Konkretisierung des deutsch-türkischen Schüleraustausches — initiiert durch die Robert-Bosch-Stiftung
In Heubach trafen sich Gäste aus der Türkei mit Verantwortlichen des Rosenstein-Gymnasiums. Das Vortreffen für das Projekt eines deutsch-türkischen Theaterstückes mit Musikeinlagen sowie vier Projektzeitungen im Rahmen des Schüleraustausches „Edirne– Heubach“ dient dazu, den Ablauf und die Einzelheiten zu konkretisieren. Von Karin Abele
HEUBACH. Teilnehmer waren der türkische Schulleiter Safak Sadi Akin, Literaturlehrer Halil Tûrkan, Schulpsychologin Necla Öncel und Deutschlehrer Mehmet Yilmaz von der türkischen Schule, Attila und Gülden Ses vom türkisch-islamischen Kulturverein in Heubach sowie
Dr. Helmut Rössler und Bernhard Abele für das Rosensteingymnasium. Unter anderem werden die türkischen und deutschen Projektlehrer mit den deutschen Projektschülern (v. a. Schüler der Türkisch-AG) den Handlungsverlauf des Stückes entwerfen, dessen Texte dann vor dem ersten Treffen geschrieben werden.
Wie kam es zu diesem deutsch-türkischen Schüleraustausch? Die Robert– Bosch-Stiftung fragte mit einem Rundschreiben an den Schulen an, wer zu einem deutsch-türkischen Schüleraustausch bereit sei. Eine Klasse der Schillerschule Heubach war bereits auf Besuch in der Türkei. Helmut Rössler wählte das Anadolu Ögretmen Lisesi (Gymnasium mit sozialpädagogischem Profil) in Edirne aus.
1849 Kilometer von Heubach entfernt und für die Klasse mit dem Bus zu erreichen, meinte Attila Ses. Die Schule dort hat sich, wie der türkische Schulleiter Safak Sadi Akin feststellte, bereits ein Jahr auf das Theaterstück mit dem Titel „Almanya’ya? Türkiye’ye? — Nach Deutschland? In die Türkei? vorbereitet.
Dabei sollen laut der Beschreibung des Projekts Themen aus dem Bereich der Völkerverständigung angesprochen werden. Da beide Projektgruppen die Sprache des Projektpartners an ihren Schulen erlernen, sollen die deutschen Schüler unter anderem auch Passagen auf Türkisch und umgekehrt vortragen. Die Musikeinlagen sollen im Theaterstück Gesprächsanlässe zum Umgang mit eigenem und fremdem kulturellen Erbe thematisieren. Dafür präsentierte der Deutschlehrer aus Edirne, Mehmet Yilmaz, drei kurze Sketche, mit den Titeln „Das hilflose Kind“, „Die Militärmädchen bei der Militärischen Sportstunde“ sowie „Einkaufsverrückt“. Die Stücke sollen jeweils an den Schulen und in Heubach zusätzlich beim Islamischen Kulturverein und in Edirne an der Universität gespielt werden.
Auch brachten die Projektlehrer bereits eine von den Schülern erstellte Zeitung aus Edirne mit. Es sollen je zwei deutsche und türkische Projektzeitungen entstehen, jeweils eine vor dem Besuch und eine nach dem Treffen. Dafür sollen sich die Schüler in Deutschland wie in der Türkei sowohl mit der Partnerstadt als auch mit der Heimatgemeinde beschäftigen. Um die Recherche nicht ausufern zu lassen wurden die Themenschwerpunkte Kunsthandwerk und dabei vor allem Schmuck sowie Küche und Gastronomie festgelegt.
30 Schüler im Alter von
15 bis
18 werden in die Türkei fahren und die
30 Schüler aus der Türkei werden
15 bis
17 Jahre sein. Da die Gastfreundschaft in der Türkei viel überschwänglicher ist und noch einen ganz anderen Stellenwert hat, werden zuerst die Heubacher Schüler nach Edirne fahren, um sie davor zu bewahren die späteren türkischen Gäste mit bei uns gängigen Gewohnheiten wie „der Kühlschrank ist gefüllt, Du kannst Dich bedienen“ zu beleidigen.
Erfreulich ist, dass die Robert-Bosch– Stiftung für dieses Projekt den Förder-Höchstsatz gewährt, auch die Kreisparkasse Ostalb, der Schulverein sowie der türkisch-islamische Kulturverein unterstützen dieses Projekt. Ziel ist es, das Türkeibild der Deutschen, das durch Kopftuchartikel in den Medien und Ehrenmorde verschoben ist, zurechtzurücken und ein realistisches Türkeibild – auch wie verwestlicht die Türkei ist – aufzuzeigen, so
Dr. Rössler.
Konrektor Bernhard Abele meinte, im Bereich Gastfreundschaft und Musik würden zwei Welten aufeinandertreffen. Deshalb gehe es um das gegenseitige Näherbringen der eigenen Kultur. Das Projekt wird vom Lehrerkollegium einstimmig mitgetragen. Halil Tûrkan, Literaturlehrer aus Edirne, meinte, das Projekt habe auch die Aufgabe, den türkischen Schülern Mut zu machen, in Deutsch besser zu werden und die Bildungsangebote zu nutzen.
20 türkische Schüler besuchen das Rosensteingymnasium, davon drei Viertel Mädchen. Auf die Frage, welche Lehrer strenger seien, meinte der türkische Schulleiter Safak Sadi Akin: „Wir haben eine Stunde am Unterricht teilgenommen, es gibt keinen großen Unterschied.“ Als
Dr. Rössler Anzug und Krawatte ansprach, meinte Akin, in Edirne unterrichte man mit Krawatte und die Schüler trügen Uniform. Es gibt eine Schulpsychologin und der Ganztagsunterricht dauere von
8.
30 bis
16.
30 Uhr. In der Mittagspause von einer Stunde können die Schüler in der Kantine oder auch außerhalb essen. Jede Woche beginne mit der Nationalhymne. Auch gibt es seit einem Jahr einen Verein für deutsche Kultur in Edirne. An ihrer Schule werde Englisch als erste und Deutsch als zweite Fremdsprache unterrichtet.
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