchern, Dokumenten und Exponaten zu den Themen in Vitrinen vor dem Bürgerhaus-​Saal. Der zweite Vortrag dieser Reihe der Geschichtswerkstatt findet am Donnerstag, 25. März, um 19 Uhr im Bürgerhaus statt. Helga Spengler und Christa Knaus werden über Ärzte, Hebammen und Apotheker und die medizinische Versorgung in der Lorcher Nachkriegszeit referieren.
Am Freitag, 23. April, spricht um 19 Uhr Manfred Schramm im Bürgerhaus über „Flüchtlinge und Vertriebene finden eine neue Heimat in Lorch“.
 

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