Die fünfte Sonderausstellung im Heimatmuseum Waldstetten wendet sich der Produktion der Knopffabrik Vester zu
Vom Knopf merkt man meist erst dann etwas, wenn er ab ist. Dann sucht man ihn und schaut ihn näher an. Ansonsten übersieht man ihn. Einer Waldstetter Knopffabrik ergeht es kaum anders, sie produziert noch immer, meist aber unbemerkt. Das Waldstetter Heimatmuseum widmet den Knöpfen und der Fabrik nun eine Sonderausstellung.
WALDSTETTEN
(rw). Die Ausstellung „Das Besondere mit Flair — Knöpfe aus Waldstetten“ wird am Sonntag,
7. März, um
10.
30 Uhr im Heimatmuseum eröffnet. Heimatvereins-Vorsitzender Rainer Barth hofft, dass auch diese Schau auf große Resonanz stößt. In den zweieinhalb Jahren seines Bestehens lockte das Waldstetter Heimatmuseum bereits über
12000 Besucher an. Das liegt an der unkonventionellen und preisgekrönten Konzeption der Dauerausstellung ebenso wie an den Sonderausstellungen. Die bislang letzte zeigte Modeschmuck aus Böhmen auf der Ostalb — die Gablonzer Produktion, diese Ausstellung wurde um drei Monate verlängert.
Jetzt ist als fünfte eine weitere Waldstetter Spezialität an der Reihe, zu sehen für ein halbes Jahr, bis
19. September: die Knopfproduktion der Firma Vester, die seit
1942 in Waldstetten ansässig ist. Neben dem Wohnhaus der Firmeninhaber steht in der Rechbergstraße das Fabrikgebäude, der Kindergarten St. Barbara grenzt an. Das Ensemble ist reinstes schwäbisches Understatement. Nur ein kleines Schildchen aus Email weist auf die „G. Vester Knopffabrik“ hin, im Fenster befindet sich ein weiteres Schild mit den Öffnungszeiten. Man kann dort einkaufen — manche wissen es, viele nicht.
Karl Weber, der zusammen mit seiner Frau Ingrid, Adolf Regen und Grafiker Walter Wentenschuh diese Ausstellung organisiert hat, berichtet von einer Waldstetterin, die zum Kauf von Knöpfen öfters nach Stuttgart fuhr — dabei wohnte sie nur ein paar Schritte vom Knopf-Fundus der Fabrik entfernt, von dem sie nichts ahnte. Die Variantenfülle ist enorm. Ingrid Weber schätzt, dass es Tausende von verschiedenen Musterstücken gibt, säuberlich angebracht auf Kollektionstäfelchen. „Man kann unter Tausenden Knöpfen aussuchen“, sagt Weber.
Gustav Vester gründete seine Knopffabrik
1924 in Stuttgart, wo er sie mit
40 Mitarbeitern bis
1942 betrieb. Kriegsbedingt übersiedelte das Unternehmen — nur noch aus ein paar Maschinen und einem Knopfmachermeister bestehend —
1942 nach Waldstetten. Ausschlaggebend war die Nähe zum Großhändler der Firma, der in Rechberg ansässig war.
1953 wurde die Fabrik in Waldstetten fertiggestellt, Grundlage für ein mit dem Wirtschaftswunder aufblühendes Geschäft. Der Firmengründer stirbt jedoch nur wenige Monate später im Alter von
57 Jahren. Seine Frau Eugenie und Sohn Gustav jr. (
1929 —
1996) führen die Knopffabrik weiter, Gustav Vester heiratet
1957 die Direktrice Isolde Härtel. Ab
1960 besucht die Firma durch einen eigenen Vertreter Kunden auf Modemessen im In– und Ausland, besonders in Italien. Noch
1983 sind
35 Mitarbeiter bei Vester beschäftigt. Danach wird es stiller um die Firma: die Knopfproduktion wandert ab nach Asien — und der Beruf des Knopfmachers stirbt aus -, Reißverschluss und Klettbänder setzen sich durch, die Knopfproduktion wird automatisiert. Entlassen, erinnert sich Rainer Barth, damals Waldstetter Schultes, sei niemand worden — die Mitarbeiter schieden altershalber aus und wurden nicht ersetzt. Heute fertigen Isolde Vester (
78) und ihr Sohn Michael (
49) alleine die Knöpfe für einen treuen Kundenstamm und für Frauen, die selbst schneidern und besondere Knöpfe suchen.
Hergestellt werden die Knöpfe heute überwiegend aus Polyesterplatten oder –stangen, diese lassen sich auch einfärben, wo sie nicht schon vorgefärbt sind. Perlmutt wird nur noch selten verwendet — zu teuer, zu bruchanfällig, zu kompliziert zu bearbeiten.
Die Ausstellung zeigt an den Wänden und in Vitrinen Musterkollektionen von Knöpfen sowie Modeschmuck, den Vester ebenfalls fertigte, eine Priestersoutane und eine Zimmermannsjacke bilden einen kleinen kulturgeschichtlichen Exkurs: bis zu
33 Knöpfen gemäß dem Lebensalter Christi hatte die Soutane, die Zimmermannsjacke hat immer acht — so viele wie der Arbeitstag Stunden hat. Es kommt noch einiges dazu, wie eine Werkbank mit Maschinen und Fotografien. Aber das schaue man sich besser selbst an — es ist eine runde Sache daraus geworden, so rund wie ein Knopf.
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