Am Ostersonntag ist im Heimatmuseum in Gschwend-Horlachen die neue Sonderausstellung geöffnet
Der Kindheit auf dem Dorf vor 1960 ist die brandneue Ausstellung im Heimatmuseum in Gschwend– Horlachen gewidmet. Dabei hat die Jahreszahl 1960 eine besondere Bedeutung. Sie markiert eine massive Veränderung in der ländlichen Kultur– und Lebenswelt.
GSCHWEND
(pm). Die Übernahme der allgemeinen, städtisch geprägten Einstellungen und Lebensweisen hielt Einzug auf dem Dorf. Das hatte auch Auswirkungen auf die frühesten Abschnitte des Kindseins: auf Geburt und Taufe.
Hausgeburten waren davor die Regel, die dörfliche Hebamme war eine wichtige und anerkannte Persönlichkeit im Dorf. Sie half nicht nur dabei, die Kinder auf die Welt zu bringen, sondern sie auch bei der Taufe vor den Taufstein zu tragen. Blättert man in den Kirchenbüchern einige Jahrhunderte zurück, so findet man manch interessante Begebenheit zur Wahl der Hebamme, zu Nottaufen und obrigkeitlichen Einmischungen. An die Gschwender Hebamme Fridel Ockert erinnern unter anderem ihr Hebammenkoffer und einige Photos. Bräuche um Geburt und Taufe hatten im ländlichen Raum noch lange eine große Bedeutung. Die Taufe sollte möglichst am Sonntag nach der Geburt stattfinden. Das Aussuchen der Taufpaten, das Gevatter– Bitten, war für das Wohl des Kindes und das Ansehen der Tauffamilie wichtig. Im Gschwender Raum, so zeigt diese jüngste Ausstellung in vielen schönen Details, war das Taufkissen, verziert mit dem Brautschleier der Mutter, bis in die
1960er Jahre üblich. Einige schöne Exemplare sind in der Ausstellung zu sehen. Auch Taufkleider der verschiedensten Art können die Besucher bewundern, das älteste ist ein Puppenkleid mit der dazugehörigen Puppe von
1910. Interessant ist ein violettes Taufkleid, das eine Unterroter Hebamme aus ihrem Brautschleier nähte und an die Familien auslieh. Bei diesem Kleid ist nicht überliefert, wie viele Kinder darin getauft wurden, wohl aber bei einem wunderschönen Taufkleid von
1964, bei dem auf der Schleife die Namen aller darin getauften Kinder gestickt sind. Jürgen Patzelt fotografierte die Taufsteine und Taufgeräte aus allen Kirchen der Gemeinde Gschwend. Auch diese Bilder sind zu sehen.
Wer sich an alte Zeiten erinnern lassen will, ist dazu am Ostersonntag, den
7. April herzlich eingeladen. Das Museum ist von
14 –
17 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung zur Taufe ist bis zum Oktober
2010 zu sehen. Bei der Trachtengruppe gibt es im Museumscafé wie immer, hervorragende Kuchen zum Kaffee.
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