Stadtverwaltung zeigt sich über Parkplatzmoral führender Stadträte an der Fuggerei gar nicht glücklich und stoppt Chip-Ausgabe
Einerseits Schmunzeln, andererseits auch Verärgerung in Gmünd: Ausgerechnet führende Stadträte, die dem Bürger gerne jeden Parkgebühren-Euro freudig aus der Tasche ziehen oder gegen den Individualverkehr wettern, sind in ein „Parkchip-Affärle“ verstrickt. Das davon überraschte Hauptamt im Rathaus hat als Konsequenz die Ausgabe von Parkmünzen an die „Pfennigfuchser“ im Rat vorerst eingestellt.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Sowohl Rathaus-Pressesprecher Markus Herrmann als auch der betroffene Pächter des Restaurants Fuggerei, Armin Wiedmann, bestätigen auf Anfrage die Vorgänge, die bereits Stadtgespräch geworden sind. Beide wollten zu Details aber nichts sagen. Auch wird eine Namensnennung der Parkplatzsünder vermieden. Wobei Rathaus-Sprecher Markus Herrmann nach hartnäckiger Nachfrage andeutete, dass nicht nur eine Partei ins „Parkchip-Affärle“ verwickelt ist, sondern führende Vertreter auch aus anderen Fraktionen in den Genuss von versehentlich ausgeteilten Parkmünzen gekommen sind. Darunter offenbar auch Kommunalpolitiker, die das kostenlose Samstagsparken und den Individualverkehr in Gmünd kritisieren. Es bewahrheitet sich in diesem Fall wohl das alte Sprichwort: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.
Der Hintergrund: Stadträte erhalten offenbar für Sitzungen und zusätzlich zu ihren Sitzungsgeldern Parkmünzen, mit denen sie bei Sitzungsterminen den großen Restaurant-Parkplatz an der Fuggerei nutzen dürfen. Diese Münzen berechtigen zur kostenlosen Ausfahrt, wenn die Schranke dort geschlossen ist. Diese öffnet sich automatisch nur bei der Einfahrt, um den Restaurantbesuchern Vorfahrt zu gewähren, die bei ihrem Besuch dann auch solche Chips erhalten. Seit gut einem Jahr ist Montag Ruhetag in der Fuggerei, so dass die Schranke an diesem Tag grundsätzlich oben bleibt. Montags treffen sich die Vertreter aller Fraktionen aber auch zur Ältestenratssitzung und anderen Terminen im Rathaus. Hauptamtsleiter — und ökologisch gesinnter Fahrradfahrer — Helmut Ott wusste vom offenen Fuggerei-Parkplatz am Montag offenbar nichts und verteilte vertrauensvoll weiter die Chips an die Stadträte, die gerne zugriffen. Das Dumme war jetzt aber, dass sich Fuggerei-Pächter Armin Wiedmann mit der Zeit verstärkt wunderte, warum „sein“ Parkplatz unter der Woche oder auch an den Wochenenden ziemlich zugeparkt war. Die Zahl der vielen Autos stimmte auch nicht mehr mit dem Umfang der Besucherzahl im Restaurant überein. Pfiffig und spontan, so wird berichtet, dann die Idee des Restaurant-Besitzers: Er blockierte einfach mal die Ausfahrt, um zu testen, wer sich dann beschwert. In die Fuggerei gestürmt kam ein ertappter Stadtrat. Peinlich: Vor Mitarbeitern und Gästen entwickelte sich ein heftig bis deftiges Wortgefecht.
Armin Wiedmann engagiert sich sehr für die Stadt und ihre Bürger
An das Tageslicht kam damit ein reger überparteilicher Umlauf von Rats-Chips, die nicht nur an Sitzungstagen, sondern schlicht auch zum privaten Stadtbummel genutzt wurden, weil die Parkgebühren in Gmünd offensichtlich auch den gewählten Bürgervertretern viel zu teuer erscheinen. Das Hauptamt hat das kostenlose Gemeinderatsparken nun vorerst gestoppt. Der Rathaus-Pressesprecher bringt zum Ausdruck, dass der Stadtverwaltung das Verhalten einiger Stadträte aus dem Ältestenrat unangenehm sei, weil man das Bemühen und die kooperative Einstellung von Fuggerei-Chef Armin Wiedmann ja kenne und das Engagement des Gastronomen sehr zu schätzen wisse. In der Tat ist der Umgang von Armin Wiedmann mit dem zentralen Restaurant-Parkplatz durch Entgegenkommen und soziales Verständnis gegenüber der gesamten Bevölkerung geprägt. Er trägt die volle Verkehrssicherungs– und Reinigungspflicht für das große Areal, was gerade jetzt im harten und langen Winter mit viel Personal– bzw. Kostenaufwand verbunden war. Dennoch lässt er die Schranken morgens immer offen, damit Eltern ihre Kinder gefahrlos an der Klösterleschule abliefern können.
Selbstverständlich ist für Armin Wiedmann auch, den Fuggerei-Platz am Mittwoch und Samstag auch für Wochenmarktbesucher (bis
11.
30 Uhr) gebührenfrei offenzuhalten. Besonders ältere Mitbürger, so erzählt er, seien sehr dankbar dafür und halten sich auch sehr diszipliniert an die festgelegten Zeiten der kostenlosen Parkplatzöffnung. Es seien ja auch nicht diejenigen, die mit schweren Körben und Kartoffelkisten unterwegs sind, die dann meckern, sondern andere Leute. „Sie glauben gar nicht, was ich und mein Personal von diesen anderen Parkplatznutzern manchmal an Beschimpfungen und Beschwerden zu hören bekomme“, beschreibt der Gastronom.
Zentrale Parkplätze für die Fuggerei sehr wichtig
Armin Wiedmann bittet um Verständnis für die in erster Linie private Nutzung der zentralen Stellplätze: „Wir brauchen diesen Parkplatz dringend. Da sind schon angemeldete auswärtige Gäste verärgert davongefahren, weil der Platz von Unberechtigten vollgestellt war. Ich bin doch Koch und kein Parkplatzwächter!“
Spitzengastronom Armin Wiedmann ist ein Glücksfall für die Stadt. Er ist Vorstandsmitglied in der „Remstaltoute“ und hat schon zahlreiche Events mit teils internationaler Ausstrahlung in die Fuggerei und nach Gmünd geholt.
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