Fernsehteam des Südwestrundfunks drehte gestern in Lindach Dokumentation über den Widerstand gegen die Ethylen-Pipeline
Gestern war ein Aufnahmeteam des SWR–Fernsehens in Lindach, um mit den Bürgerinnen und Bürgern über ihre Befürchtungen in Sachen Ethylen– Pipeline zu sprechen. Von Dorothee Wörner
GMÜND-LINDACH.
360 Kilometer lang soll sie werden, die Ethylen-Pipeline, die das bayrische Zentrum der chemischen Industrie rund um Münchsmünster mit der BASF in Ludwigshafen verbindet. Ein Großteil der Strecke führt dabei durch Baden-Württemberg und dabei auch durch den Ostalbkreis. Einwohner der betroffenen Gemeinden darunter aus Iggingen, Lindach, Mutlangen, Alfdorf oder Pfahlbronn wehren sich dagegen und gründeten Bürgerinitiativen.
Rund
80 Mitglieder der Bürgerinitiative, Anwohner, Landwirte und Grundstücksbesitzer hatten sich am Lindacher Wasserturm eingefunden, um ihre Befürchtungen einer breiten Öffentlichkeit vorzutragen. Die Bürgerinitiative wurde sachkundig vertreten von Diplomchemiker
Dr. Franz Simon, der ebenfalls in Lindach wohnhaft ist, von
Dr. Thomas Hertel, Norbert Müller und Hans Weingart. Von der Stadtverwaltung war Gerhard Hackner anwesend, wie auch Ortsvorsteher Hans-Peter Funk und Stadtrat Thomas Hilsberg (FDP/FW).
Die Mitglieder der Lindacher Bürgerinitiative haben sich umfassend über das Vorhaben informiert und halten mit vehementer Kritik nicht zurück. Sie haben ernsthafte Sicherheitsbedenken, wenn auf der Trasse, auf der bisher schon eine Nato-Versorgungsleitung für Benzin und eine Rohölleitung liegt, nun noch eine Ethylen-Pipeline verlegt werden soll. Die nächste Wohnbebauung ist ca.
70 Meter entfernt. „In anderen Ländern gelten ganz andere Abstandsbestimmungen“, erklärt Norbert Müller und berichtet, dass die Bürgerinitiative die Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt um die Klärung der Zulässigkeit des vorgesehenen Abstands nach
EU–Recht gebeten habe.
Dr. Thomas Hertel meint, der Genehmigung durch das Regierungspräsidium liege ein TÜV-Bericht zugrunde, dem aktuelle Gutachten mit neueren Erkenntnissen entgegenstehen, die nach einer Nachjustierung verlangen.
Dr. Franz Simon spricht sogar von „haarsträubenden Behauptungen“ die dieses TÜV-Gutachten enthalte. Sollte diese Leitung Leck schlagen trete der unter
100 bar Druck stehende Leitungsinhalt mit hoher Wucht aus, verbinde sich mit Sauerstoff und sinke als hochexplosives Gas auf die Erde zurück, wobei ein kleiner Funke schon ausreichen könnte um eine Fläche von
100 Hektar vollständig zu zerstören. Die Streckenabsperrstationen, die aus Sicherheitsgründen in Abständen von
16 Kilometern eingerichtet werden, reichen seiner Meinung nach nicht aus, um dieses Szenario zu verhindern. Er spricht sich für eine völlig andere Trassenführung aus, denn der Freistaat Bayern, der schließlich seine eigene chemische Industrie stützt, sollte die Trasse durch weniger dicht besiedelte Gebiete über sein Hoheitsgebiet führen. Es sei zu Lasten von Baden-Württemberg einfach der bequemere Weg gewählt worden. Gerhard Hackner von der Stadtverwaltung Gmünd erzählt von den Beratungen und den Bemühungen, die Planfeststellung abzuändern. Er spricht sich für eine Verlegung aus, weg von der Wohnbebauung, mit ausreichendem Sicherheitsabstand in Richtung Tallage.
Die Sendung „Zur Sache Baden-Württemberg“ berichtet voraussichtlich am Donnerstag,
8. April, ab
20.
15 Uhr im
SWR Fernsehen über die massive Kritik.
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