Demonstrative Spendenaktion für das Pilotprojekt Tunnelfilter angeregt — Initiative hat schon fast 4000 Unterstützer
Erstaunte bis verärgerte Reaktionen unserer Leser gibt es im Hinblick auf das Beharren der Behörden auf Uralt-Festlegungen für die zukünftige Entlüftung des 2,2 Kilometer langen B-29-Tunnels. Dies auch aktuell vor dem Hintergrund des jüngsten „Feinstaub-Durcheinanders“ in Stuttgart.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Wir haben gestern ausführlich über die Problematik berichtet. Von der jüngsten Verschärfung der Feinstaub-Verordnung in der Landeshauptstadt sind auch viele Firmen und Berufskraftfahrer im Gmünder Raum sowie die gesamte Raumschaft im mittleren und unteren Remstal betroffen. Ein Lkw-Fahrer kommentierte das am Montag in Kraft getretene Stuttgarter Durchfahrverbot für Lkw mit deutlichen Worten: Das sei ja in der ökonomischen und auch ökologischen Bilanz der allergrößte Unsinn, wenn nun der Schwerlastverkehr nicht mehr geradlinig über die B
14 rollen könne, sondern sich über Umfahrungsstrecken rund um die Landeshauptstadt quälen müsse. Nach anfänglichen Versuchen, hat die kontrollierende Polizei dort zunächst das Handtuch geworfen. Den Behörden war es nicht gelungen, rechtzeitig eine klare Beschilderung für das Lkw-Verbot anzubringen. Diese Durchfahreinschränkung soll mithelfen, die weiterhin extreme Feinstaubbelastung in der Umweltzone Stuttgart und entlang der B
14 zu senken. Währenddessen wächst in der Umweltzone Schwäbisch Gmünd die Verärgerung der Bürgerschaft über die bisher offensichtlich völlig unbewegliche Haltung der Umwelt– und Verkehrspolitik zur Frage der Finanzierung eines Feinstaub– und Abgasfilters für die zukünftige Tunnelentlüftung am Lindenfirst. Stuttgart verweist auf die Zuständigkeit der Ministerien in Berlin. Dort wiederum deutete man bislang auf die rund
30 Jahre alten Festlegungen der Gmünder Tunnelplanung, wonach ein kräftiges und geballtes Abblasen der Schadstoffe verdünnt mit möglichst viel anderer Luft völlig ausreichend und ungefährlich sei.
Siegfried Krebs, pensionierter Amtsleiter der Stadtverwaltung und Bewohner der hauptbetroffenen Rehnenhofsiedlung, wandte sich gestern mit einer außergewöhnlichen Idee an die Rems-Zeitung, um die Umweltpolitik des Landes und des Bundes endlich wachzurütteln. Demonstrativ sollten die Bürger die Sache selbst in die Hand nehmen, um ein Zeichen zu setzen. Konkret: Aufruf zu Spenden und Suche nach Sponsoren aus der Gmünder Wirtschaft, um für eine Anschubfinanzierung des Pilotprojekts Tunnelfilter zu sorgen. Rathaus-Pressesprecher Markus Hermann unterstrich gestern gleichfalls die kommunale Überzeugung, dass es sich beim Tunnelfilter zwischenzeitlich auch um eine zentrale Standortfrage für die lokale Wirtschaft, aber auch für Zukunftstechnologien aus Baden-Württemberg handle. Aufgrund der angespannten Gmünder Haushaltssituation und der Zuständigkeiten könne nicht mit einer städtischen Finanzierung des Projekts gerechnet werden. Doch Oberbürgermeister Richard Arnold (derzeit noch im Urlaub) sei bereit, zu moderieren und das Thema auch mit neuen Finanzierungsideen vorwärts zu bringen.
Wer das Zukunfts– und Technologieprojekt Gmünder Tunnelfilter unterstützen will, hat auch im Internet unter initiative-tunnelfilter.de Gelegenheit dazu. Die interkommunale Bürgerinitiative hat schon fast
4000 Namen und Institutionen von Befürwortern gesammelt.
Kommentare
Neuen Kommentar hinzufügenEs ist ist unverantwortlich, die Bevölkerung für dumm zu verkaufen und den Eindruck zu vermitteln, daß in einer Umweltzone nur noch saubere Luft geatmet werden kann. Was mich hier mehr entsetzt, ist der Umstand, dass die Durchschnittsbevölkerung tatsächlich glaubt, es werde besser, wenn die "Stinker" draussen bleiben Einer solchen Bevölkerung kann man anscheinend jeden Mist als Wohltat verkaufen. Was es der Politik doch sehr einfach macht.
Die bundesweit verbreiteten Umweltzonen sind ein gigantisches Konjunkturprogramm für Baden-Württemberg, denn hier sitzen die meisten Filter- und Autohersteller. Dies ist wohl ein Grund, warum das Umweltministerium trotz besseren Wissens an dieser unsinnigen Regelung festhält ! An den Hauptverursacher, die Industrie, traut man sich wohl nicht ran.