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» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 25. März 2010

Renate Beigert wird die Stuttgarter Bahnhofsmission leiten /​Am Sonntag wird die Jugendreferentin verabschiedet

Sie wird nicht mehr sein wie sie war, die kirchliche Jugendarbeit im Gmünder Raum. Nach über 13 Jahren verabschiedet sich Renate Beigert am Freitag, um künftig die Stuttgarter Bahnhofsmission zu leiten. Am Sonntag wird ab 18 Uhr in der Johanniskirche und im Franziskaner „ihr“ Fest gefeiert.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Renate Beigert war Dekanatsjugendreferentin im Katholischen Jugendreferat Schwäbisch Gmünd. Die 37-​jährige Diplom-​Sozialpädagogin hat sich freilich um alle christlich engagierten jungen Leute verdient gemacht, als sie in der Johanniskirche die erste und wohl noch immer einzige ökumenische Jugendkirche der Diözese aufbaute: „Eine gute halbe Stunde“ nennt sich das Konzept, das mit neuen Gebetsformen experimentiert und nichts will, als Jugend für Gott zu begeistern. Mit ihrer Arbeiter in der Johanniskirche hat sie übrigens maßgeblich dazu beigetragen, dass die spätromanische Pfeilerbasilika wieder als das einzigartig strahlende Schmuckstück wahrgenommen wurde, das es nun mal ist – erinnert sei nur an die Aktion „Spuren aus Licht“, bei der 1500 Menschen Dank Livemusik, dem von Jugendlichen geknüpften und eingezogenen Gewebenetz und Stefan Knors Lichtinstallation die Augen aufgingen.
Unvergessen ist auch die „72 Stunden“-Aktion 2009, bei der Kinder und Jugendliche unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“ dafür sorgten, dass auch im Altkreis die Städte und Gemeinden ein bisschen lebenswerter wurden: In Bartholomä entstand ein Beachvolleyballfeld, in Lautern ein Zwergendörfle für den Kindergarten, die Michaelschorknaben haben dem Weltladen einen richtig guten Internetauftritt geschenkt, St. Anna freute sich über arbeitsintensive Bausteine für den Dachgarten, Wetzgau über neue Spielgeräte für den Kindergarten und das Jungvolk der Oderstraße 8 ließ sich gleich „72 gute Taten“ einfallen. All das ist nicht die schlechteste Möglichkeit, Spuren zu hinterlassen. Die nächste große Aktion im Herbst, eine Bilder– und Musikinstallation in der Johanniskirche zum Thema „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Gott“ mit Nick und Clemens Prokop ist in Arbeit.
Renate Beigert hat sich und die junge Kirche in Gmünd in unzähligen Aktionen und Veranstaltungen eingebracht, etwa als sie die Fahrt zum Weltjugendtag in Köln oder alle Jahre wieder die Sternwallfahrt nach Untermarchtal organisierte. Als sie, wie immer unterstützt von Verwaltungsmitarbeiterin Regine Lederer, Angebote für die Gmünder Mädchenwochen konzipierte oder Konzerte für „Musik in Gmünder Kneipen“ möglich machte. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben in all den Jahre war die Ausbildung und Vorbereitung angehender Gruppenleiter, die sie in Sachen „Recht“ ebenso schulte wie in der Persönlichkeitsbildung. Wenn sie freilich gefragt wird, was vor allem bleibt von ihrer Arbeit hier, nennt sie Begegnungen. Menschen, die sie wachsen und reifen sah. „Tolle, begabte junge Leute“ die sich weiterentwickelten und schließlich an ihrer Seite arbeiteten.
Natürlich lief nicht immer alles glatt. Drohten große Aktionen in letzter Sekunde zu scheitern: Aber wenn diese Jahre sie etwas gelehrt haben, dann Gelassenheit, „die Sicherheit, dass es klappen wird“. Diese in der Jugendarbeit erworbene Souveränität wird ihr in der – übrigens ebenfalls ökumenischen – Bahnhofsmission gute Dienste leisten. Ebenso das alte „Gmünder Netzwerk“; so wird sie sich auch in Zukunft über eine von Franziskusmessner Krzysztof Czapka organisierte Krippe freuen können, und neben der evangelischen VIJ ist auch die in Gmünd stark präsente „IN VIA“ Träger, jener katholische Frauenverband, der die allerersten Bahnhofsmissionen gründete, um „Landmädchen“ in der Stadt einen sicheren Hafen bieten zu können.
Vieles wird Renate Beigert mitnehmen können in ihre Arbeit mit Obdachlosen, Unglücklichen, Heimwehkranken, alleinreisenden Kindern, verwirrten Senioren, gestrandeten Migrantinnen. Ihr alter Schwerpunkt der Mädchen– und Frauenarbeit wird ihr zugute kommen, auch ihre Freundlichkeit, ihre Unvoreingenommenheit. Anderes wird neu sein, etwa das Erarbeiten von Dienstplänen für zehn Mitarbeiter und die Ehrenamtlichen — aber auch darauf freut sie sich.
Ihr Lebensmittelpunkt war und bleibt Gmünd. Wie sehr sie hier verwurzelt ist, wird sich am kommenden Sonntag zeigen: Seit Wochen und Monaten wird am Abschiedsprogramm gebastelt, das natürlich noch streng geheim ist. Um 18 Uhr ist ein Gottesdienst in der „Gmünder Jugendkirche“ geplant, also in der Johanniskirche, anschließend ein Abschiedsfest im Festsaal des Franziskaner.
 

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