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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 03. März 2010

Weiter Kampf für den Tunnelfilter — Konstrukteur Bernd Müller könnte sich privat-​öffentliche Partnerschaft vorstellen

Weiterhin gibt es intensive Bemühungen, um das umwelttechnologische Pilotprojekt Gmünder Tunnelfilter trotz des anhaltenden Schwarze-​Peter-​Spiels der Politik auf den Weg zu bringen. Mit einem Schlag könnte durch diese Technik das Feinstaub– und Abgasproblem zumindest in der Umweltzone Schwäbisch Gmünd weitgehend beseitigt werden.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Die Bürokratie rund um den sehr ernsten Themenbereich Feinstaub– und Stickoxid-​Belastung treibt derweil die buntesten Blüten. Immer mehr Städte im Land werden zu Umweltzonen erklärt, um Autofahrer in die Bäbberpflicht und auch zu Umrüstungen ihrer Auspuff– und Abgasanlagen zu zwingen. Vergessen wird hierbei oft, dass zwei Drittel des Feinstaubs im Straßenverkehr gar nicht aus den Motoren kommen, sondern aus mechanischen Abrieben wie Brems– und Reifenbeläge resultieren. Gutachten und Vergleichsergebnisse zeigen immer häufiger, dass die vor eineinhalb Jahren ausgewiesenen Umweltzonen so gut wie keine Wirkungen zeigen. In Stuttgart wurde im Aktionismus der Behörden noch einige Maßnahmen draufgesetzt. So wird die Fahrbahn am besonders belasteten Neckartor (B 14, auch Verlängerung unserer B 29) durch eine acetonhaltige Spezialflüssigkeit eingesprüht – in der Hoffnung, damit den Feinstaub zu binden. Dazu kommen seit Montag Verwirrung und Verärgerung im ganzen Remstal, weil für Stuttgart ein Lkw-​Durchfahrtsverbot, Tempobeschränkungen und komplizierte Schwerlast-​Umfahrungsstrecken verfügt wurden.
Bundestagsabgeordnete kämpfen weiterhin in Berlin
Währenddessen kämpfen Politiker aus Schwäbisch Gmünd und besonders Tüftler Dipl.-Ing. Bernd Müller für die Realisierung des machbaren Konzeptes, eine ganze Bundesstraßen-​Ortsdurchfahrt (40 000 Fahrzeuge pro Tag) mit einem Schlag nicht nur nur von Feinstaub, sondern auch von Abgasen zu befreien. Auch Experten des bislang eher skeptischen Regierungspräsidiums haben dem Konstruktionspatent attestiert, dass es funktionieren würde. Doch es dreht sich alles um offene Fragen der Finanzierung. Denn bei einem Pilotprojekt liegt es in der Natur der Sache, dass ein solches Erstlingswerk seinen Preis hat. Zwischen drei und fünf Millionen Euro belaufen sich die Schätzungen. In Stuttgart fühlt man sich nicht zuständig, weil erstens die Vorschriften der Tunnelentlüftung auf der Grundlage alter Bau– und Umweltgesetze erfüllt seien und es sich zweitens eh um einen Fernstraßenbau handle, für den das Verkehrsministerium in Berlin die Zuständigkeit und das erforderliche Geld verwalte. Dort wiederum vertraut man auf besagte Uralt-​Technik: Feinstaub und Abgase über einen möglichst hohen Kaminschacht und mittels eines extrem energieaufwendigen Gebläses zwecks bestmöglicher Verteilung in den Himmel pusten. In diesem Fall über die Gmünder Nordstadt und über etliche Gemeinden, die bislang mit den B-​29-​Abgasen nichts zu tun hatten. Im befürchteten Schadstoff-​Niederschlagsgebiet des Tunnelkamins auch: Der Erholungswald Taubental mit dem Naturatum, die Wallfahrtsstätte St. Salvator mit ihren gefährdeten Sandstein-​Kunstwerken (saurer Regen!), das christliche Freizeit– und Urlaubszentrum Schönblick, das Stauferklinikum sowie die empfindlichen Heilpflanzengärten der Weleda.
