Dr. Dieter Schulte an der Kaufmännischen Schule zum Thema Mauerfall und Wiedervereinigung
Im Hinblick auf die anstehende Berlinfahrt der Schülerinnen und Schüler der Eingangsklassen der Kaufmännischen Schule berichtete der ehemalige Bundestagsabgeordnete und Parlamentarische Staatssekretär für Verkehr Dr. Dieter Schulte als Zeitzeuge der vordersten Front über prägende Ereignisse der deutschen Geschichte – den Mauerfall und die Wiedervereinigung.
SCHWÄBISCH GMÜND
(pm). Der
20. Jahrestag des Mauerfalls im vergangenen Jahr weckte nicht nur bei dem einen oder anderen Schüler Interesse, sondern auch bei
Dr. Dieter Schulte, der aufgrund der unzulänglichen Schilderungen in der Berichterstattung über diese Ereignisse wieder in die Öffentlichkeit trat. Durch beeindruckende Zitate und persönliche Eindrücke brachte er den Schülern des Wirtschaftsgymnasiums diesen Meilenstein der deutschen Geschichte näher. Seine Botschaft, die Freiheit als Lebenschance zu sehen, fand hierbei große Resonanz.
Schon zu Beginn seines Vortrages machte er in Bezug auf seine Familie, seine Frau stammt aus der früheren DDR, deutlich, dass die Wiedervereinigung durchaus mehr als Politik ist. Nichtsdestotrotz widmete er sich zunächst dem zeitgeschichtlichen Geschehen. Sein Rückblick, der vom Nato-Doppelbeschluss über den
10-Punkte-Plan und die
4+
2 Verhandlungen bis zum allgegenwärtigen Europa reichte, befasste sich sowohl mit Schwierigkeiten des Einigungsprozesses als auch mit Persönlichkeiten wie Michail Gorbatschow und Helmut Kohl, die hinter dieser zukunftsträchtigen Entwicklung stehen. So hob der Referent hervor, dass Gorbatschow der DDR die Unterstützung bei etwaigen Unruhen entzog. Damit habe er der SED quasi die Existenzgarantie entzogen. Die Schüler erfuhren, dass diese Aussage Gorbatschows ihren Grund im finanziellen Desaster der damaligen Sowjetunion hatte; der Staatskapitalismus der sogenannten UdSSR verlor den Wettstreit gegen den freien Kapitalismus der westlichen Welt. Diese Einsicht Gorbatschows führte zu seinem Wunsch, die sozialistischen Staaten zu reorganisieren. Auf diesem Hintergrund erst wurde dann die deutsche Wiedervereinigung möglich.
Darüber hinaus stellte der
CDU–Politiker immer wieder den Bezug zur Heimat her, indem er über die Aufrüstung und Friedensbewegung in Mutlangen sprach. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass die in Mutlangen aufgestellten Pershing-Raketen als durchaus nicht unumstrittene Reaktion auf die Stationierung russischer Mittelstreckenraketen zu sehen waren. Diese russischen SS-
20 bedrohten ausschließlich westdeutsche Ziele. Deshalb beschloss die Mehrheit des Bundestages
1983 die Stationierung der Pershings in Mutlangen. Viele Menschen hatten angesichts dieser Konstellation Angst vor einer Eskalation der Gewalt. Der Wille der Politiker war es dagegen, die Sicherheit in Europa und auf der Welt durch die Herstellung des militärischen Gleichgewichts zu erhöhen.
Bei der Wiedervereinigung handelt es sich nach Ansicht von
Dr. Dieter Schulte um ein wahres Meisterstück der Diplomatie, dessen Gelingen wesentlich auf die Entschlossenheit und das politische Geschick Helmut Kohls zurückzuführen sei. In diesem Zusammenhang wurde den Schülerinnen und Schülern ihre Verantwortung für die Freiheit und Partnerschaft unter den Ländern bewusst. Außerdem wurden sie ermutigt, während der anstehenden Berlinfahrt diesen Teil der Geschichte vor Ort nachzuvollziehen.
Die Schulleiterin der Kaufmännischen Schule, Oberstudiendirektorin Gisela Stephan, hob nochmals die Bedeutung von Friede, Freiheit und Partnerschaft in der heutigen Zeit sowie im Schulalltag hervor und überreichte
Dr. Schulte als Dank für diese Einblicke ein Präsent, bevor der ehemalige Bundestagsabgeordnete in der abschließenden Gesprächsrunde alle Fragen der Zuhörer ausführlich beantwortete.
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