Rems-Zeitung - Täglich eine gute Zeitung

Anzeige

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 20. April 2010

Mercator-​Förderunterricht Integration durch Bildung gestern an der Mozartschule in Hussenhofen vorgestellt

Vermutlich gibt es kein besseres Vorbild als Fezayil Gazeloglu. Denn der junge Mann, der sich als PH-​Student in der Mozartschule um die Sprachförderung kümmert, hat nicht nur selbst einen Migrationshintergrund, sondern einst auch einen Hauptschulabschluss in der Tasche – auf dem er eine beeindruckende Bildungslaufbahn aufbaute. Von Manfred Laduch

SCHWÄBISCH GMÜND. Wer also könnte dem Nachwuchs besser klar machen, dass der Weg in eine Berufsausbildung nur über ordentliches Beherrschen der deutschen Sprache möglich ist. Darüber waren sich Rektor Alexander May, Konrektor Peter Betz, Erster Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, Schulamtsleiterin Karin Schüttler sowie Dr. Cornelia Zierau von der Pädagogischen Hochschule einig, als sie gestern den um vier Jahre verlängerten Mercator-​Förderunterricht „Integration durch Bildung“ an der Mozartschule vorstellten.
„Teilhabe ist nur über Sprache erreichbar“, machte Bürgermeister Bläse deutlich. Die Stadt sei mit ihrem neuen Konzept von Grund auf in das Thema eingestiegen. Und da man in den vergangenen Jahren mit dem von der Mercator-​Stiftung anfinanzierten Förderunterricht gute Erfahrungen gemacht habe, beteilige sich die Stadt mit insgesamt 30 000 Euro an dem Projekt.
Zumal Schwäbisch Gmünd sozusagen „Mercator-​Hauptstadt“ sei. An fünf Hauptschulen (Mozart-​, Staufer-​, Uhland-​, Friedens– und Rauchbeinschule) sowie der Schiller– und der Adalbert-​Stifter-​Realschule werde diese Sprachförderung angeboten.
An der Mozartschule wird die Maßnahme von vier Studierenden der Pädagogischen Hochschule durchgeführt, erklärte Rektor Alexander May. Bei zwei Gruppen aus den Klassen 5 und 6 stehen Sprachförderung und Hausaufgabenbetreuung im Vordergrund. Kinder der Klassen 8 und 9 werden parallel zum Unterricht sowie an zwei Nachmittagen bei Prüfungsvorbereitungen unterstützt. Das Wichtigste, so der Rektor, sei die Selbsterkenntnis bei den Schülern, dass sie Sprachförderung benötigten. Es habe ihn beeindruckt, dass nach ersten, im Lehrplan vorgesehenen Kontakten mit Betrieben eine ganze Klasse quasi geschlossen erklärt habe: „Das brauchen wir, sonst haben wir da draußen keine Chance.“
Vier Jahre Sicherheit für das
Projekt sind ein Segen
Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass es ein Segen sei, für vier Jahre Sicherheit über die Weiterführung des Projekts zu haben. Cornelia Zierau, Akademische Rätin an der PH, betreut diese Sprachförderung seit dem Beginn 2006. Sie ging auf die zusätzlichen Akzente ein, die mit Berufsförderung und Prüfungsvorbereitung den jungen Menschen den Übergang in den Beruf erleichtern sollen.
Förderlehrkräfte sind Studierende der PH Gmünd, die in regulären und zusätzlichen Lehrveranstaltungen für die Tätigkeit aus– und weitergebildet wurden. Etwa 30 Prozent der beteiligten angehenden Lehrer hätten selbst einen Migrationshintergrund, erklärt Fezayil Gazeloglu. Ein besonderer Schwerpunkt liege auf der Verzahnung von Fach– und Sprachunterricht. Es mache zum Beispiel keinen Sinn, wenn manche Jugendliche sehr gut rechnen könnten, aber die dazu notwendigen Textaufgaben nicht richtig vertünden, betonte Peter Betz.
Und dass die Jugendlichen Engagement in die Sache legten, sei schon daran zu erkennen, dass der gesamte Förderunterricht auf freiwilliger Basis am Nachmittag angeboten werde – und trotzdem hervorragend besucht sei.
 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Neuen Kommentar hinzufügen