Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Ostalbkreis | Montag, 15. März 2010

UN-​Korrespondent Andreas Zumach referierte in der Mutlanger Pressehütte über den Stand der Dinge bei nuklearer Abrüstung

„Das von Obama geöffnete Fenster zu einer Welt ohne Atomwaffen droht sich wieder zu schließen, wenn wir nicht aktiv werden“, erklärte der UN-​Korrespondent Andreas Zumach in einem Vortrag, zu dem ihn die Pressehütte Mutlangen eingeladen hatte.

MUTLANGEN (pm). „Es existieren derzeit etwa 23 000 Atomsprengköpfe auf der Welt“, erläuterte Andreas Zumach zu Beginn seines Vortrages, „jeder zehnte befindet sich im Alarmzustand und kann jeden Moment abgefeuert werden.“ Für ihn bleibt der Prozess der nuklearen Abrüstung bisher völlig offen, da es bisher keine konkreten Schritte zu einer Nulllösung gebe.
Als Stolperstein sieht der UN-​Korrespondent für die TAZ und den Rundfunk die derzeitige Situation um den Iran. Schon 2005 stellte er fest, dass keine iranische Regierung den Uranabbau stoppen würde, denn es ist laut dem nuklearen Nichtverbreitungsvertrag das Recht jedes Staates, sich den vollständigen nuklearen Brennstoffkreislauf zur friedlichen Nutzung zu eigen zu machen. Das Dilemma, dass man damit auch Nuklearwaffen herstellen kann, lasse sich auch mit Sanktionen nicht lösen. „Wenn der Iran Nuklearwaffen haben will, werden Sanktionen das nicht verhindern können“, stellte Zumach fest und verwies auf die Nukleartechnologie, Ressourcen und Trägersysteme, die sich schon im Besitz des Iran befinden. Während der Westen sich schon Gedanken zu einem Totalembargo oder einem möglichen militärischen Schlag mache, gebe es gleichzeitig aber auch Politikberater, die Nuklearwaffen in den Händen des Iran billigen würden. Die Idee dahinter sei es, dass es zu einem nuklearen Kräftegleichgewicht mit Israel kommen könne. Zumach befürchtet für diesem Fall die Konsequenz eines Rüstungswettlauf von ABC-​Waffen von allen Nahoststaaten, was den Konflikt schüren und nicht beenden würde.
Die Vision einer atomwaffenfreien Welt von Präsident Barack Obama ist derzeit auch in den USA durch konservative politische Kräfte bedroht. Bei der Entwicklung seiner neuen Atomstrategie muss er viele Kompromisse eingehen. Die Republikaner verknüpfen ihre Zustimmung zu Abrüstungsschritten mit Zugeständnissen für die Modernisierung der vorhandenen Atomwaffen. Um ihre zukünftige Zweckbestimmung wird derzeit gerungen. Die Formulierungen in der neuen amerikanischen Doktrin werden andere Staaten zu Reaktionen bewegen. Ein wichtiger Punkt würde dafür sein, ob die US-​Atomwaffen nur eine einzige Aufgabe, die Abschreckung vor einem Atomangriff, oder auch noch andere zugewiesen bekommen.
Die Abschreckungsfunktion der US-​Atomwaffen in Westeuropa wird von Zumach in Frage gestellt. Die 10 bis 20 Atomsprengköpfe in Büchel in der Eifel haben keinen militärischen Zweck. Deutsche Politiker begründen ihr Festhalten mit dem Interesse, am Mitspracherecht innerhalb der NATO und als Ausdruck der Lastenteilung im Bündnis. Außerdem erläuterte Zumach, dass Deutschland den nuklearen Nichtverbreitungsvertrag nur mit der Bedingung ratifiziert habe, dass im Falle eines gemeinsamen europäischen Militärs dieses eigene Atomwaffen besitzen dürfe.
Wolfgang Schlupp-​Hauck rief die Zuhörer auf, sich an den Aktionen der Kampagne „Unsere Zukunft – atomwaffenfrei“ zu beteiligen. Wichtig sei der Ostermarsch am Samstag, 3. April, in Ellwangen und die regionale Friedensradtour im Ostalbkreis am Samstag, 17. April. „Mit diesen Aktionen wollen wir der deutschen Regierung Druck machen, dass sie sich – wie im Koalitionsvertrag geschrieben – für den Abzug der letzten Atomwaffen in Deutschland einsetzt und sich bei Verhandlungen zum nuklearen Nichtverbreitungsvertrag in New York aktiv einbringt“, erklärte er.

Die Pressehütte sammelt dazu Unterschriften und verteilt Postkarten. Kontakt: (0 71 71) 7 56 61.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen