Vortrag von Dr. Kleinhans beim Gmünder Geschichtsverein: Der Erste Weltkrieg im Film
Nicht erst die Gegenwart kennt „Medienkriege“: Dr.Bernd Kleinhans referierte am Montag beim Gmünder Geschichtsverein über die Bedeutung des Kinos im Ersten Weltkrieg. Dabei kamen auch Beispiele aus den Gmünder Kinos nicht zu kurz. Klaus J.Herrmann
SCHWÄBISCH GMÜND. Bereits im Ersten Weltkrieg (
1914 –
1918) spielten Massenmedien und Propaganda eine wichtige Rolle. Dieser gilt in der historischen Forschung als „Urkatastrophe“ des
20. Jahrhunderts. Er war ein Massenkrieg, mit bis dahin unvorstellbaren Zerstörung – gen und Verlusten an Menschen. Und der erste Weltkrieg war der erste totale Krieg, in dem das gesamte zivile Leben und Ökonomie auf die Bedürfnisse der Kriegsführung ausgerichtet wurde. Vor allem aber, so
Dr. Bernd Kleinhans, Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd, sei der Erste Weltkrieg ein Krieg der Medien’ gewesen. Neben der Presse war es das Kino, das die Bevölkerung mit Informationen und Bildern vom Krieg versorgte. In Schwäbisch Gmünd gab es damals zwei Kinos: Das Unions-Theater in der Kappelgasse und das »Gmünder Lichtspielhaus« beim Rathaus. Schon vor dem Ersten Weltkrieg zählten „Aktualitäten“ und „Wochenschauen“ zum festen Programm der Kinos. Die Zuschauer erfuhren so von politischen Ereignissen. Deutsche Wochenschauen übernahmen während des Krieges die Kriegsberichterstattung. Auch in Schwäbisch Gmünd gehörten Berichte von den Fronten zum regelmäßigen Programm der Kinos und viele Menschen, die sich ansonsten wenig für Filme interessierten, gingen nun wegen den Kriegsberichten ins Kino.
Allerdings war es unter den damaligen Bedingungen nicht leicht, Aufnahmen vom direkten Kriegsgeschehen zu zeigen: Nicht selten halfen sich die „Kriegsberichterstatter“ und drehten den Krieg auf einem Truppenübungsplatz nach.
Dennoch gewann der Film im Laufe des Krieges immer größere propagandistische Bedeutung. Die oberste Heeresleitung unter den Generalen Ludendorff und Hindenburg forcierte den aktiven Einsatz der Filmpropaganda. Dazu gründete man zunächst das „Bild– und Filmamt“ und
1917 wurde mit der „Ufa“ ein riesiger Filmkonzern geschaffen, der vor allem nationale Propaganda betreiben sollte. Jetzt brachte man nicht nur Wochenschauen, sondern auch immer mehr patriotische und militaristische Spielfilme ins Kino. Viele dieser Filme liefen auch in den Gmünder Kinos mit großem Erfolg.
Der Erste Weltkrieg ging für Deutschland bekanntlich dennoch verloren. Doch den
1.Weltkrieg wieder Heldentum und Militarismus verherrlicht. Selbst in der Gegenwart ist der Erste Weltkrieg noch Thema, wie
Dr. Kleinhans am Beispiel der beiden deutschen Filme „Der Rote Baron“ und „Merry Christmas“ aufzeigte. Mit der Realität des Ersten Weltkrieges haben sie häufig nicht viel gemein und doch bestimmen sie unser Bild vom Ersten Weltkrieg oft stärker als die historischen Fakten. „Der Erste Welt – krieg ist ein Film“, schloss
Dr. Kleinhans seine Ausführung und forderte zu einem kritischeren Medienbewusstsein auf.
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