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» Schwäbisch Gmünd | Sonntag, 07. März 2010

Geschichte und Geschichten rund um den St. Salvator (3): Meisterwerk Ölbergszene

Als das schönste Kunstwerk der Wallfahrtsstätte St. Salvator gilt die große und ergreifende Ölbergszene von Meister Caspar Vogt.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Nach der Testamentseröffnung, die 200 Gulden für das Herrichten der Wallfahrtsstätte aus dem Vermögen des Heinrich Pfeningmann erbrachte, ging es an den Höhlen auf dem Nepperberg Schlag auf Schlag. Denn ab 1917 meldeten sich auch weitere fromme Sponsoren, welche die Idee eines stadtnahen Kreuzwegs zu den Felsenkapellen unterstützten. Der beauftragte Bildhauer und Kirchenbaumeister Caspar Vogt muss dadurch enorm angespornt worden sein. Denn von Werk zu Werk steigerte sich sein Tun und seine Kreativität. Altäre und vor allem auch die figurenreichen Bildstöcke entstanden um 1620. Als schönstes Meisterwerk gilt die große Ölbergszene, die Caspar Vogt in schier unglaublicher Kunsthandwerkstechnik aus dem vorhandenen Sandsteinblock auf der Rückseite der heutigen Salvatorkirche herausgeformt hat. Dies nicht nur als Relief, sondern als dreidimensionale Darstellung. Kunstkennern stockt immer wieder der Atem, wenn sie diese Leistung bewundern. Caspar Vogt gestaltete damit jene ergreifende und dramatische Szene, als Jesus Christus im Garten Getsemani die letzte Stunde in Freiheit erlebte, ehe er von Judas verraten und von Soldaten verhaftet wurde, um dann all die Demütigungen, den Leidensweg und die Kreuzigung auf sich zu nehmen.
Caspar Vogt hat die Schlüsselszenen jener Nacht, die sich am Ölberg (bis heute ein Hain mit uralten Olivenbäumen) abspielten, wie in einem zu ewigem Stein geformten Schauspiel abgebildet. Es war die Stunde, als Jesus von Todesangst befallen wurde und im Gebet hoffte, dass sein Vater diesen Kelch an ihm vorübergehen lassen möge. Die Jünger, die ihn im Gebet begleiten sollten, waren jedoch erschöpft eingeschlafen. „Die Stunde ist gekommen; jetzt wird der Menschensohn den Sündern ausgeliefert“, hat Jesus dann nach Mathäus ausgerufen. Caspar Vogt hat die ängstliche und einsame Einkehr des Betenden zwischen seinen schlafenden Jüngern dargestellt. Links betreten gerade die bewaffneten Abgesandten von den Hohenpriestern den Garten, voran Verräter Judas. Er hatte als Zeichen für die Verhaftung, den berühmten Judaskuss angekündigt, mit dem er dann Jesus begrüßen und verraten sollte.
Ergreifende Schlüsselzenen mit viel Symbolik im Felsen verewigt
Ein weiteres berühmtes Bibelzitat und eine der wichtigsten christlichen Botschaften entwickelte sich exakt aus dieser Ölbergszene. Denn einer der Begleiter sprang nun Jesu mutig zur Seite, griff zum Schwert, um einem Soldaten ein Ohr abzuschlagen. Hierauf mahnte Jesus: „Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“
Wer genau hinschaut, der kann an Caspar Vogts Felsenkunstwerk eine Vielzahl von weiteren Botschaften entdecken. So eine kleine Schildkröte, die als Symbol für die Geldgier steht, denn Judas ließ sich für seinen Verrat belohnen. Engel versuchen Jesus zu ermutigen. Im Hintergrund hat der Bildhauer auch die Stadt Jerusalem dargestellt. Doch der Betrachter gewinnt den Eindruck, dass Caspar Vogt da ganz pfiffig und frech, vielleicht auch tiefsinnig eine Ansicht mit der Türmleslandschaft seiner Heimatstadt Gmünd eingebaut hat. Dieser Ölbergszene gilt die besondere Aufmerksamkeit des Denkmalamtes und des Freundeskreises Salvator. Denn zusehends sind die Sandsteinfiguren vom Zerfall bedroht. Eine Strategie wird nun erarbeitet, damit dieses einmalige Kunstwerk nachfolgenden Generationen bewahrt werden kann.

Hier die Spendenkonten der Rettungsaktion: Münsterbauverein Schwäbisch Gmünd – Verwendungszweck Salvator – Konto-​Nr. 614 500 50 bei der Kreissparkasse Ostalb sowie 613 901 40 bei der Volksbank Schwäbisch Gmünd.
 

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