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» Ostalbkreis | Montag, 22. März 2010

Präsident Gerd Sonnleitner beim Bauerntag des Bauernverbandes Schwäbisch Gmünd in der Mackilo-​Halle

Nachdem im vergangenen Jahr die Halle in Erwartung der Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner bis auf den letzten Platz besetzt war, mag vielleicht auch die Enttäuschung über deren kurzfristige Absage ein Grund gewesen sein, dass der Bauerntag in diesem Jahr weniger Besucher verzeichnen konnte. Von Dorothee Wörner

MÖGGLINGEN. Zum zweiten Mal in Folge fand der Bauerntag des Bauernverbandes Schwäbisch Gmünd in der Mackilohalle in Mögglingen statt Eingeladen hatte der Bauernverband unter seinem Vorsitzenden Anton Weber als prominenten Gast den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, Gerd Sonnleitner. Dieser hatte, wie bereits berichtet, am Nachmittag ein Gespräch mit Fachschülern und Mitgliedern der Landjugend und besuchte den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Wöller in Heuchlingen-​Holzleuten, bevor er am Abend zum Thema „Landwirtschaft im Spannungsfeld zwischen Markt und Politik“ referierte.
Dazu konnte Anton Weber zahlreiche Personen des öffentlichen Lebens begrüßen; den Präsidenten des Landesbauernverbandes Joachim Rukwied, Finanzstaatssekretär Dr. Stefan Scheffold, Dr. Kurt Mezger vom Regierungspräsidium Stuttgart, Regionalverbandsdirektor Thomas Eble und Dr. Hans Börner, sowohl als Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft als auch als Vertreter von Landrat Klaus Pavel.
Gekommen waren auch die Bürgermeister Klaus Maier aus Heubach, Jochen Renner aus Täferrot, Michael Segan aus Alfdorf und der Hausherr, Mögglingens Bürgermeister Ottmar Schweizer, der seine Gemeinde in einem Grußwort vorstellte und an Gerd Sonnleitner einen Bildband des Ostalbkreises übergab. Gertrud Wanner und Alexander Wörner, als Vorsitzende von Landfrauen und Landjugend, waren ebenso anwesend wie die Vertreter der großen Kreditinstitute der Region und die Kreisvorsitzenden der benachbarten Bauernverbände. Der Musikverein aus Wissgoldingen übernahm die musikalische Begrüßung und Landfrauen aus Heubach, Mögglingen und Böbingen bewirteten die Gäste.
Finanzstaatssekretär Dr. Stefan Scheffold ermutigte in seinem Grußwort die Bäuerinnen und Bauern trotz Preisschwankungen in einer globalisierten Welt, wettbewerbsfähige Familienbetriebe zu erhalten und verwies auf die Bedeutung der Landwirtschaft für die regionale Wirtschaft.
Dr. Hans Börner sprach auch in Vertretung des Landrats von den intensiven Diskussionen zwischen Landkreis und bäuerlichen Institutionen für die als Forum der „grüne Tisch“ geschaffen worden sei. Als Geschäftsbereichsleiter mit Kontakt zur landwirtschaftlichen Basis sieht Börner eine große Verunsicherung bei der Investitionsmentalität in Bezug auf den Bau von Biogasanlagen, „Teller oder Tank?“ lautet hier die Frage. Er sieht Diskussionsbedarf über das Leit– und Entwicklungsziel in der Landwirtschaft, denn „junge Landwirte erwarten keine widersprüchlichen Konzepte, sondern eine klare Analyse“.
Anton Weber bat seine bäuerlichen Kolleginnen und Kollegen, die in der Milchpreisdiskussion entstandenen Gräben wieder zuzuschütten und meinte „nur ein Bauernverband, der mit einer Stimme spricht, kann erfolgreich sein“. Zur Klimadebatte zitierte Weber den Präsidenten des Weltbauernverbandes, Vashee aus Sambia: „Die beste Lösung, dem Klimawandel zu begegnen, ist es, eine nachhaltige Landwirtschaft zu stärken durch Investitionen und Modernisierung“. Interessant sind auch Webers Ausführungen zur Welternährungslage, er verweist auf eine Studie der WTO, nach der es weltweit keine Überschüsse gäbe, sondern nur zu wenig Geld, um Nahrungsmittel zu kaufen. Eine Milliarde Menschen hungern, und sollte sich die Kaufkraft in den Entwicklungshilfeländern nur um 15 Prozent erhöhen, so wäre auch Europa leer gekauft.
