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» Ostalbkreis | Montag, 08. März 2010

Ohne Fritzentaufe kommt man nicht raus: Besuch bei der Fritzengesellschaft, die nicht nur Friedriche und Friederiken aufnimmt

Nur als Zaungast wollte man beim 144. Treffen der Fritzengesellschaft in der Gaststätte „Fröschle“ in Holzhausen dabei sein. Doch ein würdevoller Herr in Frack und Zylinder stellte schnell klar, dass man die Gaststätte nicht verlassen könnte, ohne dass die Fritzentaufe vollzogen würde. Von Dorothee Wörner

ESCHACH-​HOLZHAUSEN. „Auf keinen Fall“ gibt man zur Antwort, schließlich heiße man ja nicht Fritz oder Friederike, weder im Vor– noch im Nachnamen. Doch der Herr wird energisch und meint, dass das keine Rolle spielt, dabei umspielt ein Schmunzeln seine Lippen, aus den Augen grüßt der Schalk und hinter den Ohren hat er es vermutlich faustdick. Bei einem Rundblick in der Gaststätte sieht man noch mehr vornehme Herren und auch ein paar Damen sind darunter, einige tragen Frack und Zylinder, andere sind salopp gekleidet, die meisten tragen einen Orden und man bekommt so eine ungefähre Ahnung in welch ehrenwerter Gesellschaft man sich an diesem Abend befindet.
Der vornehme Herr ist der Generalfritz, mit bürgerlichem Namen, Friedrich Sanwald. In unüberhörbarem Hohenloher Dialekt begrüßt er über sechzig anwesende Mitglieder und beginnt mit der Tagesordnung, die etwas über zwanzig Punkte umfasst. Im Jahr 1866 wurde die Fritzengesellschaft in Gaildorf gegründet und hat sich seit der Gründung im gesamten Limpurger Land und darüber hinaus verbreitet. Das Treffen findet immer an dem Samstag statt, der dem Namenstag Friedrichs folgt, dies ist der 3. März. Die Regeln nach denen der Jahrestag abzulaufen hat werden bestimmt von einer uralten Tradition. Dem Generalfritz zur Seite stehen der Adjudantenfritz und der Agentenfritz. Nach der Totenehrung und der Fritzenältestenehrung (geehrt wurde der Koboka-​Fritz, Kurt Leibrandt mit 82 Jahren) verlas der Adjudantenfritz, der das Amt des Schriftführers innehat, das Festeröffnungsgedicht, danach konnte der Agentenfritz (Kassier) von einem ausgeglichenen Haushalt der Gesellschaft berichten. Es gibt ein eigenes Liederbuch, daraus wurden bekannte Volkslieder gesunden, und wer würde nicht einstimmen wollen, wenn das gesamte Auditorium zu singen beginnt „Frieder, reich die Hand zum Bunde“.
„Frieder, reich mit die Hand zum Bunde“, heißt es im Lied
Die Generalität freute sich über die Zunahme der „getauften Fritzen“, denn die Fritzengesellschaft hat sich geöffnet, nicht nur Friederiche, Fritzen, Fridoline, Friedas, Friederiken und alle mit dem Nachnamen Fritz werden aufgenommen, sondern auch Nichtfritzen können sich umtaufen lassen. Die Namen werden aus den Berufen oder Hobbys der Aufgenommenen abgeleitet, der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, es gibt eine Samariterfriedel, einen Schwarzwurstfritz, einen Laborantenfritz, einen Bauern– oder Vollblutfritz. Die Führungsriege besteht zu hundert Prozent aus „echten Fritzen“, in der übrigen Gesellschaft sind es noch gut zwei Drittel. Her rühren dürfte die Bewegung von einer Invasion des Namens Friedrich als Taufname. Im 18. und 19. Jahrhundert handelte es sich in Deutschland um einen der beliebtesten Vornamen überhaupt, sicher auch in Anlehnung an die preußischen Könige. Im Vordergrund steht die Pflege der Geselligkeit und es ist sicher kein Zufall, dass sich Witz auf Fritz so trefflich reimt, der Adjudantenfritz sagte es folgendermaßen: „In der Fritzenseele sitzt der Humor sehr fein, aber Humor mit Esprit muss es sein“.
Seit geraumer Zeit ist der Eschacher Bäcker Fritz Hilbert Mitglied der Gesellschaft, er trägt den Namen Mitternachtsbrezenfritz, seine Ehefrau Luise wurde gemeinsam drei Damen als Weißbrot-​Frieda mit einem Orden ausgezeichnet. Immer drei Mitglieder in einem Jahr bekommen einen Orden, in diesem Jahr konnte der Generalfritz eine reine Frauenriege ehren. Einen besonderen Verdienstorden bekam Fritz Wohlfarth aus Göggingen, der sich besonders um die Mitgliederwerbung auf der Frickenhofer Höhe verdient gemacht hat. Ein Grußwort sprach der Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger, in Fritzen-​Kreisen der Landtagsfritz genannt. Er erinnerte an den Besuch der Gesellschaft im Landtag Baden-​Württemberg im vergangenen Jahr und versprach eine Reise zum Europäischen Parlament nach Strasburg zu organisieren. Da er noch bei einer weiteren Fritzengesellschaft Mitglied ist, verabschiedete er sich früh. Der Musikfritz Paule unterhielt mit Musik, bevor die Gesellschaft zur Fritzentaufe schritt. Als erster wurde Friedrich Gütlin von der Horner Mühle getauft. Zunächst wurde vom Zeltfritz auf einer alten „Säuwaage“ dessen Gewicht festgestellt und da der Taufschilling, die Einnahmequelle der Gesellschaft, nach dem Gewicht zu entrichten ist, stellte der Sanifriz einen schweren Fuß auf die Waage und der schlanke Fritz wog plötzlich 155 Kilogramm. Anschließend griffen der Schwarzwurstfritz und der Fischersfritz dem Ahnungslosen unter die Arme, hoben ihn an, schwenkten ihn und der Generalfritz vollzog den Taufakt mittels einer Klobürste und frischem Limpurger Quellwasser aus dem Eimer. Der Getaufte bekam ein paar Spritzer ab im Gesicht und am Gesäß und darf sich nun Müllersfritz nennen. Die Prozedur wurde mehrmals wiederholt, getauft wurden der Allroundfritz, die Abwrackfriedel und weitere Neumitglieder.
Innerlich läuteten nun die Alarmglocken, rasch schnappte man die Jacke und wollte sich Richtung Ausgang bewegen. Doch der Schwarzwurstfritz und der Fischersfritz waren schneller. „Du brauchsch gar nix mache, bloß mitkomme“, meinten sie und schon stand man auf der Waage, mit frustrierendem Ergebnis, denn es wurden 110 Kilogramm gewogen, und eh man sich versah ging es los mit der Schwenkerei.
Die Haare zerzaust, die Brille beschlagen, am Hinterteil ein feuchtes Gefühl und der Generalfritz verkündete, dass man nun als Remsfriedel neues Mitglied der Fritzengesellschaft und zu allen Veranstaltungen der Gesellschaft herzlichst eingeladen sei.
 

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