Mitgliederversammlung des Fördervereins Regionales Bündnis für Arbeit in Aalen
Die weltweite Wirtschafts– und Finanzkrise hat sich auf der Ostalb nicht so gravierend ausgewirkt wie befürchtet. Dies hat der Chef der Aalener Bundesagentur für Arbeit, Hans-Joachim Gulde, gesagt. Er sprach bei der Mitgliederversammlung des Fördervereins Regionales Bündnis für Arbeit. Dabei wurde der Vorstand im Amt bestätigt
OSTALBKREIS (tu). Bei einer Arbeitslosenquote von
5,
8 Prozent im Januar sei die Situation im Ostalbkreis nicht allzu dramatisch, sagte Gulde bei der Zusammenkunft im evangelischen Gemeindezentrum in Wasseralfingen. Etwas besorgniserregend sei die Lage lediglich in Schwäbisch Gmünd, wo die Zahl der Erwerbslosen bei
6,
5 Prozent liege. Die Unternehmen hätten sich insgesamt vorbildlich verhalten, indem sie nicht in großem Umfang Personal entlassen hätten.
49 Millionen Euro Kurzarbeitergeld hätten im vergangenen Jahr Ostwürttemberg „richtig gut“ gesichert. Gulde sieht aber auch Probleme. So müsse dringend etwas für die weniger Qualifizierten getan werden, die zum Teil eine grundständige Umschulung bräuchten. Hier habe auch das Bündnis für Arbeit eine Riesenaufgabe. Im vergangenen Jahr, so Gulde weiter, sei es gelungen, über Qualifizierungsmaßnahmen
679 zusätzliche Facharbeiter zu gewinnen. Und genau die würden künftig gebraucht.
Unterstützt werden müsse auch das Handwerk, denn dort seien viel zu wenige junge Menschen in Ausbildung. Ein große Potenzial für den Arbeitsmarkt sieht Gulde angesichts der demografischen Entwicklung („die schlägt immer noch mit der großen Keule zu“) bei den Frauen. Über
700 seien allein erziehend und müssten qualifiziert werden. Ebenso müssten Jugendliche mit Migrationshintergrund besonders unterstützt werden. Hans-Joachim Gulde: „Hier sind wir auf dem richtigen Weg!“
Landrat Klaus Pavel schätzte die Perspektiven für die Ostalb als insgesamt nicht so schlecht ein, auch wenn die Lage in den einzelnen Betrieben sehr unterschiedlich sei. Es gelte, die Potenziale zu halten und auszubauen. Während der Kreischef angesichts der Tatsache, dass im Kreis
6500 Haushalte und damit
3500 Kinder von Hartz IV leben, nachdrücklich für die Schaffung eines zweiten Arbeitsmarkts plädierte, äußerte Gulde hier deutliche Zurückhaltung.
Die Vorsitzende des Bündnisses, die Wasseralfinger Pfarrerin Ursula Richter, verwies darauf, dass angesichts der Krise immer noch viele Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Angesichts der vom
FDP–Vorsitzenden Westerwelle ausgelösten Debatte über den Sozialstaat warnte sie davor, Hartz-IV-Empfänger gegen den Niedriglohnsektor auszuspielen. Dies diene der Sache nicht.
Erfreut äußerte sie sich darüber, dass das Projekt gegen Ausbildungsabbrüche von Jugendlichen, das das Bündnis seit diesem Jahr mit
10 000 Euro pro Jahr fordert, positiv aufgenommen worden sei. Es werde von allen Rektoren im Berufsschulzentrum in Aalen unterstützt und es gebe auch einen großen Bedarf.
Dies bestätigten Iris Schill und Tina Schaal vom Ausbildungsring Ostwürttemberg. Letztere ist seit Januar als Ausbildungsberaterin im Weidenfeld in Aalen tätig. Sie berät Jugendliche in der Berufsausbildung mit dem Ziel, dass sie ihre Lehre nicht abbrechen.
Außerdem unterstützt das Bündnis finanziell das Projekt Ausbildung in Teilzeit der Gmünder Arbeitslosen-Selbsthilfeorganisation
a.l.s.o., das Martien de Broekert vorstellte. Dabei geht es darum, die Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie zu ermöglichen für junge Frauen und Männer, die Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige haben. Das Interesse ist nach ihren Worten groß, bislang allerdings nur bei jungen Frauen, wie Martien de Broekert sagt. Seit diesem Jahr gebe es eine Beratungsstelle in Aalen.
In Zusammenarbeit mit der Deutschen Angestellten Akademie (DAA) in Aalen beginne im April eine Ausbildung in Teilzeit für Pflegehelferinnen. Eine solche Teilzeitberufsausbildung erfülle nicht nur einen sozialen und gesellschaftspolitischen Auftrag, sondern erschließe den Unternehmen auch junge, motivierte und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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