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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 03. Februar 2010

Busfahrer arbeiten seit Tagen unter erschwerten Bedingungen — Fahrpläne werden trotz Eis und Schnee halbwegs eingehalten

Auf der einspurig geräumten Landstraße bei Tierhaupten geriet gestern ein Bus in eine Schneewehe und blieb im Graben hängen. In vielen Wohngebieten kommen die Busse kaum noch zwischen Schneehäufen und parkenden Autos durch — und das sonst übliche Wenden funktioniert nicht mehr. Trotzdem schaffen es die Fahrerinnen und Fahrer, halbwegs im Zeitplan zu bleiben. Von Gerold Bauer

OSTALBKREIS. Wenn ein Omnibus in eine Schneewehe gerät, dann läuft er dort im schlimmsten Fall wie auf Schienen geradeaus. Lenken ist dann sinnlos, und die Fahrt endet meistens im Straßengraben. Deshalb wird von den Busfahrern im Gmünder Raum derzeit höchste Konzentration gefordert — zumal die Schneemauern an den Straßenrändern, zu Lasten der nutzbaren Fahrbahnbreite, immer höher und breiter werden. Wenn es noch ein paar Tage so weiter schneien würde, wäre vielerorts kein Begegnungsverkehr mehr möglich. Dann würde nur noch die Schneefräse oder der Abtransport der Schneemassen per Lkw helfen.
Dass Linienbusse auch mitten in Wohngebieten, also quasi vor der Haustüre, halten, ist für Passagiere sehr bequem. Doch die Siedlungsstraßen sind vor allem in den neueren Baugebieten längst nicht mehr so üppig dimensioniert wie noch in den 70er-​Jahren. Parkstreifen, Fahrbahnverschwenkungen, Bauminseln oder bepflanzte Flächen machen dem Winterdienst und dem Busverkehr gleichermaßen das Leben schwer.
„Auf solche Schneemassen wie wir sie momentan haben, sind die Städte und Gemeinden nicht mehr eingerichtet“, kommentiert Dirk Masanetz die aktuelle Situation. Der Betriebsleiter beim Gmünder Busunternehmen Abt fügt hinzu, dass die Streu– und Räumdienste ihr Bestes tun, „aber die Rahmenbedingungen können auch die Männer im Schneepflug nicht ändern“. Masanetz berichtet davon, dass immer wieder Schäden an den Bussen entstehen, weil sie in die Schneehäufen ausweichen müssen. Ein großes Problem seien auch gedankenlos geparkte Autos: „Manchmal muss ein Busfahrer minutenlang hupen, bis jemand aus dem Haus kommt und einen im Weg stehenden Pkw wegfährt.“ Dass die Busse nicht mehr an den üblichen Plätzen wenden können, bringt weitere Verzögerungen. Es verdiene höchsten Respekt, dass die Fahrer, abgesehen von kleineren Verspätungen, ihre Fahrpläne einhalten können.
Auch Frank Schuster vom gleichnamigen Busunternehmen aus Durlangen macht seinen Fahrerinnen und Fahrern ein großes Kompliment. „Da ist nächste Woche ein Vesper auf Geschäftskosten fällig“, sagte er im Gespräch mit der Rems-​Zeitung. Dass seine Leute so gut mit den extremen Bedingungen zurecht– kommen, führt Schuster auch auf das durchgeführte Fahrsicherheitstraining auf dem Hockenheimring zurück. „Und es wäre besser, wenn Autofahrer ohne hinreichende Erfahrung an extremen Tagen den Bus nehmen würden, statt vor lauter Angst mit zehn Stundenkilometern über die Straßen zu schleichen und damit den Verkehr aufzuhalten“, so Schuster.
„Wir kommen gut zurecht, denn wir haben Profis am Steuer“, kommentierte die Firma Rühle-​Gold aus Bartholomä kurz und prägnant die Anfrage der Rems-​Zeitung. Probleme gebe es nur, wenn auf der Heubacher Steige nichts mehr geht, weil ein Lkw quersteht oder Autofahrer dort mit Sommerreifen unterwegs sind.
Karl Jakob aus Göggingen freut sich über den Schnee: „Sonst könnten wir ja nicht die Leute zum Skifahren chauffieren“, meinte er schmunzelnd, fügt dann aber hinzu, dass es für seine Fahrer derzeit wirklich nicht einfach sei — zumal die ebenen Strecken aus Gründen des Salzmangels (siehe RZ vom 2. Februar) inzwischen nicht mehr gestreut werden, so Jakob. Abgesehen von den im Winter üblichen Verspätungen wird der Fahrplan von der Firma Jakob genauso eingehalten wie von Omnibus-​Krieger aus Schechingen. Dort musste man allerdings damit leben, dass aufgrund von extremen Schneeverwehungen im Bereich Obergröningen und Hohenstadt nicht alle Ortschaften wie gewohnt angefahren werden konnten.
„Ich glaube, der Krieg ist jetzt gewonnen“, sagte Hannelore Domhan aus Herlikofen im Hinblick auf die prognostizierte Schneeschmelze in den nächsten Tagen. Sie fährt auch zahlreiche Behinderte und hat ziemliche Schwierigkeiten, bis zu deren Wohnungen zu gelangen beziehungsweise Rollstuhlfahrer in den Bus zu bringen. Froh darüber, dass ihre Strecken keine großen Steigungen haben, ist die Firma Betz aus Waldstetten. Doch auch dort klagt man über regelrechte „Slalom-​Fahrten“ zwischen parkenden Autos und Schneehäufen sowie über gefährliche Situationen im Begegnungsverkehr.
 

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