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» Ostalbkreis | Montag, 22. März 2010

Weihbischof Thomas Maria Renz bei der Reitersegnung in Hohenstadt: Die Schöpfung bewahren, damit alle leben können

Wie schon seit 358 Jahren in ununterbrochener Reihenfolge hat am Sonntag die katholische Kirchengemeinde Hohenstadt zusammen mit vielen Gläubigen, darunter etwa 40 Reiter, das Patriziusfest mit Reitersegnung gefeiert. Weihbischof Thomas Maria Renz mahnte Mitverantwortung der Christen an der Schöpfung an. Von Wolfgang Fath

ABTSGMÜND-​HOHENSTADT. Viele der Pilger waren schon am frühen Morgen aufgestanden, um traditionelle zu Fuß nach Hohenstadt in die Wallfahrtkirche zu kommen. Die weiträumige Wallfahrtkirche konnte die vielen Gottesdienstbesucher nicht fassen, dicht gedrängt standen die Gläubigen bis in die letzte freie Ecke. Das traditionsreiche Fest begann mit einem feierlichen Gottesdienst, den Weihbischof Thomas Maria Renz aus Rottenburg in Konzelebration mit den Pfarrern Andreas Ehrlich und Sieger Köder sowie mit Diakon Hermann Pfauth feierte.
Die musikalische Umrahmung des Hochamtes gestaltete der katholische Kirchenchor aus Schechingen unter der Leitung von Claudia Boy-​Bittner. Viele Kerzen brannten den ganzen Tag vor der Figur des Heiligen Patrizius, des Bekennerpatrons von Hohenstadt. Diese Figur stammt aus der Zeit um 1390.
Am Nachmittag machten sich rund 40 Reiter mit ihren Pferden auf den Weg zum Ritt über die Fluren von Hohenstadt über Börrat zurück zum Marktplatz. Angeführt wurde die Prozession von einer Kutsche, in der Weihbischof Thomas Maria Renz sowie die beiden Pfarrer Andreas Ehrlich und Johny Maniamkeril saßen.
Nach der Rückkehr auf den Markplatz stellten die Reiter sich zur traditionellen Segnung auf, die Weihbischof Thomas Maria Renz durchführte. Musikalisch umrahmte der Musikverein Hohenstadt unter der Leitung von Heidi Küene die Segnung von Rössern und Reitern.
Heute sei Misereor-​Sonntag, sagte der Weihbischof. Das Motto dieses Tages, „Die Schöpfung bewahren, damit alle leben können“, passe besonders auf die Patriziuswallfahrt. Wir sollten uns an diesem Tag als Christen neu unserer Mitverantwortung für die Schöpfung, Natur und Umwelt stellen, sagte Renz.
Angesichts des Scheiterns der Weltklimakonferenz müssten wir einerseits immer wieder mahnen, anderseits aber nicht nur große Worte machen, sondern mit Taten die Schöpfung bewahren. Es sei einfach ein Skandal, wenn heute auf der Erde rund 20 Prozent die Umwelt belasten würden, dies aber die restlichen 80 Prozent ausbaden müssten.
Auch die Kirche habe hier eine Vorbildfunktion zu erfüllen bei der Wahrung der Schöpfung. Und dazu könne auch der heilige Patrizius als Patron der Tiere beistehen. Nach der Segnung von Pferden und Reitern sangen die anwesenden Gläubigen das traditionelle Patriziuslied.
Die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer hatten viel zu tun, um den Ansturm der Besucher im Fruchtkasten mit angebautem Festzelt zu bewältigen und diese mit dem bekannt schmackhaften Mittagtisch und handfestem Vesper zu versorgen. Sehr gut an kam die von dem zweiten Vorsitzenden des Kirchengemeinderates, Wolfgang Pander und seinen vielen Mithelfern zusammengestellte Tombola mit ihren wertvollen Preisen.
Mit dem Erlös des Festes soll ein Beitrag zur Renovierung der maroden Außenfassade am Eingangsportal geleistet werden. Dort bröckelt stellenweise der Verputz ab. Nach erfolgter Sanierung wird dann dort im unteren Segmentgiebel auch wieder die sanierte zweite Patriziusfigur aufgestellt werden. Diese wurde im Jahre 1796 vom „Kirchenbeck“ Johannes Köhler zur Zeit einer damals herrschenden Viehseuche gestiftet. Die Geschichte der Patriziuswallfahrt selbst geht in Hohenstadt zurück bis in das Jahr 1652, als Maria Magdalena Adelmann von Adelmannsfelden die um 1390/​1400 gefertigte Figur des Heiligen Patrizius persönlich vom nahegelegenen Neubronn nach Hohenstadt trug.
Diese steht heute in der Kirche am rechten vorderen Seitenaltar. Der irische Nationalheilige gilt als Schutzpatron des Viehs, die Hohenstadter feiern das Patriziusfest mit Reitersegnung traditionell immer am Sonntag nach dem 17. März (Fest des Heiligen).
 

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