Gestern Abend Neujahrsempfang der Industrie– und Handelskammer Ostwürttemberg mit FAZ-Feulletonist Frank Schirrmacher
Beide Redner beim Jahresempfang der IHK Ostwürttemberg gingen auf ein gemeinsames Thema ein: den demographischen Wandel. Dabei hatte IHK–Präsident Helmut Althammer eher die Wirtschaft im Blick, FAZ–Cheffeuilletonist Frank Schirrmacher die Werte.
HEIDENHEIM
(rw). Die ostwürttembergische Wirtschaft stimmt sich auf das Jahr ein.
450 Gäste aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik gaben sich gestern Abend beim traditionellen Jahresempfang im Heidenheimer Haus der
IHK ein Stelldichein. Darunter Landrat Klaus Pavel und die Oberbürgermeister der Region, aber auch die
EU–Parlamentsabgeordnete Inge Gräßle und die Landtagsabgeordneten Ulla Haußmann, Bernd Hitzler, Winfried Mack und Andreas Stoch.
IHK–Präsident Helmut Althammer erinnerte an das Jahresmotto der
IHK–Organisation: „Stark für den Aufschwung“ — und an das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns, „gerade in Krisenzeiten“.
2010 werde nach Auffassung der
IHK ein Jahr der Erholung, noch nicht des Aufschwungs. Die Investitionstätigkeit im Land und der private Konsum würden sich nur schwach entwickeln, „dafür hilft uns der Export, Deutschland ist eine industriebasierte Exportnation.“ Damit sei die wichtigste Aufgabe formuliert: „Wir müssen das produzierende Gewerbe in den Fokus des wirtschaftspolitischen Handelns stellen.“ Vor allem für die wissensbasierten Industriebereich müssten die Rahmen– und Standortbedingungen in Ordnung gehalten werden. Wert sei zu legen auf die Zusammenarbeit mit den Hochschulen der Region, ebenso auf der Vorstufe, der Kooperation von Wirtschaft und Schule. Gerade angesichts der Schulrealität gebe es hier große Herausforderungen: „Wir sollten die Chancen erkennen. Jedes Kind muss entsprechend seiner individuellen Begabung gefördert werden. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die uns alle angeht.“Die Wirtschaft erbringe dabei eine enorme Leistung. In der Region seien im vergangenen Jahr über
2000 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden, „unverändert ein Spitzenwert im Langfristvergleich.“
Die Herausforderung der Zukunft werde jedoch eine andere sein: „Auch in unserer Region wird sich die Demographie schmerzhaft bemerkbar machen.“ In den nächsten zehn Jahren werde die Zahl der potenziellen Auszubildenden um
20 Prozent abnehmen, auch die Absolventen mit Hochschulreife würden spürbar weniger werden. Selbst über eine gesteuerte Zuwanderung werde man im hochqualifizierten Bereich die Lücken nicht schließen können. Althammer mahnte nicht zuletzt aus diesem Grund zur Konsolidierung der Staatsfinanzen. Positiv wertete er die Stabilität des Beschäftigungssystems; „die Arbeitsmarktzahlen für unsere Region sind angesichts der problematischen Entwicklung eine positive Überraschung.“ Es gebe keinen Grund für Zukunftspessimismus.
FAZ–Mitherausgeber Frank Schirrmacher ließ die großen Zahlen der Demographie sprechen — wahrlich kein rosiges Bild kommender Alterung. Bis hin zu der Aussicht, dass im Jahr
2025 allein in China mehr Menschen über
65 Jahren lebten als derzeit noch auf der ganzen Welt. Die kollektive Seelenlage beginne sich bereits jetzt zu verändern, die sozialen Änderungen kommen noch, „es wird ganz andere Konfliktlinien in der Gesellschaft geben.“ Andererseits: Auch der ältere Mensch kann sich anpassen, wenn er seine Umgebung — auch die Arbeitswelt — mit verändert. So schlimm also muss der demographische Wandel nicht kommen, dass gleich der Weltuntergang zu befürchten wäre.
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