Den Feinstaub-​Widersinn dieser Uraltabluftmethode für den angeblich modernsten Straßentunnel Deutschlands beschreibt Bundestagsabgeordneter Norbert Barthle (CDU) mit dem Vergleich: So, als würde man daheim im Wohnzimmer den Staubsauger bedienen, den Dreck aber nicht in einem Beutel auffangen, sondern diesen ein Stockwerk höher in die Schlafzimmer blasen. Auch sein SPD–Kollege Christian Lange bemüht sich derzeit in Berlin um Lösungen. Seine jüngste Idee: Finanzierung des Tunnelfilters durch die Kommune, vielleicht auch durch Unternehmen/​Sponsoren.
Eine neue Variante für die Finanzierung des Pilotprojekts
Neues kann Konstrukteur Bernd Müller zu der Thematik berichten. Er und seine Umwelttechnik-​, Filterbau– und Filterkonstruktionsfirma Ecovac (bislang engagiert im Industriebereich) sind zwischenzeitlich von Aalen nach Schwäbisch Gmünd umgezogen. Er registriert lebhaftes Tunnelfilter-​Interesse aus vielen Metropolen, besonders in Asien. Ecovac zeigt nun laut Müller „unter bestimmten Voraussetzungen“ Interesse an einer privat-​öffentliche Partnerschaft für die Finanzierung des umwelttechnologischen Pilot– und internationalen Vorzeigeprojekts in Schwäbisch Gmünd. Zur Voraussetzung gehöre für ihn insbesondere, dass die Politik endlich kooperative Haltung und Interesse zeige. Trotz des persönlichen Bemühens von MdB Norbert Barthle, für das er außerordentlich dankbar sei, habe er beispielsweise im seitherigen Umgang mit Umweltministerin Tanja Gönner eher das Gefühl, nur als Bittsteller und Filterverkäufer und nicht als willkommener Problemlöser dazustehen. Dabei sei er doch mit einer Versuchsanlage im Stadttunnel von Fellbach und mit weiteren Aktionen bereits bis an die Grenze des Zumutbaren privat in finanzielle Vorleistung gegangen. Und ständig rüste er sein Patent nach Forderung der staatlichen Stellen nach. So habe er die „Hausaufgabe“ von Ministerin Gönner erfüllt, eine weitere Filterstufe für das Abscheiden auch der Stickoxide zu entwickeln. Auch die vom Regierungspräsidium geforderten, millionenteuren Brandtests einer Filteranlage im Salvatortunnel sind seiner Überzeugung nach nun überflüssig. Er und seine Mitarbeiter hätten nun einen „Bypass“ entwickelt: Sobald die Tunnelabluft in einem Brandfall die kritische Temperatur von 80 Grad erreiche, würde eine Klappe die Filteranlage abkapseln, um den Luftstrom direkt in den Kamin zu leiten.
Die ursprünglich vom Regierungspräsidium kalkulierten Investitionskosten von fünf Millionen Euro könnten dadurch auf drei Millionen gesenkt werden. Und er bleibe bei der auch gutachterlich bestätigten Kernaussage zur Frage der Wirtschaftlichkeit: Für die gefilterte Tunnelabluft könnte der Bau– und Energieeinsatz für Kamin und Gebläse so reduziert werden, dass die Mehrkosten für den Filter nach einigen Jahren amortisiert wären. Nicht nur Dipl.-Ing. Müller, sondern zwischenzeitlich auch die gesamte Bürger– und Raumschaft im Norden Gmünds verstehen nicht, warum die Ministerien und Behörden in Unbeweglichkeit verharren bzw. weiterhin auf Schilderwald und Bäbberpflicht vertrauen.
 

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