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» Ostalbkreis | Mittwoch, 03. März 2010

Jubiläum zur 358. Patrizius-​Wallfahrt: 500 Jahre alt ist die Glocke, die im Kirchturm in Abtsgmünd-​Hohenstadt hängt

Am 21. März findet die 358. Patrizius-​Wallfahrt in ununterbrochener Reihenfolge statt. Dabei feiert die katholische Kirchengemeinde in Hohenstadt auch ein Glockenjubiläum. Von Wolfgang Fath

ABTSGMÜND-​HOHENSTADT. Die Geschichte der Wallfahrt in Hohenstadt beginnt mit dem 14. April 1652, als Maria Magdalena von Adelmann eigenhändig die Patriziusstatue, die bis dahin in einer Kapelle in Neubronn stand, nach Hohenstadt trug. Der Überlieferung nach wallfahrteten viele Gläubige schon seit dem letzten Viertel des 14. Jahrhunderts zur Kapelle nach Neubronn. Dies war jedoch den dort ansässigen Freiherren von Woellwarth nach deren Übertritt zum Protestantismus ein Dorn im Auge.
Nachdem, nach der Überbringung der Patriziusstatue, immer mehr Gläubige nach Hohenstadt wallfahrteten, erfolgte am 14. September 1707 die Grundsteinlegung zum Bau der heutigen Wallfahrtskirche, denn die alte Kirche war einfach zu klein geworden. Die Patrizius-​Wallfahrt mit Reitersegnung findet in jedem Jahr immer am Sonntag nach dem 17. März (Fest des Heiligen) statt.
Noch älter als die Patrizius-​Wallfahrt in Hohenstadt ist die große Glocke, die im Kirchturm hängt. Sie wird in diesem Jahr 500 Jahre alt. Die Hohenstädter nennen sie liebevoll „unsere Osanna“. Gegossen wurde sie im Jahre 1510 von dem Heilbronner Glockengießer und Ratsherrn Bernhart Lachaman, dem Älteren (Bernhard Lachmann heutige Schreibweise). Sie hat den Schlagton f’ und wiegt bei einem Durchmesser von 124 cm etwa 1200 Kilogramm. Heute schlägt sie täglich um elf Uhr (Elfeglocke). „Osanna heis ich in unser frauen ehr leut ich bernhart lachaman gos mich 1510“ steht in der Umschrift auf der Glocke zu lesen.
„Osanna“ ist die griechische Wiedergabe des hebräischen Wortes „ Hosianna“. Mit ihrem Läuten soll sie zur Messe und zu Jesus einladen. Die zweite Bedeutung „in unser frauen ehr“ gilt Maria der Mutter Jesu. Die „Osanna“ stammt noch aus der alten Kirche, die seit Mitte des 12. Jahrhunderts an dem Platz der heutigen Wallfahrtskirche stand. Bernhard Lachmann hatte um das Jahr 1510 mehrere Aufträge im heutigen östlichen und nördlichen Württemberg in seinen Auftragsbüchern stehen. Die Familie Lachaman betrieb in Heilbronn eine ortsfeste Gießhütte und hat die meisten der selbst in die entferntesten Orte gelieferten Glocken in Heilbronn gegossen. Damit ist auch die gleichbleibend hohe Qualität der Lachamanschen Glocken erklärbar.
Es wird aber auch vermutet, dass die Hohenstadter Glocke wegen ihrer Größe vor Ort in der Nähe der Kirche gegossen wurde. Leider gibt es darüber aber keine schriftlichen Hinweise mehr. Die Belieferung mit Rohstoffen für den Guss oblag Augsburger Händlern, die von Jakob Fugger abhängig waren. Dieser beherrschte damals den Markt mit seinen Kupfer– und Silberbergwerken in Tirol und Ungarn. Bernhart Lachaman war an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit der bedeutendste Glockengießer in ganz Süddeutschland. Nach über 500 Jahren sind heute noch annähend 130 Glocken von ihm aus den Jahren 1475 bis 1517 erhalten, weitere 60 Glocken sind nachweisbar. So goss er unter anderem auch Glocken für Unterkochen (1506), Abtsgmünd (1505 und 1508). Weitere Glocken hat er für Leinzell (1492), Eschach (1493) oder Adelmannsfelden (1496) gegossen.
Als am 14. April 1942 drei der insgesamt fünf Glocken aus der Gemeinde für die Kriegsproduktion zum Einschmelzen abgegeben werden mussten, blieb die „Osanna“ glücklicherweise in Hohenstadt, weil sie aufgrund ihrer historischen Bedeutung nicht für Rüstungszwecke beschlagnahmt wurde. Leider wurde die von Bernhart Lachaman dem Jüngern 1518 gegossene Frühmessglocke eingeschmolzen. Der Erlös des Patriziusfestes dient unter anderem dazu, die Renovierung der Eingangsfassade zu finanzieren. Über dem Portal hängt das Wappen der Familie Adelmann aus Wasseralfinger Guß mit der Jahreszahl 1710. Auch eine Jubiläumszahl, denn aus dieser Zeit vor 300 Jahren liegen Aufzeichnungen vor, denen zufolge das Portal und der Außenputz gestaltet worden sind.
 

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