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Klassenspiel der 8.Klasse der Freien Waldorfschule Schwäbisch Gmünd - Zwei öffentliche Vorstellungen
Statt Mathe, Biologie, Fremdsprachen und Eurythmie steht derzeit Schauspiel auf dem Stundenplan der Achtklässler der Freien Waldorfschule.
SCHWÄBISCH GMÜND (pm). Das helle Klassenzimmer mit den farbig gestrichenen Wänden haben sie verlassen. Große, rostige Teile eines ehemaligen Getreidesilos, das noch vor kurzem ausgedient an der B 29 lagerte, ein Schrottauto sowie andere Teile geben im grellen Bühnenlicht dem aktuellen Arbeitsumfeld einen Akzent vom Leben auf der Straße und in den Hinterhöfen. Täglich proben die 28 Schülerinnen und Schüler zusammen mit dem Regisseur Hellfried Rödelberger und ihrem Klassenlehrer Thomas Haas, seit Beginn der Faschingsferien laufen die Proben auf Hochtouren.
Die Arbeit an einem Bühnenstück fordert den Schülerinnen und Schülern ganz andere Seiten ab als im gewöhnlichen Schulalltag. Jeder schlüpft in eine fremde Rolle, jeder spielt diese nach besten Kräften und Möglichkeiten aus. Der Regisseur lockt jeden Einzelnen aus der Reserve, so mancher stößt dabei an seine Grenzen. Die eigene Befindlichkeit, individuelle Vorlieben und Abneigungen treten in den Hintergrund, die Rolle wird zur Leitlinie des eigenen Hande3lns. Ganz bewusst ist das Klassenspiel in der 8.Klasse fester Bestandteil des Lehrplans an Waldorfschulen. Für den Jugendlichen sind die Probenwochen ein Lernprozess, die eigene Entwicklung wird positiv beeinflusst und gestärkt. Last not least: Ein Klassenspiel ist auch immer ein Gesamtkunstwerk, das nur durch die Mitwirkung aller gelingen kann. Jeder zählt!
„Der New Yorker Kreidekreis“ erzählt die Geschichte des Mädchens Lilian, die als Säugling im Jahre 1968 unter widrigsten Umständen in die Obhut seiner Ziehmutter kommt. Eine innige und liebevolle Mutter-Kind Beziehung entsteht, 14 Jahre später erfährt das Mädchen seine wahre Herkunft. Es tritt auf einmal heraus aus jener Zeit, in der es in der schützenden Hülle der mütterlichen Umgebung gelebt hat. Die Frage taucht auf, wer seine wahre Mutter, wer der Vater ist. Das Schicksal führt nun alle Personen in jene Straße, in der vierzehn Jahre zuvor alles angefangen hat. Die Erwachsenen versuchen, jeder auf seine Art, die Frage nach der Zugehörigkeit des Kindes zu beantworten. Anders als bei Brecht zeigt der „New Yorker Kreidekreis“ am Ende den Richter ratlos: Wer kann sagen, was hier rechtens ist, angesichts der vielfältigen Verstrickungen, der Schicksalhaftigkeit des Geschehens? Letztendlich ist Lilian mit sich allein. Sie macht zögernd die ersten Schritte aus der Vergangenheit heraus in die eigene Zukunft. Im Stück tauchen Drogenproblematik, Verbrechen und tiefe menschliche Beziehungsfragen auf, ohne zu verharmlosen oder oberflächlich zu bleiben.
„Der New Yorker Kreidekreis“ kann als modernes Märchen bezeichnet werden, in dem das Böse und Gute, Leben und Tod, Verstrickung und Lösung einen gemeinsamen Weg gehen.
Die Aufführungen für Schülerinnen und Schüler finden am kommenden Mittwoch, 17. März, sowie am Donnerstag, 18.März, statt, Beginn ist jeweils um 10 Uhr. Interessierte Klassen anderer Schulen ab der 6.Klasse können ihren Besuch noch anmelden (Tel.: 07171/ 874887-0). Die öffentlichen Abendvorstellungen für alle, die sich fürs Theater interessieren, ganz gleich welches Alter, sind am Freitag, 19. März, und Samstag, 20.März, jeweils um 20 Uhr im Emil-Molt-Saal der Freien Waldorfschule.

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