Die hiesige Landwirtschaft wird in ihrer Produktion hohen Anforderungen gerecht, darum bat Weber den Bauernverbandspräsidenten bei den bevorstehenden Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) die Positionen der deutschen Bauern aggressiv zu vertreten.
„Bei den Verhandlungen auf europäischer Ebene
sind Diplomatie, Taktik und
Strategie gefragt“
Gerd Sonnleitner, Bauernpräsident
„Diplomatie ist gefragt bei den Verhandlungen“, antwortet Gerd Sonnleitner auf Anton Webers Bitte und zeigte in seiner Ansprache auf, dass bei Verhandlungen auf europäischer Ebene viel Taktik und Strategie im Spiel sein muss, um einen Gleichklang der Systeme zu erreichen und dennoch nationale Interessen zu vertreten. Der Bauernverband setze sich für eine Aufklärungsarbeit bei den 750 Europaabgeordneten ein, die bestimmen, wie die Agrarpolitik aussieht. Dabei sei es gefährlich, wenn von einem regionalen Standpunkt aus Vorschläge gemacht würden, die dann unter anderen Voraussetzungen in der gesamten EU umgesetzt werden. Der Verband strebe an, dass die GAP nach 2013 weiterhin auf den zwei Säulen eines Sicherheitsnetzes aus Direktzahlungen und Marktordnungsinstrumenten sowie eines eigenständigen Programms für die Ländliche Entwicklung fußen werde. Es handle sich nicht um Subventionen, sondern um einen gerechten Ausgleich, damit bei hohen Kosten gesunde Nahrungsmittel produziert werden können. Durch die Übermacht des Handels herrsche ein Kräfteungleichgewicht, hier müsse die Landwirtschaft auf die Molkereien einwirken, damit diese durch Zusammenarbeit eine Verhandlungsposition auf gleicher Augenhöhe erreichen. Zusammenarbeit und Zusammenhalt sei auch im bäuerlichen Berufsstand wichtig, so Sonnleitner, der stolz darauf ist, dass sich wieder mehr Jugendliche für „grüne Berufe“ entscheiden.
Er würdigt die Unterstützung der Politik durch Liquiditätshilfen, sieht die Betriebe aber auch weiterhin Schwankungen unterworfen, die es erfordern, eine Risikoausgleichsrücklage zu bilden.
Zu Vorwürfen von Umweltschutzverbänden meint Sonnleitner: „Es gibt keine Branche in Deutschland, die ihre Emissionen derart gesenkt hat. Nicht vergessen werden sollte, dass Millionen Tonnen CO² durch Pflanzen gebunden werde, die Landwirtschaft folglich Sauerstoff produziere.
Zur „grünen Gentechnik“ meinte er, diese sei momentan nicht interessant, da Landwirte darunter keinen Schaden erfahren möchten und die Ernährungsindustrie solche Produkte ebenfalls ablehne. Er unterstütze Bestrebungen, die klassische Pflanzenzucht zu forcieren. Ein mahnendes Wort gab es für Biogasbetriebe, dazu meinte Sonnleitner: „Ich bin für erneuerbare Energien, aber sucht das Gespräch untereinander und mit dem Bauernverband, macht nicht alles auf eigene Faust und drängt euch nicht gegenseitig aus den Pachtverträgen.“
Er wünsche den jungen Landwirten, dass sie die Möglichkeit hätten, sich im Ausland zu informieren, damit sie diese Eindrücke bei der Bewirtschaftung ihrer Höfe berücksichtigen können und ermunterte alle Anwesenden, die Herausforderungen durch ihr Engagement auf den Höfen zu meistern und mit Selbstvertrauen in die Zukunft zu gehen.
 

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