Wie unsere heimischen Wildtiere über den Winter kommen: Bioheizung, Dauerwelle und Ruhe
Der Pressereferent der Kreisjägervereinigung (KJV), Werner Rupp, weist darauf hin, dass unsere wild lebenden Tiere, bedingt auch durch den langen und harten Winter, jetzt besonders in Wald und Feld Ruhe brauchen.
OSTALBKREIS
(pm). Viele Wildarten dürfen jetzt nicht mehr gejagt werden, und die Jäger haben ihre behördlich verordneten Abschusspläne und die öffentlichen Aufgabe erfüllt.
Tieren, die auf pflanzliche Nahrung angewiesen sind, bietet der Winter wenig. Schmalhans ist Küchenmeister. Besonders die Rehe leben deshalb auf Sparflamme. Besonders wichtig für das Überleben kalter, schnee– und frostreicher Perioden ist ein üppiger Winterspeck, den sich die Tiere im Herbst angefressen haben.
Im Spätwinter ist die Nahrungssuche teilweise mit mehr Energieaufwand verbunden, als mit dem kargen Futter aufgenommen wird. Deshalb helfen die Wildtiere sich dadurch selber, indem sie ein klein bisschen Winterschlaf halten und den Herzschlag fast um die hälfte reduzieren und die Körpertemperatur herabsetzen.
Schönheitsfehler dieser Taktik und des heruntergefahrenem Kreislaufes ist eine stark eingeschränkte Mobilität. Selbst bei Störungen – etwa durch Wanderer oder Skifahrer abseits der Wege – bleibt das Wild ruhig stehen und lässt Menschen näher heran als normal. Es wirkt zutraulich . In Wirklichkeit bedeutet diese Situation Stress, Alarmstufe Rot, sozusagen. Eine Flucht wird nur hinausgezögert, weil sie noch mehr Energie verbrauchen würde. Bei ständigen Störungen traut sich das Wild nicht mehr aus seinen Einständen, wird krank und kann sogar eingehen.
Der Verbiss an jungen Bäumchen wird natürlich enorm erhöht und es findet keine Waldverjüngung statt. Im Übrigen muss laut Vertrag der Revierpächter die entstandenen Schäden ersetzen.
Deshalb sollten Freizeitsportler und Spaziergänger auf den reichlich vorhandenen Wegen bleiben. Hunde sollten immer — angeleint oder nicht — im direkten Einflussbereich bleiben. Im Wald besteht auch Anleinpflicht.
Füttern: Ja oder nein?
Aber sicher keine übrig
gebliebenen Essensreste
Grundsätzlich gilt: Unsere heimischen Tiere haben sich über Jahrtausende an die Witterung angepasst und die gesunden wissen mit dem Winter umzugehen. Ruhe ist deshalb das Wichtigste.
Rehe werden in Notzeiten gefüttert – diese sind in Notverordnungen der Bundesländer genau geregelt. Förster und Jäger sorgen dann für die artgerechte Fütterung. Etwa wenn eine verharschte Schneedecke oder Eis das Finden von Nahrung am Boden unmöglich macht. Falsch verstandene Tierliebe ist es sicherlich, wenn Reste von der Kaffeetafel oder Mittagstisch am Waldrand entsorgt werden. Davon profitieren höchstens Allesfresser wie Fuchs und Wildschwein, für die der Tisch ohnehin schon reich gedeckt ist. Schimmel — etwa auf Brot — oder zu viel Zucker können bei Pflanzenfressern schwere Koliken auslösen, die auch tödlich enden können.
Wildschweine merken sich sehr schnell, wo es etwas zu holen gibt. Wo heute eine Sau gefüttert wird, steht morgen die ganze Schweinefamilie, und die zeigt sich wenig zimperlich.
Das Winterhaar der Säugetiere ist dichter und isoliert besser als das Sommerfell. Besonders raffiniert ist die „Dauerwelle“ des Rehs: Die langen Winterhaare sind stark gewellt und nicht glatt wie die kürzeren im Sommer. So wird Luft eingelagert, die sehr gut isoliert — ähnlich wie bei einer Daunenjacke.
Der Dachs schafft im Herbst Pflanzenmaterial in seinen unterirdischen Bau, das langsam verrottet und dabei Wärme abgibt. Dadurch braucht er während seiner Winterruhe (kein Winterschlaf) weniger Energie. Wildschweine bauen sich aus Ästen, Reisig, Laub und Gräsern schützende Kessel. Die ausgeklügelten Konstruktionen erfahrener Bachen haben sogar ein Dach und einen Eingang zur Wärmeregulierung. Außerdem haben Wildschweine eine dichte Unterwolle unter den Deckhaaren.
Kaum zu glauben: Aber selbst bei tiefsten Minusgraden denken einige Arten an die Liebe. Es sind Allesfresser, die auch im Winter genügend Nahrung finden. So zum Beispiel die Wildschweine: Bachen sind im Januar „rauschig“. Sie leben in Rotten, in denen Keiler nur während der Paarungszeit geduldet werden. Ihre Paarungsbereitschaft signalisieren Bachen durch Duftmarken.
Füchse „bellen“ verstärkt in klaren Vollmondnächten und sind auf der Suche nach einem Partner. Die Kommunikation läuft auch hier hauptsächlich über Düfte. Urinmarken dienen sozusagen als Personalausweis und Krankenversichertenkarte gleichermaßen:
Alter, Geschlecht, gesundheitliche Verfassung und Paarungsbereitschaft können Füchse herausschnuppern.
Noch keine Kommentare vorhanden.