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» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 04. März 2010

Stadtverwaltung und Stadtbrandmeister kündigen Feuerwehrbedarfsplan als Zukunftssicherung an

Das Feuerwehrwesen in Schwäbisch Gmünd wird voraussichtlich in den nächsten zwölf Monaten unter die Lupe eines externen Gutachters genommen. Nicht deshalb, weil es akute Probleme gibt. Sondern um Zukunftssicherung für den weitgehend ehrenamtlich getragenen Brand– und Katastrophenschutz in Gmünd zu betreiben.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Der zuständige Dezernent Dr. Joachim Bläse, Ordnungsamtsleiter Gerhard Friedel und Stadtbrandmeister Bernd Straile stellten das Vorhaben gestern erstmals der Öffentlichkeit vor. Das Gutachterprojekt sei schon länger im Gespräch gewesen, beschrieb Bläse. Doch es sei ein ausdrücklicher und sinnvoller Wunsch von Ehrenstadtbrandmeister Manfred Haag gewesen, diese Sache seinem Nachfolger Bernd Straile anzuvertrauen, der nun seit Mitte letzten Jahres die Gmünder Feuerwehr mit all ihren Anforderungen und Strukturen kennengelernt habe.
Unumwunden erklärte Bürgermeister Bläse aber auch, dass es einen gewissen Zwang zu dieser Maßnahme gebe: Das Land verlange als Zuschussgeber für Fahrzeugbeschaffungen und Feuerwehrhausbauten zukünftig eine solche Bestands– und Bedarfsanalyse, um beispielsweise Doppelbeschaffungen in unmittelbarer Nachbarschaft zu vermeiden. Das Geld werde knapper, die Geräte teurer. Ein wichtiger Punkt einer solchen Untersuchung ist auch die Frage, ob überhaupt der Ausbildungs– und Personalstand sichergestellt werden kann, um die entsprechenden Fahrzeuge zu besetzen.
Alle machten beim gestrigen Pressegespräch deutlich, dass das Feuerwehrwesen in Gmünd gegenwärtig optimal funktioniere. Es handle sich bei dieser Durchleuchtung, die etwa 50 000 Euro kosten werde, vielmehr um einen wichtigen Teil des Bemühens der Stadtverwaltung, das Brandschutz– und Katastrophenschutzwesen auch in der Zukunft auf diesem guten Stand zu halten, ja vielleicht sogar weiter zu verbessern. Bläse: „Wir wollen nicht nach dem Prinzip Zufall planen, sondern uns lieber jetzt ohne Not Gedanken über die Zukunft zu machen als später wenn’s brennt den Vorwurf hören, wir hätten versäumt, die Weichen zu stellen.“ Es gehe auch um die Frage der Zumutbarkeit fürs Ehrenamt und für die betroffenen Betriebe, denn es gebe extreme Tage, da werden die Freiwilligen gar zu vier, fünf Einsätzen gerufen. Die Stadtverwaltung sei den Arbeitgebern der Feuerwehrleute für dieses Verständnis dankbar. Ordnungsamtsleiter Gerhard Friedel würdigte dies gleichfalls: Die Stadtverwaltung gehe auch mit gutem Beispiel voran und bevorzuge bei Neueinstellungen gerne Angehörige der Feuerwehr, weil es sich erfahrungsgemäß auch um sehr engagierte und zuverlässige Persönlichkeiten handle.
Stadtbrandmeister Bernd Straile zeigte sich froh über die bevorstehende Begutachtung. „Das ist überhaupt nix Schlimmes, sondern diene der Qualitätssicherung. Zudem tauchen da immer interessante Lösungen auf.“ Die Historie sei die, dass vormals wenn gerade mal etwas in Dörfern oder Städten passiert war, eine einzelne Feuerwehr gegründet wurde. Später habe sich dann das System der Stützpunktfeuerwehren in Städten entwickelt, um im Umland zu helfen. Doch heutzutage gebe es völlig andere Qualitäten in den Anforderungen für Gerät und Personal. Dazu klar vorgeschriebene Parameter: Innerhalb von zehn Minuten muss eine neunköpfige Löschgruppe vor Ort sein, um Menschenleben oder Sachwerte zu retten. Spätestens nach weiteren zehn Minuten muss eine zweite Löschgruppe unterstützen und absichern können. Innerhalb von 15 Minuten muss auch eine Drehleiter am Einsatzort stehen. Die Gmünder Feuerwehr liege meist weit innerhalb dieser Hilfsfristen. „Wir sind eine große Feuerwehr, die dezentral aufgestellt ist“, betont Bernd Straile.
Und dieses System der Stadtteilfeuerwehren mit gegenseitigen Unterstützungsmöglichkeiten aus der Innenstadt beziehungsweise für die Innenstadt habe sich auch bestens bewährt, wurde gestern wiederholt zum Ausdruck gebracht. Durchaus denkbar, dass sich an den Gmünder Randbereichen zukünftig eine zusätzliche interkommunale Zusammenarbeit ergeben könnte.
Die Ausschreibung für den Gutachterauftrag soll gleich nach der Haushaltsentscheidung formuliert werden. Das Verfahren wird dann wohl bis ins neue Jahr hineinreichen, weil die externen Experten einen längeren Zeitraum benötigen, um Einsatzzeiten und personelle Verfügbarkeiten in den einzelnen Abteilungen genau zu beobachten, zu messen und zu analysieren. Besonders auch die Unterbringung der zentralen Einrichtungen im Gmünder Florian werden bewertet: Standort, Platzbedarf für Werkstätte und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten. Wichtiger Punkt auch: Wie sollen es die ehrenamtlichen Angehörigen besonders der Innenstadtabteilung auch zukünftig noch schaffen, den Großteil der Einsätze und Aufgaben zu tragen?

Die Freiwillige Feuerwehr Schwäbisch Gmünd wurde vor 179 Jahren gegründet und ist damit wohl die älteste in Deutschland (Historiker streiten sich allerdings). In 13 Abteilungen opfern insgesamt 432 Männer und zunehmend auch Frauen für Einsätze, Übungen und Ausbildungen viel Freizeit, um für in Not geratene Mitbürger immer rechtzeitig parat zu stehen.
 

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