Landwirt zu sein, ist etwas Besonderes
Landwirt zu sein ist etwas Besonderes; darin war man sich beim Bauerntag, der gestern in Mögglingen stattfand, einig. In vielen Bereichen ist es für die deutschen Bauern aber nicht nur besonders schön, sondern auch besonders schwierig. Der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, nahm dazu Stellung
Landwirt zu sein ist etwas Besonderes; darin war man sich beim Bauerntag, der gestern in Mögglingen stattfand, einig. In vielen Bereichen ist es für
die deutschen Bauern aber nicht nur besonders schön, sondern auch besonders schwierig. Der Präsident
des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, nahm dazu Stellung.
Von Gerold Bauer
OSTALBKREIS. Ein Gefühl für die Schönheit des Berufs zu bekommen, sich als Freund von Natur und Umwelt zu fühlen. Diese positive Einstellung zum Berufsbild möchte der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Schwäbisch Gmünd, Anton Weber, gerne dem Berufsnachwuchs vermitteln. Und viele Menschen auf der Ostalb, auch aus den Reihen der Landjugend, denken so.
Allerdings sei dies mitunter nicht gerade einfach, machte der Waldstetter Landwirt bei seiner Rede zum Ostalb-Bauerntag deutlich. Denn es gebe in Deutschland auch politische Gruppierungen, oft mit ideologischem Hintergrund, für die eine Einigkeit in der Landwirtschaft ein rotes Tuch sei. Zudem, so Weber, wisse er aus eigener Erfahrung nur zu gut, dass man sich als Repräsentant des Berufsstandes nicht nur Freunde mache, wenn man mit korrekten Fakten argumentiere. Dann werde nämlich gerne mit plakativen Parolen und populistischen Schlagworten Front gegen die Bauern gemacht.
Ein anderes Thema, das Weber sehr am Herzen liegt, ist die Welternährungslage. Angesichts dessen, dass in Deutschland alle Lebensmittel im Überfluss vorhanden seien und zu Billigst-Preisen verschleudert würden, mache sich kaum jemand bewusst, wie knapp die Nahrungsmittel weltweit sind. „Global gibt es keine Überschüsse, sondern nur zu wenig Geld, um die Vorräte zu kaufen“, sagte Weber und erinnerte daran, dass weltweit etwa eine Milliarde Menschen hungern. Würde die Kaufkraft in Entwicklungshilfe-Ländern nur um
15 Prozent steigen, wäre Europa bald leergekauft. Und aufgrund der Klimaveränderungen fallen durch rasante Ausbreitung der Wüste, zum Beispiel in China, ganze Regionen für die Nahrungsmittelproduktion aus.
Anton Weber ist deshalb sehr bemüht, die Bevölkerung für die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft zu sensibilisieren. Auch in einem industriell geprägten Land dürfe man den Bauernstand und die Nahrungsmittelproduktion nicht mit Füßen treten beziehungsweise mit übertriebener Bürokratie extrem belasten. Durch die Einhaltung sehr strenger Auflagen (auch bezüglich des Umweltschutzes) sind die Bauern in Deutschland nicht in der Lage, preislich mit Ländern zu konkurrieren, in denen diese Auflagen nur auf dem Papier bestehen oder gar nicht gelten.
Deshalb appellierte Weber gestern an den (ebenfalls anwesenden) Landesbauernpräsidenten Joachim Ruckwied und natürlich an Gerd Sonnleitner als höchsten Repräsentanten der deutschen Landwirte: „Vertreten Sie aggressiv die Positionen der deutschen Bauern, denn unsere hohen Standards kann es auch in der Zukunft nicht zum Nulltarif geben!“
Gerd Sonnleitner sprach gestern in der Mackilohalle unter anderem über die Weiterführung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik bis zum Jahr
2020. Zum Beispiel zeigte er in seiner Rede auf, welche Vorteile speziell die Verbraucher von diesen politischen Rahmenbedingungen haben, die den deutschen Bauern vorgegeben werden: Niedrige Preise, sichere und gesunde Produkte, Vielfalt im Lebensmittelbereich, hohe Qualität beim Geschmack und dergleichen seien für die Käufer heute selbstverständlich geworden. „Die Verbraucher leben dergestalt in Deutschland quasi im Paradies — die einzigen, die man aus diesem Paradies vertrieben hat, sind die Bauern“, sagte der deutsche Bauernpräsident bewusst pointiert und fügte hinzu, was er damit ganz konkret meint. Angesichts der sehr niedrigen Preise, die deutsche Bauern für ihre hochwertigen Produkte bekommen — und wegen des hohen Aufwand durch die Einhaltung aller Vorschriften– schaffen sie es nicht mehr, ein faires Einkommen für sich und ihre Familien zu erzielen, bedauerte Sonnleitner.
Die Finanz– und Wirtschaftskrise treffe nicht nur die Industrie, sondern auch die Landwirtschaft massiv, sagte Gerd Sonnleitner. Denn auf dem Weltmarkt fehle im Zuge der Krise auch für Agrarprodukte die Kaufkraft. In vielen heimischen Haushalten regiere bei der Zusammenstellung des Speiseplans inzwischen ebenfalls die Sparsamkeit. Dies gelte nicht nur beim Einkauf, sondern auch beim generellen Umgang mit Lebensmitteln. Während es früher durchaus üblich war, dass zehn Prozent der eingekauften Lebensmittel aus den verschiedensten Gründen im Abfall gelandet sind, haben immer mehr Haushalte ein kostenorientiertes „Kühlschrankmanagement“. Sprich man achtet darauf, dass man nur kauft, was innerhalb des Verfalldatums auch wirklich konsumiert wird. Und man wirft Reste vom Mittagessen nicht gleich weg, sondern wärmt sie nochmal auf.
Auch auf die Innenpolitik ging Gerd Sonnleitner gestern ausführlich ein. Er setze sich zum Beispiel dafür ein, dass die Landwirte bei ihrer Steuererklärung eine Risiko-Ausgleichsrücklage ausweisen dürfen. Denn in kaum einer anderen Branche seien die Selbstständigen so großen Unwägbarkeiten ausgesetzt wie in der Landwirtschaft. Damit sich zum Beispiel witterungsbedingte Ernteausfälle oder Preiseinbrüche etc. nicht zur existenzbedrohenden Katastrophe für einen Betrieb ausweiten, brauchen die Bauern einfach entsprechende Rücklagen, stellte er klar. Und dies sei bei der Besteuerung einfach zu berücksichtigen. Sonnleitner hofft daher, dass er dies dem Finanzminister begreiflich machen kann.
Vor dem offiziellen Bauerntag in Mögglingen besuchte Präsident Sonnleitner den Betrieb von Patrick Wöller im Heuchlinger Teilort Holzleuten. Wöller stellte seinen Hof vor und machte nicht zuletzt auf die Benachteiligung durch die Topographie sowie den hohen Grünlandanteil aufmerksam. Spürbar sei inzwischen, dass durch den Betrieb von Biogasanlagen die Pachtpreise für Grundstücke steigen und gutes Ackerland nur noch sehr begrenzt verfügbar sei. Einig war man sich, dass es gut sei, die Milchquote zum Jahr
2014 auslaufen zu lassen.
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