Unterjura-Ausstellung des Gmünder Naturkundevereins im Jahr des 120-jährigen Bestehens in Böbingen eröffnet
Zweimal sind sie in Böbingen gestrandet, diese Seelilien. Einmal, als sie vor vielen Jahrmillionen auf einem Stück Holz antrieben, jetzt nach einem Lkw-Transport, um hier ausgestellt zu werden. „Die Gemeinde kann wirklich stolz sein auf diesen Fund“, war gestern bei der Vernissage zu hören.
BÖBINGEN
(bt). Die Liste der Ehrengäste war vom Feinsten. Bei dieser zum
120-jährigen Bestehen des Gmünder Naturkundevereins organisierten Ausstellung im Bürgersaal waren neben Landrat Pavel und Bürgermeister Bläse – Gmünd hat Böbingen die Vitrinen geliehen – weitere Vertreter der Kommunalpolitik anwesend, natürlich der Naturkundeverein, die Hochschule für Gestaltung, die das ganze „vermarktet“, zudem Künstler, Lokalpatrioten und nicht wenige namhafte Wissenschaftler. Fossilienliebhaber Hans Hagdorn zum Beispiel, der sein eigenes Muschelkalkmuseum aufgebaut hat, Lokalkoryphäe Rudolf Schlegelmilch, Adolf Seilacher, renommierter Paläontologe, oder auch
Prof. Eugen Seibold, ebenfalls vielfach ausgezeichneter Meeresgeologe.
Bürgermeister Jürgen Stempfle freute sich als Gastgeber nicht nur über diese Ausstellung, sondern auch über das Rahmenprogramm mit Führungen, Vorträgen und nicht zuletzt mit einem großen Aktionstag für Kinder und Jugendliche.
Prof. Friedrich Bay, Vorsitzender des Naturkundevereins, erinnerte daran, dass die Mitglieder vor
120 Jahren in der Vermittlung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und in der Förderung des Naturverständnisses ihre vornehmste Aufgabe sahen – und dies seitdem durch Vorträge, Exkursionen, Veröffentlichungen und praktischen Naturschutz praktizieren. Bay stellte die Unicornis-Reihe des Vereins vor, die maßgeblich dazu beigetragen hat, dass das Wental als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden konnte; zudem sprach er über die einzelnen Arbeitsgemeinschaften, insbesondere die AG Geologie, deren Vorsitzender Werner Mayer gestern sein jüngstes Buch präsentierte, den Unicornisband
12: „Der Unterjura in der Umgebung von Schwäbisch Gmünd“ (die RZ wird berichten). In der dazu passenden Ausstellung sind selten schöne Fossilien zu sehen: Kopffüßer und Armfüßer, Muscheln, Schnecken, Schlangensterne, Saurierteile, Korallen und Fische aus dem Albvorland um Böbingen, vor allem aber die von der RZ mehrfach vorgestellten Seelilien.
Dr. Gunter Schweigert vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Stuttgart belegte im Festvortrag, dass der Unterjura in Süddeutschland nicht nur Dank der Saurierfunde so interessant ist. Zudem stellte er die Heimatforscher früherer Zeit vor, die die Geologie begründet und zu dem gemacht haben, was sie heute ist – etwas, das Werner K. Mayer für den Gmünder Raum gelungen ist.
1994, so erzählte Schweigert, habe er selbst als Volontär Mergel von den Böbinger Seelilien gekratzt, um der Platte vor dem Transport etwas von ihrem Gewicht zu nehmen: Es sei nur richtig, sie jetzt wieder in Böbingen zu zeigen. Generell erklärte er die erstaunliche neue Ausrichtung des Stuttgarter Museums unter seiner Leitung, von der der Gmünder Raum nun profitiert: „Es macht keinen Sinn, Fossilien nur in Magazinen zu horten“.
Noch keine Kommentare vorhanden.