Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 13. April 2010

Wichtige Umfrage mit Gewinnspiel — Doch viele Bürger sind über die naseweise Post vom Rathaus überrascht bis verwundert

4000 Gmünder werden seit wenigen Tagen von umfangreicher Post aus dem Rathaus überrascht. Beim ersten Augenschein erinnern sich viele an die umstrittene Volkszählung von 1987. Andere Bürger denken wiederum an ein kommerzielles Gewinnspiel, um geschickt an die Adressen von Kaufwilligen heranzukommen. Kritische Anfragen zum Sinn der Aktion erreichen unsere Redaktion.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Erst beim genauen Studium erkennt der Betrachter den seriösen Hintergrund der umfangreichen Befragungsaktion, der gestern auch vom Pressesprecher der Stadt, Markus Herrmann auf Nachfrage bestätigt und verdeutlicht wurde. Er gibt auch zu: Die Aktion sei ein wenig kurzfristig in die Wege geleitet worden. Bis gestern war auch keine öffentliche Ankündigung bekannt. Hintergrund des eiligen Fragebogenversands ist die Teilnahme Schwäbisch Gmünds am Wettbewerb „Energieeffiziente Stadt“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Dies wurde im Gemeinderat auch schon dahingehend besprochen, dass die Stadt prima Gewinnchancen habe, denn sie ist bereits in die zweite Wettbewerbsrunde gekommen und konkurriert nur noch mit 14 anderen Städten in Deutschland. Die Crux sei die, so erklärt Rathaus-​Pressesprecher, dass sich die Städte natürlich ungern in die jeweiligen Konzepte blicken lassen, mit denen sich die Kommunen bewerben. Somit sei das der Umfrage dahinterstehende Konzept mehr oder weniger geheim im Sinne des Willens, den Wettstreit der Ideen auch zu gewinnen. Verlockend schreibt OB Arnold im Begleitbrief, dass es um Fördergelder von bis zu fünf Millionen Euro gehe. Die Frage nach der konkreten Verwendung lässt er jedoch offen, weil — wie beschrieben– die Gmünder Bewerbung noch Verschlusssache ist. Es gehe natürlich auch um das Thema der Elektro-​Mobilität, deutet Herrmann zumindest an. Im Zusammenhang mit den Fragen in den beigelegten Bögen könnte nun der Eindruck entstehen, dass der Bürger von der Stadt vielleicht sogar einen Zuschuss für einen Neuwagenkauf oder für neue Fenster an seinem Altbau bekommt. Das sei zunächst nicht Sinn der Sache, erklärt das Rathaus. Vielmehr sei die Umfrage dazu gedacht, einen Überblick über die Energienutzung und die Mobilität der Haushalte in Schwäbisch Gmünd zu bekommen, um wiederum hierauf ein „zukunftsweisendes Gesamtkonzept für ein energieeffizientes Schwäbisch Gmünd zu bekommen.“ OB Arnold betont im Begleitschreiben, dass die Teilnahme an dieser Volksbefragung freiwillig und auch kostenlos sei. Die Bestimmungen des Datenschutzgesetzes seien strikt eingehalten, weil die Erhebungsbögen anonymisiert ausgewertet und die Daten nach Auswertung umgehend gelöscht werden.
Gleichzeitig handelt es sich aber auch um ein Preisausschreiben mit sehr attraktiven Gewinnen. Also müssen die Namen und Anschriften der Teilnehmer logischerweise doch ersichtlich bleiben. Pressesprecher Markus Herrmann verneint und erklärt hierzu den Trick, dass die Rücksendeumschläge verschlossen in die Lostrommel kommen und nur eine Identitätsnummer ins Spiel komme, die anschließend aufgeschlüsselt werde. Die persönlichen Angaben selbst werden dann als reines Datenmaterial von der Gesellschaft für Daten– und Informationsmanagement mbH ausgewertet und hernach sofort gelöscht. Es finde keinesfalls eine Weitergabe an interessierte Firmen oder gar Behörden statt. In den Bögen wird nicht nur nachgefragt, wie man seine Stuben lüftet, sondern auch, mit welchen Personen man im Haushalt zusammenlebt. Umfassend auch jener Teil, in dem der Bürger gebeten wird, ein exaktes Wegeprotokoll bzw. Bewegungsmuster auszufüllen. Sogar das Gassigehen mit dem Hund ist von Interesse, natürlich auch Sinn und Zweck von Fahrten mit dem Auto (Einkaufs– oder Spazierfahrt). Erfasst wird hierbei die Bedeutung des öffentlichen Personennahverkehrs und auch die Nutzung des Fahrrads. Nach Anzahl der Autos mit allen wichtigen Daten wie Kilometerstand wird gefragt und ob man denn daran denke, in den nächsten fünf Jahren ein neues Fahrzeug zu kaufen. Unterschreiben muss niemand, auch wenn am Ende des Bogens — wie bei einer Steuererklärung — Platz für die Signatur ist. Die Unterschrift ist hier freiwillig. Mit ihr erklärt sich der Bürger bereit, eventuell an einer Diskussionsrunde und erneut an einer Befragung zum Thema teilzunehmen. OB Arnold bittet alle 4000 angeschriebenen Bürger, die „20 Minuten“ für das Ausfüllen der Bögen zu investieren. Die Zeit drängt: Obwohl Arnold seinen Brief mit dem 30. März datiert hat, landen die dicken Umschläge jetzt erst in den Briefkästen – und müssen schon bis spätestens 16. April wieder im Rathaus sein.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen