Podiumsgespräch über zeitgemäße Architektur im Landratsamt
Was zeichnet eigentlich ein gutes Gebäude aus? Um eine Antwort auf diese Frage haben sich die Podiumsteilnehmer bei den achten Architekturgesprächen am Montagabend im Landratsamt bemüht. Entscheidend sei, so Professor Peter Schürmann, das Wechselspiel zwischen Bauherrn, Architekten und Handwerkern. Von ULRICH GESSLER
OSTALBKREIS. Dieses Wechselspiel scheint bei den vier am Montagabend diskutierten Objekten gelungen. Die Möbelgaleristin Magdalena Fischer, der Komödiant Ernst Mantel und die beiden Architekten Professor Peter Schürmann und Matthias Schuster zeigten sich von den Wohnhäusern der Familien Schlipf in Aalen und Bläse in Lindach sowie dem Verwaltungsgebäuden der Firmen Scholz Edelstahl in Essingen und Fein in Bargau sehr angetan. Bei einer Reise durch den Ostalbkreis konnten die Podiumsteilnehmer alle vier Häuser am Montag besichtigen und sich damit einen eigenen Eindruck für die abendliche Diskussion verschaffen.
Was aber macht nun ein gutes Haus aus? Als wichtige Aspekte nannte Schuster, der Mitglied der Vereinigung für Stadt-, Regional– und Landesplanung ist und dem Konvent für Baukultur in Berlin angehört, Funktionalität und Atmosphäre. Für Schürmann, der Vorsitzender des Landesverbandes Baden-Württemberg im Bund Deutscher Architekten ist, erschließt sich ein Gebäude zudem erst in der Benutzung. Alle vier Häuser, die im vergangenen Jahr beim Wettbewerb „Beispielhaftes Bauen“ prämiert wurden, konnten hier punkten.
Wer jedoch ein echtes Streitgespräch über Baukultur der vom Mediendirektor des Schwäbischen Verlags, Joachim Umbach, moderierten Runde, erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Experten und Laien lagen eng beieinander. So zeigten sie sich nahezu übereinstimmend begeistert vom Inneren des Kompetenzzentrums der Firma Fein. Schürmann sprach von einer meisterlich gelösten Situation, und Schuster spürte den Geist der Produkte von Fein durchs Gebäude ziehen. Sehr wohl fühlte sich Fischer im Scholz-Gebäude, besonders des Wasserfalls im Innern wegen. Klare Linien dominieren die vorgestellten Wohngebäude. „Sehr puristisch und sehr beeindruckend“, kommentierte Mantel seine Eindrücke. „Das ist zum Angucken toll.“ Doch leben möchte der Komödiant, der mit seiner Familie ein altes Bauernhaus bewohnt, weder im einen noch im anderen Flachdachhaus. Ähnlich erging es Fischer. Zu uniform erschien ihr besonders das Haus der Familie Bläse. „Bei Derrick passieren in solchen Häusern immer die Morde“, meinte Schuster und wollte damit einen Hinweis auf die hohe Qualität des Gebäudes geben. Innere Qualitäten bescheinigte Schürmann dem Haus Bläse, die er ihm beim schnellen Vorbeifahren gar nicht zugetraut hätte.
Beide Wohnhäuser heben sich von ihrer Architektur stark von der Umgebungsbebauung ab. Dennoch fügen sich beide trotz des Flachdachs nach Ansicht von Schuster und Schürmann gut in ihr Umfeld ein. Individualität darf demnach sein. Es sei aber Aufgabe eines Bebauungsplans der Vielfalt eine Ordnung zu geben, sagte Schürmann, der zu einer intensiven städtebaulichen Diskussion aufforderte. Zum Schluss sorgte Schuster noch für den Werbeblock: Er forderte die Bauherrn auf, ihre Hemmungen zu verlieren und einen Architekten zu engagieren. „Wenn der gut ist, geht er auf die Bedürfnisse des Bauherrn ein.“
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