Landrat Klaus Pavel stand im Rahmen der Forum Gamundia-Reihe Rede und Antwort
Zu Gast in der Gesprächsreihe „Forum Gamundia“ war kürzlich der Landrat des Ostalbkreises, Klaus Pavel. Die Absicht von „Forum Gamundia“ unter der Leitung von Franz Merkle ist es, eine Person des öffentlichen Lebens einzuladen, die von sich, ihren Aufgaben, Hoffnungen und Sehnsüchte sowie Wünsche und Träume erzählt.
Als Sie sich heute Abend im Auto Gmünd näherten, was ging Ihnen da so durch den Kopf?
Ich bin heute schon das zweite Mal in Gmünd. Ich hatte ein gutes Gespräch mit OB Arnold. Wenn ich an Gmünd denke, kommen mir nur positive Gedanken.
Wie sehen Sie Ihre Aufgaben als Landrat?
Ich möchte etwas bewegen, weniger verwalten als gestalten. Ich bin stolz darauf, immer wieder sagen zu können: Ich bin Landrat des Kreises der Talente und Patente.
Wie würden Sie Ihren Landratskollegen erklären, was ein typischer „Ostälbler“ ist?
Da gibt es zwei Gruppen: der „östliche“ Kreisbewohner, bodenständig, treu, mit ausgeprägtem Understatement, etwa die Bewohner von Härtsfeld und Ries. Und der „westliche“ Kreisbewohner im Altkreis Gmünd, mehr Stuttgart hin tendierend, schon immer selbstbewusster, gut in den politischen Landesgremien vertreten. Und nicht zu vergessen: der Ellwanger Raum, wieder ein besonderer Menschenschlag. Im Übrigen müssen wir Ostälbler uns weder in Stuttgart noch in Berlin entschuldigen, dass wir da sind.
Worin sehen Sie Ihre Zukunftsaufgabe als Landrat?
Arbeit für Menschen zu schaffen. Bis vor zwei Jahren hatten wir im Kreis eine Arbeitslosenquote von
3,
3 Prozent, jetzt von
5,
8 Prozent (Gmünd
6,
5 Prozent). Mich belastet es, dass viele keine Arbeit haben. Wir müssen einen zweiten Arbeitsmarkt aufbauen. Wir müssen auch unbedingt auf die soziale Stabilität in unserer Gesellschaft achten und die sozialen Errungenschaften nicht aufs Spiel setzen. Eine zentrale Rolle spielen dabei Kinder und Jugendliche. Sie sind unsere Zukunft. Deshalb müssen wir besonders auf die achten, die Benachteiligung erfahren.
Erzählen Sie uns ein bisschen über Ihre Kindheit und Jugend.
Ich bin froh, dass meine Mutter noch lebt. Mein Vater ist leider viel zu früh verstorben. Ich stamme aus einem klassischen Arbeiterhaushalt. Ich war in der Jungschar und bei den Ministranten. Geprägt wurde ich auch durch viele gute Freunde und starke Gemeinschaften. Der frühere Gmünder Dekan Friedl war in meiner Gemeinde Liebfrauen in Eislingen Oberministrant. Ich war in Sportvereinen, war Mitglied einer Band. Als wir Autogrammkarten drucken ließen, bedeutete das das Ende der Band. Als Discjockey war ich oft sonntags in Gemeindehäusern unterwegs. Mein Spitzname damals: „Sir Klaus“.
Eine Erinnerung an Ihre Schulzeit.
Nach der
5. Klasse Volksschule sagten die Lehrer meinen Eltern, sie sollen mich in eine weiterführende Schule schicken. Das Gymnasium war keine Möglichkeit, da es am Ort keines gab, deshalb Realschule in meiner Heimatstadt. Als Klassensprecher und Schulsprecher hatte ich wegen bestimmter Vorkommnisse einen Generalschlüssel. Die Schule hatte ein extra gebautes Toilettengebäude. Als wir sahen, dass der Hausmeister und Schüler darin waren, schloss ich ab; wegen Gewissensbisse kurze Zeit später wieder auf. In der Aula wurde ich vor Schülern „zur Minna“ gemacht. Und zu Hause ging’s weiter.
Ihr Glaube und Ihre Einstellung zu den Weltanschauungen?
Als Bürgermeister von Bad Boll (
1984 bis
1996) hatte ich einen exzellenten Kontakt zur dort ansässigen „Herrnhuter Brüdergemeine“. Ich war und bin beeindruckt von ihrer Einfachheit, von ihrer Anrede „Bruder/Schwester“. Seit dieser Zeit begleiten mich die jährlich neu gezogenen „Losungen“, heute zum Beispiel heißt die Losung „Ich will dich wieder gesund machen und deine Wunden heilen“. Und der Bibeltext „Suchet der Stadt Bestes“ ist Leitspruch meiner beruflichen Tätigkeit geworden. Geprägt haben mich auch andere Weltanschauungen Bad Bolls: die bedeutende Evangelische Akademie mit ihren namhaften Referenten, die starke anthroposophische Bewegung und die „grüne“ Bewegung, die in Boll eine starke politische Gruppierung stellte, lange vor Freiburg und Tübingen. Bad Boll als weltoffenes und tolerantes Gemeinwesen. Eine faszinierende Persönlichkeit ist für mich Franz von Assisi: Eine kleine Statue aus Mooreiche, wie sie groß im Eingangsbereich der Franziskus Grundschule steht, steht auch bei uns im Wohnzimmer.
Welchen Traum wollen Sie sich noch erfüllen?
Mit einem befreundeten Ehepaar später ein Weinlokal in Italien übernehmen, Gäste begrüßen und mit ihnen ein Glas Wein trinken. Arbeiten lassen wir dann andere. Sich richtig „lebendig“ fühlen, lachen, Freundschaften pflegen. Das kommt auch meiner Lebensphilosophie nahe: „Miteinander geht’s besser!“
„Was ist ein zufriedener Mensch?“
„Wollen Sie das Hemd eines zufriedenen Menschen? Ich schenke Ihnen meins“.
„Danke für das Angebot. Ich kann’s nicht annehmen. Ich würde die Knöpfe nicht zukriegen.“
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