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» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 16. April 2010

Gestern begannen die Abiturprüfungen, wie immer mit dem Fach Deutsch — 1600 Prüflinge im Ostalbkreis

Ganz klar: Turnhallen bestehen zu dem Zweck, Schüler auf Trab und ins Schwitzen zu bringen. Doch der Schauplatz der Leibesübungen wurde in vielen Fällen zur Arena der Gehirnakrobatik. Gestern begannen die schriftlichen Abiturprüfungen des Jahres 2010. Wie immer im Fach Deutsch.

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). 330 Minuten einschließlich der Einlesezeit wurde den Schülerinnen und Schülern zur Bearbeitung ihrer Themen zugebilligt, fünfeinhalb Stunden von 8 bis 13.30 Uhr. Kein Wunder, dass auf den Tischen Verpflegungsbatterien aufgebaut waren: Apfelsaft– und Sprudelflaschen, Müsliriegel, Obst, Mutterns liebevollstes Pausenbrot. Dazu die erlaubten Hilfsmittel: Unkommentierte Ausgaben der Pflichtlektüren, ausgenommen Lyrik, und Nachschlagewerke zur deutschen Rechtschreibung.
Für jeden Abiturienten ist die Prüfung ein einschneidendes Erlebnis. Doch es tritt massenhaft auf: 48 900 Schülerinnen und Schüler nehmen in Baden-​Württemberg an der Prüfung teil, 33 700 an den allgemeinbildenden Gymnasien, 15 200 an den beruflichen Gymnasien. Im Ostalbkreis sind 1017 an den allgemeinbildenden und 587 an den beruflichen Gymnasien.
Im Parler-​Gymnasium (zur Zeit 718 Schüler) saßen die 81 Abiturienten wie schon gewohnt in der Turnhalle. Auch am benachbarten Baldung-​Gymnasium (900 Schüler) findet die Reifeprüfung zwischen aufgestellten Matten und Filzbespannung statt, weil der Rest der Schule mittlerweile zur Baustelle umgewandelt wird. Hier treten 67 junge Erwachsene an. Im Scheffold-​Gymnasium (800) absolvieren die 81 Teilnehmer die Prüfung in den Klassenräumen. Die Sporthalle teilt man sich im Strümpfelbachschulzentrum mit der Stifter-​Realschule und der Waldorfschule, sie fürs Abi zu reservieren, wäre schwierig geworden. In einem ruhig gelegenen Klassenzimmer konnten sich die elf Prüflinge der Waldorfschule (385 Schüler) konzentrieren, im Landes-​Gymnasium für Hochbegabte (193 Schüler) hatten 43 Abiturienten die Aula für sich.
Baustelle auch rings um Rosenstein-​Gymnasium (800) in Heubach. Die 68 Prüflinge wurden auf drei größere Räume des Altbaus verteilt. Und in Lorch am Gymnasium Friedrich II. (700 Schüler) ist man beim siebten Abitursjahrgang angelangt, mit 63 zu Prüfenden.
280 junge Männer und Frauen absolvieren die Prüfung an den beruflichen Gymnasien Gmünds auf dem Hardt: 73 an der Agnes-​von-​Hohenstaufen-​Schule, 88 am Technischen Gymnasium, 122 am Wirtschaftsgymnasium. Am TG machen allerdings nur 52 die Deutsch-​Prüfung.
Die Deutsch-​Themen, die früher an den allgemein bildenden und beruflichen Gymnasien sich stark unterschieden, sind mittlerweile ziemlich angeglichen. Auch dieses Jahr gilt wieder das einprägsame Kürzel KSK, hier mal nicht in der Bedeutung von Kreissparkasse, sondern für Kafka, Schiller und Kleist stehend. Von fünf Themen war eines zu wählen.
Drei der Themen gab es an allen Gymnasien: die Interpretation einer Textstelle aus Kafkas Roman „Prozess“ unter Einbeziehung der sprachlichen und erzählerischen Gestaltung. Dabei sollte untersucht werden, wie die Auseinandersetzung mit der Justiz die Protagonisten Josef K. im „Prozess“ und Michael Kohlhaas in Kleists Novelle verändert. Nächstes Thema: Eine literarische Erörterung der Behauptung: „Gute Literatur zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie etwas Bleibendes, stets Gültiges besitzt: Ungeachtet ihrer Entstehungszeit hat sie für den Leser und seine Gegenwart Bedeutung.“ Eigene Leseerfahrungen durften eingebracht werden. Drittens: eine vergleichende Interpretation der Gedichte „Die Liebende“ von Rainer Maria Rilke und „Hingebung“ von Volker Braun.
Die allgemein bildenden Gymnasien boten ferner an eine gestaltende Interpretation zu Schillers Drama „Die Räuber“ und die Analyse eines Textes aus der Süddeutschen Zeitung. An den beruflichen Gymnasien konnte ebenfalls ein Text erörtert werden („Auf zu neuen Höhen“) oder aber ein Essay geschrieben werden auf der Grundlage eines vorgelegten Dossiers aus Texten und Schaubild. Titel: „Gegen den Strom schwimmen“.
Die nächsten Tage und Wochen schwimmen jedenfalls alle noch im selben Strom: heute ist das Mathematik-​Abitur an der Reihe, am Montag Englisch, am Dienstag Französisch, am Mittwoch die Profil– und Neigungsfächer aus den Natur– und Gesellschaftswissenschaften, Sport, Musik und Bildende Kunst. Am Donnerstag Latein und Großes Latinum, am Freitag, wo vorhanden, Altgriechisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch. Vier schriftliche und eine mündliche Prüfung samt Präsentationsteil sind abzulegen. Der mündliche Teil folgt Ende Juni. Dann ist genug geschwitzt.
 

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