Der Tunnelbau macht sogar mitten im Erholungswald Taubental ungewöhnliche Maßnahmen notwendig
Nicht erschrecken: Diese neue Asphaltpiste im Erholungswald Taubental und unterhalb der Rehnenhofsiedlung ist nur von kurzer Dauer. Letztendlich hilft sie sogar, größeren Flur– und Forstschaden zu vermeiden.
SCHWÄBISCH GMÜND
(hs). Der Straßenbau im Taubentalwald, der gerne von vielen Spaziergängern und Freizeitsportlern aufgesucht wird, steht im Zusammenhang mit dem Tunnelbau.
Wie bereits berichtet, haben am Lindenfirst und damit direkt über dem Mittelpunkt des etwa
120 tief im Berg liegenden Tunnels die Arbeiten für das zentrale Lüftungsbauwerk begonnen. Zunächst erfolgt von dort eine Tiefenbohrung, die in weiteren Schritten dann nach und nach aufgeweitet wird. Der mächtige Schacht wird im Endausbau einen Durchmesser von sieben Metern haben. Auf diesen Schacht setzen die Ingenieure und Betonbauer dann auch noch einen
33 Meter hohen Kamin, der knapp die dortigen Baumwipfel überragen, jedoch von der Stadt aus wohl kaum zu sehen sein wird. Im Kamin und innerhalb eines Betriebsgebäudes dort ist dann auch ein Gebläse installiert, welches die gesamte Tunnelabluft (laut Planfeststellung bis zu einer Million Kubikmeter pro Stunde) möglichst weit in höhere Luftschichten befördern soll, damit sich dort die Schadstoffe (Feinstaub und Abgase) in den Luftströmungen gefahrlos verteilen sollen. In den Berechnungen der teils schon
25 Jahre alten Planungen gehen die Experten davon aus, dass in der Umgebung so gut wie keine Mehrbelastungen der Atemluft und des Bodens feststellbar sein werden. Auch werde das Geräusch des Gebläses in der nahen Bebauung der Rehnenhofsiedlung kaum wahrnehmbar sein.
Bau des Abluftwerks bislang ohne die zwischenzeitlich technisch machbare Filteranlage
Dennoch kämpfen bekanntlich die beiden Gmünder Bundestagsabgeordneten, etliche Bürgermeister und Ortsvorsteher, besonders eine interkommunale Bürgerinitiative und Oberbürgermeister Richard Arnold bei den Gesetz– und Geldgebern in Berlin um eine neue Wahrnehmung in der Umweltpolitik. Schließlich wurde zwischenzeitlich u.a. der Talkessel von Gmünd aufgrund der enormen Schadstoffbelastung zur Umweltzone erklärt. Und für niemanden ist nachvollziehbar, warum die Partikel und gasförmigen Stoffe nicht – was heute technisch möglich ist — in der kompletten, zukünftig in der
2,
2 Kilometern langen Röhre komprimierten B-
29-Ortsdurchfahrt nicht gefiltert werden, sondern mit einem ziemlichen Energieaufwand im Norden Gmünds verteilt werden sollen. Während der Bürger brav seinen alten Wagen nachrüstet oder sich den „Feinstaub-Bäbber“ kauft, zieht sich der Staat, so bedauern die Kommunalpolitiker und auch Landrat Klaus Pavel, in Sachen Tunnelfilter bislang geschickt aus der Verantwortung.
Den Tunnelbauern vor Ort bleibt derweil nichts anderes übrig, als den Tunnel auf der Grundlage von derzeit noch gültigen Alt-Vorschriften für die Behandlung der Abluft weiterzubauen.
Viel Gerät und Material muss in den nächsten Monaten auf die Kaminschacht-Baustelle am Lindenfirst geschafft werden. Die Zufahrt hierfür erfolgt über den Rehnenhof, dann vom Wanderparkplatz Heidelbeerweg ein Stück hinab ins Taubental, über eine scharfe Kurve weiter bis zum Lindenfirst. Die kleine Zufahrt zwischen den Häusern nahe des Aussichtspunktes Lindenfirst wäre für Baufahrzeuge zu schmal gewesen. Folglich wurde der Waldweg ab Heidelbeerweg in den letzten Monaten massiv verbreitert und befestigt.
Die Abfahrtsrampe und die große Kehre erhielten nun in den letzten Tagen zudem einen starken Asphaltbelag. Dieser Komplettbau einer Straße mitten im Erholungswald erschreckt manchen Spaziergänger, doch würden in diesem Zufahrts– und Kurvenbereich ohne diese Befestigung die Achsen und Räder der schweren Baufahrzeuge durch die Drehbewegungen einen weitaus größeren Flurschaden anrichten.
Außerdem haben Bauleitung und die beteiligte Forstverwaltung angekündigt, dass diese Baustraße unmittelbar nach Fertigstellung des Abluftbauwerks am Lindenfirst zurückgebaut und auch die gesamte Trasse wieder der Natur überlassen wird, die erfahrungsgemäß wieder ganz schnell für den ursprünglichen Zustand sorgen wird.
Sicherheitshalber wurde die etwa
1000 Meter lange Zu– und Abfahrt der Baustelle auch beschildert: Die Fahrer werden im Erholungswald Taubental ermahnt, Tempo
30 nicht zu überschreiten.
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