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» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 04. März 2010

Magersucht und Bulimie — Themen eines Theaterstücks an der Kaufmännischen Schule

Der „Weimarer Kultur-​Express“ war letzten Donnerstag mit dem Stück „Hunger?! Der Killer in mir.“ zu Gast an der Kaufmännischen Schule in Schwäbisch Gmünd.

SCHWÄBISCH GMÜND (kau). Die Schulleiterin der Kaufmännischen Schule, Oberstudiendirektorin Gisela Stephan, verdeutlichte in einer kurzen Ansprache die Brisanz dieses Themas: 50 Prozent aller Magersüchtigen sterben und bei einem Fünftel aller 11– bis 17-​jährigen Mädchen in Deutschland besteht der Verdacht auf eine Essstörung. Um so wichtiger sei es, Essstörungen – gerade auch durch Theateraufführungen – ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Mara und Nele sind 15 Jahre alt und die besten Freundinnen. Doch als Mara von ihrem Freund verlassen wird – wegen Lena, der „ganz Dünnen“– schließen die beiden Freundinnen eine folgenschwere Wette ab: Gewonnen hat, wer mehr abnimmt und immer dünner wird. Die beiden beginnen eine Diät, zählen jede Kalorie und wiegen sich täglich. Immer verbitterter wird der zerstörerische Wettstreit: Sie beginnen zu rauchen, benutzen Abführmittel und erbrechen das im Heißhunger Gegessene. Während Nele langsam eine Bulimie entwickelt, schlittert Mara langsam in die Magersucht. Im Verlauf dieser verzweifelten Konkurrenz zerbricht schließlich die Freundschaft. Nele schafft den Absprung in eine Therapie, in der sie lernt, zu akzeptieren, wie sie ist. Mara kämpft immer verbissener gegen sich selbst, isst schließlich gar nicht mehr und verliert am Ende des Stückes diesen Kampf. Den 170 Schülern der Kaufmännischen Schule wurde in diesem Stück über Essstörungen einiges zugemutet: So mussten sie den heftigen Trennungsschmerz Maras miterleben. Oder als die bulimiekranke Nele sich übergibt und alle per Tonband in Detail dies mit anhören. Vor allem aber, wie Mara mehr und mehr sich in vermeintlich idealen Vorstellungen vom eigenen Körper hoffnungslos verliert und am Ende stirbt. Erschreckend realistisch haben die beiden Akteurinnen das Stück auf die Bühne gebracht.
Ihr Spiel war differenziert, immer glaubhaft und nie übertrieben. Kein Wunder, dass am Ende des Stückes tiefe Betroffenheit herrschte. Nach der Aufführung beantworteten die Schauspielerinnen noch Fragen aus dem Publikum. Hatten die Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 1 des Wirtschaftsgymnasiums und der Wirtschaftsschule anfangs nur eine vage Vorstellung von Mager– und Ess-​Brech-​Sucht, so wurde ihnen jetzt – nach dem Spiel und dem Gespräch – anschaulich vor Augen geführt, wie Essstörungen entstehen können, welches immense Leid damit verbunden ist und welche Auswege möglich sind. Noch offene Fragen werden im Unterricht geklärt werden können.
 

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