Aussagekräftige Zeugnisse und Projekte an der Friedensschule helfen beim Bewerben — Verlässliche Betreuung auch nachmittags
Gymnasium, Werkrealschule — und die Hauptschule als Auslaufmodell? Damit gibt man sich an der Friedensschule auf dem Rehnenhof nicht zufrieden. Mit einem engagierten pädagogischen Konzept sowie zusätzlichen Angeboten sollen die Chancen der Schülerinnen und Schüler auf eine Ausbildungsstelle verbessert werden. Von Gerold Bauer
SCHWÄBISCH GMÜND. Rektorin Daniela Maschka-Dengler und ihr Kollegium sind inzwischen dafür bekannt, dass sie gerne auch eigene Wege gehen, wenn dies zum Vorteil der Kinder und Jugendlichen ist. Obwohl die Friedensschule seinerzeit nicht offiziell als Ganztagesschule deklariert und entsprechend gefördert wurde, gibt es auf dem Rehnenhof (neben der verlässlichen Grundschule) für die Kleinen einen Hort und für die Jugendlichen von Montag bis Donnerstag auch eine Nachmittagsbetreuung. Und während an manch anderen Schulen für viel Geld Mensen gebaut wurden, hat man auf dem Rehnenhof kostengünstig improvisiert.
In der Küche der Mehrzweckhalle wird von engagierten Eltern, von Mitgliedern des Kollegiums und vom Hausmeister-Ehepaar Kast das Mittagessen zubereitet und im so genannten „Rentnerstüble“, sprich im Vereinsraum serviert. Zwischen
20 und
40 Kinder nutzen dieses Angebot — und die Atmosphäre beim Mittagessen ist freundschaftlich und familiär. Genau das, was Kinder und Jugendliche brauchen, deren Eltern zum Beispiel tagsüber arbeiten müssen und deshalb ihren Nachwuchs nicht selbst verpflegen können. Dank des ehrenamtlichen Engagements und einer sehr preisbewussten Speisekarte kann dieser Mittagstisch für nur
1,
50 Euro pro Mahlzeit angeboten werden.
Rektorin Daniela Maschka-Dengler und ihr Konrektor Ralf Bachmeier legen großen Wert darauf, dass an ihrer Schule auch jene Kompetenzen vermittelt werden, die den Schülerinnen und Schülern auf ihrem weiteren Lebensweg zu Gute kommen. Dies gilt für den handwerklich-technischen Bereich genauso wie für das Verhalten und das soziale Denken. Um diesen hohen Anspruch zu realisieren, habe sich alle Lehrerinnen und Lehrer verpflichtet, freiwillig mehr Stunden zu leisten, als sie es gemäß ihres Lehrauftrags müssten, betont die Schulleiterin.
Projekte seien eine gute Möglichkeit, dass die Mädchen und Jungen Fähigkeiten unter Beweis stellen können, die in Klassenarbeiten nicht geprüft werden und demzufolge sonst auch in keinem Zeugnis auftauchen. In ersten Halbjahr hat sich nun eine Gruppe von Siebt– bis Neuntklässlern mit dem Bau eines Kran-Modells auseinander gesetzt. Fabian Schulz und Maik Sperling gingen zum Beispiel auf eine Baustelle und schauten sich die Kräne an, die dort im Einsatz sind, genau an. Aus ersten Skizzen entstanden dann richtige Baupläne auf Papier. Beim Versuch, die Bauteile von Hand anzufertigen, stellten die Jungen fest, dass dies nicht so gut klappt. Also wurden die Teile in eine CNC-Fräsmaschine einprogrammiert und somit passgenau in Kleinserie hergestellt. Auch die Mechanik mit Umlenkrollen und Seilzügen schauten sich die jungen Maschinenbauer auf der Baustelle ab. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen — der Kran wirkt wie ein professionelles Baukasten-Modell.
Im zweiten Halbjahr geht es um ein sozial-gesundheitliches Projekt. Auch dieses erstreckt sich über fünf Wochenstunden — wobei sowohl die Schüler als auch die Lehrer zwei Stunden davon freiwillig ableisten. Anhand solcher Projekte kann ein Handwerksmeister oder der Personalchef einer Fabrik viel eher beurteilen, ob ein Bewerber für den einen oder anderen Beruf geeignet ist, als anhand der klassischen Schulnoten. Zumal immer mehr Arbeitgeber darüber klagen, dass sie mit den modernen Fächerverbünden nicht viel anfangen können. „Weil aus der Gesamtnote nicht hervorgeht, in welchen Bereichen der Schüler stärker und in welchen er schwächer ist“, sagt die Rektorin.
Deshalb bekommen die Absolventen der Friedensschule (und nur dort) auch ein wesentlich umfangreicheres, weil differenziertes Zeugnis. Der Konrektor hat dazu ein Computerprogramm ausgetüftelt. Ein Schüler, der sich zum Beispiel mit der Rechtschreibung schwer tut, sich aber mündlich sehr gut ausdrücken und gut mit anderen Menschen umgehen kann, bekommt dies auch in seinem Zeugnis bestätigt. Wenn jemand sich auf eine Lehrstelle im Verkauf bewirbt, ist es schließlich wichtig, dass der künftige Chef von solchen Fähigkeit erfährt. Ohne diesen Hinweis im Zeugnis würde es dieser Jugendliche sonst vielleicht gar nicht bis zum Vorstellungsgespräch bringen, sondern schon vorher aussortiert werden.
„Es muss kein Nachteil sein, dass wir keine Werkrealschule, sondern eine einzügige Hauptschule sind“, macht Konrektor Bachmeier deutlich. „Wir sind klein, aber fein und können uns sehr individuell um die Schülerinnen und Schüler kümmern — bis hin zu einer persönlichen Hilfestellung beim Verfassen der Bewerbung und der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch.“ Dieses außergewöhnliche pädagogische Engagement hat dazu geführt, dass die Friedensschule landesweit als beispielhafte Mentorenschule anerkannt ist. Und dass bisher keiner diese Hauptschule ohne Abschluss verlassen hat und ein Berufsvorbereitungsjahr absolvieren muss — darauf ist das ganze Kollegium zurecht stolz.
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